Im Klang baden und schweben

ARBON. Eine Handvoll Künstler nimmt bei der Zweitauflage des Klangfestivals Arbonale Besucher wieder mit in phantastische Klangwelten. Installationen lassen sich erdige bis sphärische Töne entlocken. Der Mensch selbst wird zum Resonanzkörper.

Max Eichenberger
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Stefan Philippi sitzt im Klangstuhl. Die Rückenlehne ist mit einem saitenbespannten Modul versehen. (Bild: Max Eichenberger)

Stefan Philippi sitzt im Klangstuhl. Die Rückenlehne ist mit einem saitenbespannten Modul versehen. (Bild: Max Eichenberger)

Der Arboner Klangkünstler Stefan Philippi veranstaltet nach der vielbeachteten Arbonale-Premiere im letzten Jahr in diesem Frühherbst erneut ein Klangskulpturenfestival. Diesmal wird es nicht mehr in den weitläufigen Arboner Seeuferanlagen in Szene gehen. «Es wird eine Arbonale indoor sein: unter dem Namen <Intermezzo>», kündigt Philippi den Event an, der nicht nur den Gehörsinn anspricht und meditative Assoziationen auslöst, sondern über Klangschwingungen auch körperlich vielschichtig wahrnehmbar wird.

Diesmal in intimerem Rahmen

«Letztes Jahr gehörte das Festivalgelände am See sozusagen ausschliesslich dem Publikum, das die im Gelände verstreuten Installationen selber bespielen konnte.» Diesmal präsentiert sich die Handvoll eingeladenen Künstler mit ihren Klanginstallationen der unterschiedlichsten Art im Querbau des ZiK. Danach wird die ehemalige Webmaschinenprüfhalle im früheren Saurer Werk 1 saniert. «In diesen Räumen lassen sich – in vertiefendem Sinne – sensiblere Sachen machen», sagt Stefan Philippi, der zudem seine Klangwerkstatt nebenan öffnen wird.

Besucher einbeziehen

Die Besucher werden aber auch bei der zweiten Auflage des Klangfestivals den Skulpturen Töne entlocken können; allerdings wird das, konzeptionell bedingt, nur mehr selektiv der Fall sein. «Eine interaktive Auseinandersetzung mit den Klangkunstobjekten wird aber möglich sein und das Publikum so direkt einbezogen.» Philippi wird fünf innovative internationale Künstler zusammenbringen, die ein breites Spektrum abdecken. «Sie arbeiten mit ganz unterschiedlichen Materialien, so dass wir insgesamt eine grosse Vielfalt erreichen.» Mit Objekten aus Steinen, Holz, Metall und Wasser. Da werde es «gigantische Sachen» zu bestaunen geben, verrät der Arbonale-Organisator.

Noch nie gehörte Klänge

Philippi, der zusammen mit Marion Müller mit der Vorbereitung der Arbonale indoor beschäftigt ist, verweist auf einen 26 Meter grossen liegenden Mammutbaum mit 26 teils ausgehöhlten und mit Fellen von Schweizer Tieren überzogenen Trommel-Segmenten. «Einer der Räume wird völlig verdunkelt sein. Man geht wie in eine Höhle hinein und badet im Klang.» Auf ein «unglaubliches Klangwerk» des 72jährigen Winterthurers Martin Spühler freut sich Stefan Philippi besonders. Aus diesem Instrumentarium – zumeist aus Metall – zaubere er «Klänge, die hat man noch nie gehört», schwärmt er. «Man hat das Gefühl, da sitzt einer an einem Synthesizer.» Während der Arbonale – sie findet vom 12. bis 27. September statt – gibt es zudem verschiedene Konzerte und Aktivitäten.

Mensch als Klangkörper

Zum ersten Mal seit langem wird Stefan Philippi seine Klang- werkstatt am See in der früheren Saurer-Dreherei öffentlich zugänglich machen und dem Publikum einen intimen Einblick in sein Schaffen gewähren. Besuche sind, jeweils auf Voranmeldung, auf Gruppen von 15 Personen beschränkt. Sie werden einbezogen, sitzen und liegen in Klangstühlen – und irgendwann im Laufe des Konzerts spüren sie die Klänge am eigenen Körper. Am Rücken der hölzernen Stühle werden mit Saiten gespannte Module angebracht, die dann bespielt werden. Dabei entstehen, je nach menschlichem Klangkörper, individuell unterschiedlich wahrnehmbare Töne. Die Saiten des «Singing Drums» erzeugen sphärische Klänge, wenn der Künstler die Messingrohre anschlägt und die Saitenspannung variiert.

Werbetrailer mit Flötonium

Bei einzelnen Konzerten stellen Kontrabass und Flöte die Verbindung zu vertrauten Instrumenten her. Für den Werbetrailer im Kinok spielt Stefan Philippi 20 Sekunden lang sein rosafarbenes Flötonium. Die Wegverbindung von der Klangwerkstatt zum ZiK-Querbau wird die Schule Stiftung Rothaus, Teufen, mit Objekten bestücken, die Besucher zum Klingen bringen können. «So entsteht wieder dass Feeling der letztjährigen Arbonale», sagt Philippi.

Arbonale indoor Intermezzo: 12. bis 27. September; ZiK und Werkstatt am See; offen jeweils samstags und sonntags; wochentags Führungen auf Voranmeldung; www.arbonale.ch

Ball statt Tasten. Das Flötonium klingt über Luftdruck.

Ball statt Tasten. Das Flötonium klingt über Luftdruck.

Wandernder Klang &ndash; dreidimensionales Erlebnis.

Wandernder Klang – dreidimensionales Erlebnis.