Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Im Notfall nach Münsterlingen

ROMANSHORN. Im neuen Jahr müssen sich die Oberthurgauer und Kreuzlinger bei medizinischen Notfällen nachts und an Wochenenden an die neue Notfallpraxis im Spital Münsterlingen wenden. Das hat nicht nur Vorteile, sagt ein Romanshorner Arzt.
Lukas Griethe
Im Kantonsspital Münsterlingen wird sich ab 2013 der zentrale Notfalldienst für den östlichen Thurgau befinden. (Archivbild: Urs Jaudas)

Im Kantonsspital Münsterlingen wird sich ab 2013 der zentrale Notfalldienst für den östlichen Thurgau befinden. (Archivbild: Urs Jaudas)

Am 3. Januar 2013 tritt die von langer Hand geplante Neuorganisierung des Notfalldienstes im Oberthurgau und Kreuzlingen in Kraft. Künftig gibt es keinen Notfalldienst in Hausarztpraxen mehr. Wer in den Regionen Amriswil, Arbon, Romanshorn oder Kreuzlingen wohnt, wird künftig ausserhalb der Dienstzeiten unter der Nummer des Hausarztes direkt zur neuen Notfalldienstzentrale im Spital Münsterlingen weitergeleitet. Dort leisten Hausärzte abwechselnd Notfalldienst.

Ein Arzt sei zusätzlich für Hausbesuche eingeteilt, sagt der Kesswiler Arzt Markus Schmon. Gedacht sei er für Patienten, die den Weg in die Praxis nicht bewältigen können – etwa Heimbewohner. Der Dienst komme auch zum Tragen, wenn ein Todesfall festzustellen sei.

Die neue Notfallpraxis ist nicht zu verwechseln mit der Notfallstation des Spitals, die weiterhin bei Lebensgefahr unter der Nummer 144 zu erreichen ist und deren Sanitäter mit einem Krankenwagen ausrücken können.

Lange Fahrtzeiten

Der Romanshorner Arzt Markus Zeller ist von der Neuorganisierung des Notfalldienstes nicht wirklich überzeugt. «Patienten werden teilweise über 20 Minuten brauchen, um zum Arzt zu gelangen», sagt er. Anschliessend könnten noch Wartezeiten beim Spital hinzukommen. Dies sei zu lang, um eine gute Behandlung zu ermöglichen. Bis jetzt sei die Fahrtzeit viel kürzer gewesen, denn der diensttuende Hausarzt sei ja immer in der Nähe gewesen.

Die grösseren Distanzen könnten Patienten in der Randregion in Versuchung führen, bei einem Notfall nach St. Gallen ins Spital zu fahren, weil es für sie näher als Münsterlingen liegt. Sie müssen dann aber eventuell Zusatzkosten tragen, wenn ihre Krankenversicherung ausserkantonale Spitäler nicht akzeptiert. Auch für die Ärzte bedeutet die Neuorganisation längere Wege. Künftig müssen sie für den Notfalldienst jedesmal nach Münsterlingen fahren. Zeller erinnert sich noch daran, wie angenehm es gewesen sei, in Romanshorn den lokalen Nachtdienst zu leisten. Als Romanshorn und Arbon dann zusammen nur noch eine Notfallpraxis hatten, sei der Weg zum Patienten länger geworden. Jetzt werde er nochmals um einiges weiter.

Neuregelung ist nötig

Trotz der möglichen Nachteile für Patienten und Ärzte hat der Kesswiler Arzt Schmon gewichtige Argumente zugunsten der Neuregelung. «Erstens geht die Hälfte der Patienten sowieso schon zuerst ins Spital, und zweitens gibt es in absehbarer Zeit einfach zu wenig Ärzte, um den heutigen Standard aufrechtzuerhalten.» Das Problem liege beim Nachwuchsmangel. Die Hälfte der Ärzte in Romanshorn und Amriswil gehe in absehbarer Zeit in Pension – Ersatz sei nicht in Sicht.

Ausserdem sprächen finanzielle Gründe für die Neustrukturierung. Die Tarife würden die Kosten für den Nachtdienst in den Hausarztpraxen nicht mehr decken.

Hohe Belastung befürchtet

Viele Ärzte haben gemäss Schmon Angst vor den Veränderungen. Obwohl es zeitlich für sie etwas besser aussehen wird, könne der Notfalldienst aufgrund der erhöhten Patientenströme schon eine grosse Belastung werden. «Auch wenn einige Tage ruhiger waren, konnte es im alten System schon vorkommen, dass man bis zu 50 Patienten an einem Tag behandeln musste», sagt Schmon. Da neu ein viel grösseres Gebiet behandelt wird, bekomme man als Arzt noch einiges mehr zu tun. Wegen der Gefahr der Überbelastung wünscht sich der Kesswiler Arzt Unterstützung von den Spitalärzten. Schmon sagt, dass es bei der Umorganisation wie bei allem Vor- und Nachteile gebe. Man müsse nach einem Jahr schauen, wie es laufe, und könne erst dann das Projekt wirklich beurteilen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.