«Ich wünsche mir ein Hallenbad»

Stadtpräsident Martin Salvisberg erachtet die gute Infrastruktur und die gesunden Finanzen als Pluspunkte Amriswils. Kritisch beurteilt er die Fürsorgekosten, die Steuerkraft und die fehlende Anbindung an das Nationalstrassennetz.

Rita Kohn
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Martin Salvisberg, Stadtpräsident von Amriswil, auf dem weitläufigen Bahnhofplatz, wo es in nächster Zeit zu markanten Veränderungen kommen wird. (Bild: Reto Martin)

Martin Salvisberg, Stadtpräsident von Amriswil, auf dem weitläufigen Bahnhofplatz, wo es in nächster Zeit zu markanten Veränderungen kommen wird. (Bild: Reto Martin)

Herr Salvisberg, welche fünf Begriffe charakterisieren Ihre Stadt am besten?

Martin Salvisberg: Dynamisch, fortschrittlich, bürgernah, pragmatisch, kulturell.

Welches Argument könnte jemanden dazu bewegen, in Ihre Stadt zu ziehen?

Salvisberg: Amriswil hat eine sehr gute Infrastruktur für Einkauf, Sport, Freizeit und Schule sowie Infrastrukturen für die ältere Generation.

Welcher Kritikpunkt könnte eher abschreckend wirken?

Salvisberg: Die starke Verkehrsbelastung zu Spitzenzeiten und der Stau im Abendverkehr.

Die Städte im Oberthurgau wachsen langsamer als jene im Westen des Kantons. Sind Sie mit der Bevölkerungsentwicklung in Ihrer Stadt zufrieden?

Salvisberg: Ja. Von 1995 bis 2010 ist Amriswil in 15 Jahren von 11 000 auf 12 000 Einwohner und in den letzten fünf Jahren von 12 000 auf 13 000 Einwohner gewachsen, also dreimal schneller.

Und wie geht es dem Gewerbe und der Industrie in Ihrer Stadt?

Salvisberg: Durchzogen. Einzelne Branchen wie der Detailhandel haben eine sehr starke Konkurrenz im nahen Ausland wegen des tiefen Eurokurses, im Bauhauptgewerbe werden Investitionen auf ihre Nachhaltigkeit extrem stark hinterfragt.

Was hat sich 2015 in der Stadt positiv verändert?

Salvisberg: Es gibt viele kleine Dinge wie zum Beispiel diverse Verkehrsraumsanierungen, die Einweihung der Bahnunterführung etc.

Was ist der aktuelle Brennpunkt der Stadt?

Salvisberg: Die Gestaltungsplanauflage der neuen Migros mit Tiefgarage im Zentrum von Amriswil.

Gibt es etwas, das sich im Jahr 2015 zum Negativen verändert hat?

Salvisberg: Die höheren Netto-Fürsorgeaufwendungen.

Amriswil ist Energiestadt. Ist man dem Ziel im Jahr 2015 näher gekommen?

Salvisberg: Ja. Es wird aus dem Umfeld von Privaten und der Industrie sehr viel für die Effizienzsteigerung auf dem Weg zu alternativen Energien unternommen. So betreibt auch die Pensionskasse der Stadt Amriswil eine eigene Photovoltaikanlage mit 2454 Modulen à 260 Wp. Die Anlage auf dem Dach der Muldenzentrale Oberthurgau hat eine Grösse von 638,04 kWp.

Was war für Sie der Höhepunkt im Jahr 2015?

Salvisberg: Politisch die Zusammenarbeit innerhalb des Stadtrates. Bürgerlich die vielen Gespräche mit Menschen unserer Stadt zu den unterschiedlichsten Themen. Familiär die Gesundheit unserer Familien und die Freude an den Grosskindern.

Und was war der Tiefpunkt oder der grösste Ärger?

Salvisberg: Da gibt es immer wieder Ereignisse, welche einen kleineren oder grösseren Ärger verursachen. Ein Nennen beim Namen kommt für mich nicht in Frage. Diesen Prozess trage ich nicht in der Öffentlichkeit aus.

In welchem Bereich würden Sie Ihre Stadt zum Spitzenfeld zählen?

