«Ich will es unauffällig machen»

Am nächsten Donnerstag wählt der Kreuzlinger Gemeinderat Rolf Rindlisbacher zu seinem Präsidenten. Die SVP stellt mit ihm in einem spannenden Jahr den höchsten Kreuzlinger. Doch Politik will der 53-Jährige in diesem Amt nicht machen.

Urs Brüschweiler
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Rolf Rindlisbacher im Gespräch auf seinem Gartensitzplatz. (Bild: Reto Martin)

Rolf Rindlisbacher im Gespräch auf seinem Gartensitzplatz. (Bild: Reto Martin)

Herr Rindlisbacher, nach dem «Büezer» Christian Forster und dem «Einwanderersohn» Alfredo Sanfilippo kommen nun mit Ihnen wieder traditionelle Schweizer Werte zum Zug im Amt des höchsten Kreuzlingers. Lassen Sie sich in diese Schublade stecken?

Rolf Rindlisbacher: Als Mitglied der SVP bin ich sicher traditionsbewusst. Ich sehe mich aber am liebsten als Seebueb. Ich bin in Ermatingen aufgewachsen und wohnte kurzzeitig in Amriswil. Doch das war mir schon zu weit weg vom See, deshalb kam ich 1992 nach Kreuzlingen.

Wie kam es dazu, dass Sie Ihre Fraktion für das Präsidium des Gemeinderats vorgeschlagen hat?

Rindlisbacher: Nun, unsere Fraktion ist an der Reihe. Wir sind zehn Personen. Bruno Rieser fällt weg, weil er schon Präsident war. Niemand hat sich vorgedrängt. Und da ich schon im Büro des Gemeinderats sitze, lag es nahe, mich vorzuschlagen.

Also ist es eher eine Pflichtübung und kein Traumjob?

Rindlisbacher: Doch, das Amt ist sicher eine grosse Ehre. Wenn ich denn gewählt werde, gelte ich immerhin ein Jahr lang als höchster Kreuzlinger.

Bei der Wahl von Christian Forster vor zwei Jahren hatte sich Ihre Partei quergestellt. Meinen Sie, es kommt nun bei Ihrer Wahl zu einer Revanche, beispielsweise von Seiten der Freien Liste?

Rindlisbacher: Ich denke nicht. Die Retourkutsche habe ich wohl letztes Jahr bei der Wahl zum Vizepräsidenten erhalten, als ich nur 24 Stimmen erhielt.

Wie gehen Sie die Aufgabe als Gemeinderatspräsident an? Welchen Stempel wollen Sie dem Amt aufdrücken?

Rindlisbacher: Eigentlich gar keinen. Ich bin nicht da, um eine One-Man-Show vorzuführen oder mich sonst irgendwie zu profilieren. Ich werde versuchen, möglichst unauffällig die Sitzungen zu leiten, ohne meine Klappe hineinzuhalten.

Es wird ein spannendes Jahr mit vielen interessanten Themen in der Politik. Eigentlich eine schlechte Zeit, um Ratspräsident zu sein. Dieser soll sich ja politisch nicht äussern.

Rindlisbacher: Wenn ich unbedingt etwas einbringen will, kann ich das über meine Fraktion machen. Und abstimmen darf ich auch. Aber ich habe mir vorgenommen, die Sitzungen neutral zu leiten. Ich versuche auch, keine spitzen Bemerkungen zu machen.

Als es im Rat um die Projektierung der Schwimmhalle ging, regten Sie sich über die Schwimmclubmitglieder auf, die im Saal Stimmung machten. Hätten Sie damals als Ratspräsident anders gehandelt?

Rindlisbacher: Ich finde, der Präsident hätte damals eingreifen müssen. Es kann nicht sein, dass Gemeinderäte ausgebuht werden, wenn sie etwas Kritisches gegen das Projekt sagen. Sie müssen ohne Druck entscheiden können. Bei der nächsten Sitzung zur Schwimmhalle hat der Präsident dann die Regeln von Anfang an klargestellt und das hat dann auch gut geklappt.

Sie gelten als Gegner der Schwimmhalle. Werden Sie als Gemeinderatspräsident im Nein-Komitee mitmachen können?

Rindlisbacher: Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Schwimmhalle, aber die hohen Betriebskosten sind mir ein Dorn im Auge. Aber ich werde sicher nicht im Komitee mitmachen, das sich derzeit bildet. Weil ich finde, das gehört sich nicht für den Gemeinderatspräsidenten. Aber es gibt sicherlich genug fähige Leute, die im Komitee mitmachen werden.

Was ist für Sie derzeit das dominierende Thema in der Kreuzlinger Politik?

Rindlisbacher: Ganz klar das Xentrum. Doch finde ich die derzeitige Situation unglücklich. Das Volk wird über die Schwimmhalle befinden müssen, ohne zu wissen, was uns die anderen Projekte noch bringen werden. Das könnte ein Stolperstein werden.

Sie sind seit 2007 im Gemeinderat. Wie beurteilen Sie das Klima unter den Mitgliedern und auch gegenüber des Stadtrats? Man hat das Gefühl, die Beziehung ist derzeit etwas frostig.

Rindlisbacher: Das Klima im Gemeinderat ist sehr gut. Wir führen konstruktive Diskussionen. Das Verhältnis zum Stadtrat hingegen war sicher schon besser. Allerdings auch schon schlechter. Es ist Aufgabe des Gemeinderates, den Stadtrat kritisch zu hinterfragen. Ich denke, der Stadtrat müsste mutigere Entscheide fällen.

Sie standen als Architekt der Renovation der Stadtkirche und auch mit dem Handharmonika-Club in der Öffentlichkeit. Jetzt kommt das Gemeinderatspräsidium. Gefällt es Ihnen eigentlich im Rampenlicht?

Rindlisbacher: Diese Aufmerksamkeit kommt einfach so. Ich suche sie nicht. Ich bin auch kein grosser Redner. Man kann vielleicht sagen, ich übernehme gerne Verantwortung.

Apropos Rede: Was werden Sie in Ihrer Antrittsrede sagen?

Rindlisbacher: Die Rede ist noch nicht geschrieben. Aber ich werde einen Vergleich ziehen mit meinem Hobby. Als Dirigent ist das Orchester wichtiger als ich, und in der Politik sind der Gemeinderat und seine Entscheide wichtiger als der Präsident.

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