«Ich werde alles geben»

In drei Wochen wählt Güttingen einen neuen Gemeindeammann. Marcel Manser kandidiert, obwohl er vom Wahlkomitee nicht empfohlen wird. Er sieht sich als Sprengkandidat und tritt dennoch an, das Dorf zu einen.

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Marcel Manser beschreibt im Interview die Beweggründe für seine Kandidatur als Gemeindeammann von Güttingen. (Bild: Reto Martin)

Marcel Manser beschreibt im Interview die Beweggründe für seine Kandidatur als Gemeindeammann von Güttingen. (Bild: Reto Martin)

Herr Manser, was hat Sie dazu bewogen, sich um das Güttinger Gemeindeammannamt zu bewerben?

Marcel Manser: Ich bin 48 Jahre alt und arbeite insgesamt 18 Jahre bei der Mowag. Ich spüre, dass ich noch einmal eine neue berufliche Herausforderung brauche. Als ich das Inserat mit der Stellenausschreibung gesehen habe, begann es in meinem Kopf zu arbeiten. Ich dachte drei Wochen intensiv darüber nach, bis ich zum Entscheid kam und die Bewerbung schrieb.

Welche Reaktionen erhielten Sie, als Ihre Kandidatur im Dorf bekannt wurde?

Manser: Aus dem Dorf und von Bekannten bekam ich viel Zuspruch. Aber einige Exponenten der SVP, bei der ich mich kürzlich vorstellte, und auch Mitglieder des überparteilichen Wahlkomitees äusserten sich negativ, hauptsächlich wegen meines Leserbriefs.

Sie meinen Ihren Leserbrief gegen den damals amtierenden Gemeindeammann Eugen Staub. Sie schrieben ihn, nachdem die vier Mitglieder des Gemeinderats dessen Rücktritt gefordert hatten.

Manser: Ja, der Leserbrief ist noch allgegenwärtig. Die Reaktionen auf meine Bewerbung sind positiv, und wenn nicht, dann haben sie irgendwie mit diesem Leserbrief zu tun.

Sie sagen, Sie wollen das Dorf nach dem Streit wieder einen. Sind Sie dafür der Richtige, wenn Sie als Gegner von Eugen Staub auftraten?

Manser: Ich möchte eigentlich nicht als sein Gegner gelten. Für Politik hatte es in meinem Leben bis vor kurzem wenig Platz. Als der Gemeinderat dann diese Bombe platzen liess, war auch ich überrascht. Ich habe darauf einige Dinge recherchiert, dann war mir klar, dass Eugen Staub das Problem war. Mit dem Leserbrief wollte ich das Dorf aufrütteln. Heute bin ich ganz einfach überrascht, dass es noch immer Güttinger gibt, die sich verhalten, als wäre Eugen Staub das Opfer. Und diejenigen, die etwas gegen ihn gesagt haben, die Täter. An eine eigene Kandidatur dachte ich zu dieser Zeit nicht.

Wie ist denn Ihr Verhältnis zu den vier Gemeinderäten?

Manser: Man sieht und kennt sich im Dorf. Etwas besser kennengelernt habe ich sie, als meine Frau auf der Gemeindeverwaltung aushalf. Der Leserbrief war da aber bereits geschrieben. Allerdings hatte ich einen sehr guten Eindruck von unserem Gemeinderat, als ich mich im Zusammenhang mit meiner Bewerbung bei ihm vorstellte.

Das überparteiliche Wahlkomitee qualifizierte Sie als Nummer drei aller Bewerber. Es empfiehlt Sie damit nicht zur Wahl. Wissen Sie, warum Sie nicht nominiert wurden?

Manser: Im Anschluss an meine Befragung war ich guter Dinge. Kurz darauf befiel mich aber ein negatives Gefühl. Ich hatte den negativen Entscheid schliesslich erwartet, war aber trotzdem enttäuscht. Ich habe dann an verschiedenen Orten nachgefragt und dabei erfahren, dass mir einzelne im Komitee nicht wohl gesonnen waren. Dies hat mich im Entscheid bestärkt, als Sprengkandidat anzutreten.

Aber konkrete Gründe für Ihre Nicht-Nomination nannte man Ihnen nicht?

Manser: Es wurde mir nur gesagt, dass die anderen beiden stärker waren. Wenn das tatsächlich so ist, dann muss sich ja niemand vor meiner Kandidatur fürchten.

Einer der beiden hat sich dann wieder zurückgezogen. Aber Sie wären also auch gegen zwei Kandidaten ins Rennen gestiegen?

Manser: Ja, davon war ich ausgegangen. Dass mit Herrn Hekler nur ein offizieller Kandidat antritt, ändert nichts.

Erfahrungen in der Politik haben Sie bisher nicht gesammelt?

Manser: Wenig. Ich war 1998 bis 2000 in der politischen Kommission des Einwohnervereins Güttingen tätig. Aber ich bin vielseitig informiert und habe ein gutes Allgemeinwissen. Und ich habe beruflich schon einiges gemacht. In all meinen Aufgaben war ich stets erfolgreich. Generell bin ich sehr flexibel und habe eine gute Gabe, die wichtigen Parameter zu erfassen. Ich bin überzeugt, dass ich als Gemeindeammann gute Entscheide treffen und überzeugende Arbeit leisten werde.

Welchen Dingen würden Sie als Güttinger Gemeindeammann am meisten Priorität zuweisen?

Manser: Ich sehe da das alte Schulhausareal, den Werkhof und die Sanierung des Gemeindehauses. Die möchte ich gerne vorwärtstreiben. Bei allem anderen möchte ich zuerst die offenen Dossiers kennenlernen und diese mit dem Gemeinderat absprechen. Ich habe da heute zu wenig Informationen, um zu sagen, wo der Hebel prioritär anzusetzen ist.

Den Streit um Eugen Staub kann man nach der Wahl ruhen lassen?

Manser: Nein, das wäre der schlechteste Weg. Diese Geschichte spaltet Güttingen noch immer wie ein Keil. Die Aufarbeitung des Streits sehe ich als einen Kernpunkt in den ersten Monaten. Auch von den vier Gemeinderäten muss noch etwas kommen.

Wo stehen Sie politisch?

Manser: Ich habe schon Vorstösse von Christoph Blocher unterstützt und schon solche von Peter Bodenmann. Ich werde mich hüten, mich politisch festzulegen. Gewisse Probleme können weder von Links noch von Rechts alleine gelöst werden. Auf der kommunalen Ebene ist es deshalb gut, wenn man sich auf dem ganzen Spektrum bewegen kann.

In welchem Pensum würden Sie das Gemeindeammannamt führen?

Manser: Ich schlug 80 Prozent vor. Doch die Güttinger möchten nur 60 Prozent. Deshalb habe ich meine Meinung auf 60 Prozent geändert. Ich würde mir nach der Einarbeitungsphase eine kleine Nebenbeschäftigung suchen.

Glauben Sie, dass Sie als einheimischer Kandidat einen Bonus haben?

Manser: Bei den Leuten, die mich gut kennen, schon. Ansonsten ist das schwierig zu beurteilen. An der Podiumsdiskussion nächste Woche wird sich zeigen, wer die besseren Chancen hat. Ich werde alles geben.

Interview: Urs Brüschweiler