Salvisberg: Bei den Einkaufsmöglichkeiten, den Altersinfrastrukturen und beim Sport.

Und wo liegt Ihre Stadt unter dem Durchschnitt?

Salvisberg: Bei der Steuerkraft und der Anbindung ans Hochleistungsstrassennetz.

Welche Probleme ist die Stadt 2015 angegangen, und wo hat sie Massnahmen eingeleitet?

Salvisberg: Bei der Überarbeitung unserer Richt- und Zonenpläne stossen wir an die Grenzen des Bürokratismus. Es geht nun in grossen Schritten in Richtung innerer Verdichtung, und da will der Stadtrat mit Pragmatismus bei hängenden Gestaltungsplanverfahren positiven Einfluss auf allen Ebenen erwirken.

Wie steht es um die Finanzen?

Salvisberg: Die Finanzen der Stadt Amriswil stehen auf gesunden Füssen, und wir werden auch in Zukunft im Rahmen unserer Spielräume mit bescheidenen Mitteln alles daran setzen, eine möglichst hohe Wirkung zu erzielen.

Wenn Sie sich – jetzt mal unabhängig von den Finanzen – ein Bauwerk für die Stadt wünschen könnten, was wäre das?

Salvisberg: Ein Hallenbad.

Bald sind Grossratswahlen. Damit ist es vier Jahre her, seit die Thurgauer Bezirke neu geordnet worden sind. Haben Sie den Eindruck, Ihre Stadt hat in der neuen Bezirkseinteilung noch dieselbe Bedeutung wie vorher?

Salvisberg: Wir haben uns im Bezirk Arbon schon sehr gut eingelebt und die Frage der Bedeutung stellt sich mir in dieser Form nicht. Dort, wo es möglich und gewünscht ist, arbeiten wir sehr gerne auf Bezirksebene mit.

Werfen Sie einen Blick auf den Veranstaltungskalender. Was würden Sie sich wünschen, das in Ihrer Stadt noch öfters stattfinden könnte?

Salvisberg: Der Nationalzirkus Knie kommt am 19. und 20. April 2016 wieder einmal nach Amriswil, und ich hoffe, dass das für die Zukunft so bleibt.

Viele Städte leben auch von der Prominenz ihrer Bürgerinnen und Bürger. Wer hat in Ihren Augen 2015 den Namen Ihrer Stadt am weitesten getragen?

Salvisberg: Hermann Hess, unser neuer Nationalrat und «Thurgauer des Jahres».

Sie haben eine Partnerstadt. Wie wird diese Partnerschaft gepflegt?

Salvisberg: Wir pflegen unsere Kontakte mit der Partnerstadt Radolfzell, indem wir uns auf behördlicher und kultureller Ebene gegenseitig besuchen und den Gedankenaustausch pflegen.

Worauf sind Sie als Amriswiler Stadtpräsident stolz?

Salvisberg: «Wir sind Amriswil». Vieles wurde bisher erreicht, und neue Errungenschaften sollen die Zukunft weisen!

Was haben Sie sich als Stadtpräsident für das Jahr 2016 vorgenommen?

Salvisberg: Ich bleibe bei meinem Leitsatz: «Es darf nie sein, dass jemand das Gefühl hat, es nütze nichts, sich für etwas zu engagieren.» Es soll möglichst vielen Menschen wohl sein. Unsere Stadt kann sich nur weiterentwickeln, wenn die Leute sich einsetzen und Ideen umsetzen.

Worauf freuen Sie sich besonders, wenn Sie einen Blick auf die kommenden Monate werfen?

Salvisberg: Unser Leben in unserer Gesellschaft ist ein laufender Prozess, und ich freue mich auf viele schöne Erlebnisse.

Was wird 2016 die grösste Herausforderung für die Stadt sein?

Salvisberg: Das laufende Richt- und Zonenplan-Erneuerungsverfahren.

Wenn Sie einen Blick auf die fast benachbarte Stadt Bischofszell werfen, worum beneiden Sie sie?

Salvisberg: Ich mache keine Vergleiche mit anderen Orten, denn jeder Ort hat seine eigenen Qualitätsmerkmale.

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