«Ich will an der WM eine Medaille»

ARBON. Zwanzig Männer und Frauen teilen im Verein Armsport Bodensee seit 2012 ihre Leidenschaft für das Armdrücken. Xhelal Gjemali-Hazer, Profiarmwrestler und Trainer, ist stolz auf sein Team. Er freut sich auf die nächste WM.

Luisa Gomringer
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Xhelal Gjemali-Hazer im Trainingslokal des Armsportvereins Bodensee. (Bild: Andrea Stalder)

Xhelal Gjemali-Hazer im Trainingslokal des Armsportvereins Bodensee. (Bild: Andrea Stalder)

Die vielen Fitnessgeräte in dem kleinen, dunklen Raum, der mit den Spiegeln an den Wänden grösser wirkt, deuten auf einen normalen Kraftraum hin, wäre da nicht dieser mit Polster überzogene Tisch in der Mitte. Der Tisch, an dem geschwitzt und gekämpft wird, der lizensierte Profiarmwrestler und Trainer Xhelal Gjemali-Hazer sowie sein Team motiviert und an dem sich die Mitglieder des Vereins Arm Sport Bodensee (ASB) für internationale Wettkämpfe vorbereiten.

Einziger Verein im Thurgau

Der von Gjemali-Hazer gegründete Verein, der an der Rebenstrasse zu Hause ist, besteht seit 2012. «Ich habe alles selbst aufgebaut» sagt Gjemali-Hazer stolz. «Ich wusste von ein paar Interessenten, dass sie sich einen Armwrestlingverein in der Nähe wünschen, da es im Thurgau keinen weiteren Verein gibt.»

In der Schweiz trainieren 200 Armwrestler in 16 Vereinen. Jedoch nur wenige Mitglieder nehmen an internationalen Wettkämpfen teil, da diese oft ausserhalb von Europa stattfinden und die Reisen teuer sind.

Im März findet jedes Jahr die Schweizer Meisterschaft statt. 2013 nahmen 24 ASB-Mitglieder das erste Mal an der Schweizer Meisterschaft teil. Mit 23 Medaillen kamen sie nach Hause – und das schon ein Jahr nach der Gründung des Vereins. Auch 2014 glänzten sie und sammelten 13 Medaillen.

«Das Baby hat geholfen»

Vor allem die Frauen im Verein kämpfen mit grossem Erfolg und figurieren in der Weltrangliste. «Vor ein paar Jahren ist unsere beste Armwrestlerin, im sechsten Monat schwanger, zu einem Wettkampf angetreten. Der Arzt stand der Sache kritisch gegenüber, doch sie wollte unbedingt mitmachen. Das Baby hat kräftig mitgeholfen und so holte sie in einem Feld von Konkurrentinnen aus 53 Nationen die Bronzemedaille.»

Junioren und Senioren

Im Verein Arm Sport Bodensee trainieren momentan 20 Armwrestler im Alter zwischen 18 und 52. Es gibt zwei Junioren-Kategorien. Ab 21 gehört man bereits zu den Senioren. Auch die Gewichtsklassen spielen eine Rolle. Bei den männlichen Rechtshändern gibt es Gewichtsklassen von 60 bis 100 Kilo und bei den Linkshändern von 70 bis 90 Kilo. Bei den Frauen gibt es nur zwei Gewichtsklassen für Rechtshänderinnen: bis und ab 65 Kilo.

«Mentales Training ist wichtig»

Es gibt bei Gjemali-Hazer keinen Trainingsplan. «Wir üben alle zusammen und geben uns gegenseitig Feedbacks.» Man braucht auch keine grossen Voraussetzungen, um im Verein mitmachen zu können. «Wir bauen auf dem auf, was jede und jeder mitbringt. Man muss keine Diät machen oder ähnliches, dass die Muskeln schön zur Geltung kommen, denn es kommt allein auf die Kraft an, und dass man sich wohl fühlt.»

Auch erfordere der Armsport eine geistige Fitness: «Man muss lernen, klar zu denken und sich auf den Wettkampf zu konzentrieren.» Gewiss sei es menschlich, vor den Wettkämpfen nervös zu sein und Respekt vor der bevorstehenden Aufgabe zu haben. «Doch wir lernen in unserem Training, mit diesen Situationen umzugehen. Das Wichtigste ist, dass man beim Training ebenso ernst bei der Sache ist wie im Wettkampf.»

Grosse Armwrestlerfamilie

Gjemali-Hazer war schon an 15 internationalen Titelkämpfen dabei. «Es kommen Gleichgesinnte aus allen Kontinenten. Durch meine Leidenschaft zum Armwrestling habe ich viele Freundschaften geschlossen. Durch den Sport, der uns verbindet, sind wir weltweit eine grosse Familie geworden.»

Die nächste WM findet vom 27. September bis 3. Oktober in Kuala Lumpur statt. Die Russen und Amerikaner seien die stärksten Gegner. «Ich habe ein klares Ziel: Ich will eine Medaille», sagt Xhelal Gjemali-Hazer.