Ikaria statt Marilyn Monroe

AMRISWIL. Was im Fumoir begann, hat Schule gemacht: Im Alters- und Pflegezentrum Amriswil zieren nun grossformatige Fotos von Kunstwerken die Wände. Die Initiative dazu kommt von Bewohner Jörg Tschopp.

Rita Kohn
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Jörg Tschopp freut sich darüber, dass die Kunstwerke in seinem Garten nun als Fotos im Fumoir hängen. (Bild: Rita Kohn)

Jörg Tschopp freut sich darüber, dass die Kunstwerke in seinem Garten nun als Fotos im Fumoir hängen. (Bild: Rita Kohn)

Jörg Tschopp fühlt sich der Kultur verbunden. In seinem Garten in Kesswil stehen verschiedene Kunstwerke. Unter anderem die Ikaria der Thurgauer Künstlerin Ursula Fehr. «Es ist ein Frauenbildnis mit den Flügeln der Tiere und dem Stamm der Pflanzen», schwärmt der Pensionär. Er erzählt von den verschiedenen Füssen der Figur, und davon, was sie bedeuten.

Obwohl Jörg Tschopp mittlerweile im Alters- und Pflegezentrum in Amriswil lebt, muss er auf den Anblick der Ikaria und anderer Skulpturen aus seinem Garten nicht verzichten. Grossformatige Fotos zeigen, was nebst Ursula Fehr die belgische Künstlerin Hanneke Beaumont und die Bernerin Christa Wendt geschaffen haben.

Nicht überzeugt

Die Fotos hängen aber nicht im Zimmer, das Jörg Tschopp bewohnt. Sie zieren das Fumoir im Neubau, der erst vor wenigen Wochen fertiggestellt worden ist. «Ursprünglich hingen da Fotos von Marilyn Monroe und einer anderen Schauspielerin», sagt der Pensionär und schüttelt den Kopf. «Die Bilder haben mich gar nicht überzeugt». Er habe sich Gedanken gemacht, wie man das Fumoir etwas sympathischer gestalten könnte.

Die Idee, Fotos von den Kunstwerken aufzuhängen, überzeugte Heimleiter Dominique Nobel erst, als er die Bilder sah. Für Jörg Tschopp war die Zustimmung zur bildlichen Umgestaltung des Fumoirs eine späte Genugtuung. Noch brodelt es in ihm, wenn er daran denkt, dass es nicht möglich gewesen war, eine Skulptur im Garten des APZ aufzustellen. «Auch ältere Leute haben eine Affinität zu Kunst», sagt er. Doch das von ihm ins Auge gefasste Kunstwerk habe dem zuständigen Stadtrat nicht gefallen. Inzwischen ist das Thema ohnehin erledigt, die von ihm ins Auge gefasste Skulptur hat einen anderen Besitzer.

Positives Echo

Nach der Zustimmung durch APZ-Leiter Dominique Nobel liess Jörg Tschopp die Bilder seiner Kunstwerke von Eugen Fahrni aufziehen und ersetzte die Schauspielerporträts durch die Fotos. Das Echo bei den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern, die das Fumoir benutzen, sei sehr positiv gewesen, freut sich der Pensionär. Sie würden die Fotos der Kunstwerke vorziehen.

Auch der Initiant selber ist überrascht darüber, wie gut sich die Fotos in dem kleinen, fensterlosen Raum machen. Zu sehen sind auf den vier Fotos alle fünf Kunstwerke, die im Kesswiler Garten stehen. Die drei Menschenskulpturen jeweils einzeln auf einer Foto, im Hintergrund des Bildes mit Ikaria ist die Menschengruppe von Christa Wendt zu sehen. Jörg Tschopp kommt ins Erzählen, schildert, wie er die Kunstwerke entdeckt hat.

Mehr Kultur

Seit die Fotos hängen, ist Jörg Tschopp mit den APZ–Verantwortlichen auch innerlich versöhnt. Nur manchmal bricht es noch aus ihm heraus: «Wenn ein so grosses Bauwerk fertiggestellt wird, dann muss es doch auch Platz für Kunst haben», sagt er und blickt sich um.

Davon, dass auch das APZ Kunst am Bau bekommen wird, hat er noch nichts gehört. Auf das Projekt von Pascal Denz angesprochen, kommt er ins Stutzen. Nachdenklich betrachtet er den noch leeren Lichthof, in den die den Handabdrücken nachempfundenen Steine zu liegen kommen werden. Schliesslich nickt er zufrieden und wiederholt: «Auch ältere Menschen wissen Kunst zu schätzen.»