Im Café macht das Üben Spass

KREUZLINGEN. Im Kreuzlinger Sprachcafé treffen sich Frauen unterschiedlicher Herkunft, um spielerisch Deutsch zu lernen. Die Initiantin und Soziologin Marifet Kaya hat für das Projekt Fördergelder vom Bund erhalten.

Barbara Hettich
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Leiterin Marifet Kaya erklärt den Teilnehmerinnen ein Ratespiel. (Bild: Barbara Hettich)

Leiterin Marifet Kaya erklärt den Teilnehmerinnen ein Ratespiel. (Bild: Barbara Hettich)

Um den grossen Tisch sitzen rund 20 Frauen, die eines gemeinsam haben: Sie sind noch nicht lange in der Schweiz und wollen ihre Sprachkenntnisse erweitern. Es ist eine fröhliche Runde. Beim Ratespiel zu deutschen Begriffen gibt es viel zu lachen. Was trägt man beim Schwimmen auf dem Kopf? Nein, keine Mütze, sondern eine Badekappe. Und wie umschreibt man einen Kopfhörer? «Ein Telefon hat das auch für Ohren», meint eine Frau. Das gibt zu Diskussionen Anlass.

Fehlende Praxis

Am Tisch sitzt Anna Majerovà. «Ich wohne seit rund einem Jahr in der Schweiz», erzählt die Slowakin in gebrochenem Deutsch. Einen Deutschkurs habe sie besucht, aber ihr fehle die Möglichkeit, die Deutschkenntnisse anzuwenden. Die junge Mutter ist nicht berufstätig. Neben ihr sitzt Mària Halàszné. Sie kommt aus Ungarn, ist alleinstehend und kam vor eineinhalb Jahren zu ihrer Tochter in die Schweiz. Sie arbeitet als Küchenhilfe, hat auch schon einen Deutschkurs besucht, aber das Sprechen fällt ihr immer noch schwer.

«Die Frauen sollen in dieser Runde spielerisch Konversation in der deutschen Sprache üben», sagt die Soziologin Marifet Kaya, die dieses Projekt initiiert hat. Mit dem Sprachcafé will sie zudem den Frauen einen Treffpunkt anbieten. «Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie wichtig ein Begegnungsort sein kann, wenn man neu in einer Stadt ist.» Marifet Kaya ist als Kind türkischer Einwanderer in Deutschland aufgewachsen, sie hat in Berlin Soziologie studiert und arbeitet in einem Forschungsprojekt an der Universität Konstanz. «Ich bin in meinem Leben schon sehr viel umgezogen.»

Prämierte Idee

Seit zwei Jahren wohnt sie in Kreuzlingen und hat in Zusammenarbeit mit der Integrationsfachstelle Kreuzlingen ein Kommunikationstraining in der türkischen Moschee organisiert. Die positiven Rückmeldungen hätten sie motiviert, das Projekt Sprachcafé, das Frauen aller Nationen offen steht, beim Eidgenössischen Förderprogramm contakt-citoyenneté einzureichen. Die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen EKM und das Migros-Kulturprozent haben dieses mit 320 000 Franken dotierte Programm lanciert. 100 Projekte aus der ganzen Schweiz wurden eingereicht, 30 davon prämiert, auch das Kreuzlinger Projekt mit einem Förderbeitrag über 15 000 Franken. Das Projekt muss von einem Kompetenzzentrum begleitet werden, so die Bedingung.

Synergien mit Heks nutzen

Diese Begleitung hat Zeljka Blank, Leiterin der Integrationsfachstelle, übernommen. «Das ist eine tolle Sache», sagt sie. Mit dem Umzug des Heks an die Konstanzerstrasse Anfang September habe sich für das Sprachcafé eine ideale räumliche Lösung angeboten. Das Sprachcafé kann dort jeweils am Mittwochnachmittag einen Raum mieten. «So können Synergien genutzt werden», ist Zeljka Blank überzeugt. Denn beim Heks werden Deutschkurse und eine Spielgruppe für ausländische Kinder angeboten.

Im Sprachcafé will Marifet Kaya ein abwechslungsreiches Programm anbieten. Nebst dem spielerischen Lernen möchte sie Referenten zu verschiedenen Themen einladen. Sie würde sich zudem sehr freuen, wenn auch Schweizer Frauen, zwecks interkulturellem Austausch, am Sprachcafé teilnehmen würden. Interessierte melden sich bei der Fachstelle Integration der Stadt Kreuzlingen, Telefon 071 677 6234 oder zeljka.blank@kreuzlingen.ch.