«Ich war gerne Pöstler»

Herbert Huber war als Briefträger in Obermühle, Schocherswil und Biessenhofen geschätzt und beliebt. Heute geht er nach über 40jähriger Tätigkeit auf der Post Amriswil zum letztenmal auf Tour.

Hugo Berger
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Mit Leidenschaft «Pöstler»: Herbert Huber denkt gerne an die Jahre zurück, in denen er als Postbote im Einsatz war. (Bild: Hugo Berger)

Mit Leidenschaft «Pöstler»: Herbert Huber denkt gerne an die Jahre zurück, in denen er als Postbote im Einsatz war. (Bild: Hugo Berger)

Er freue sich auf den Ruhestand, aber auf seiner letzten Tour werde wohl auch ein bisschen Wehmut aufkommen, gibt Herbert Huber zu und meint: «40 Jahre ist eine lange Zeit, die kann man nicht einfach so wegwischen.» Seit 1978 bedient er die Einwohner von Obermühle, Schocherswil und Biessenhofen. Viele werden den hilfsbereiten, fröhlichen Briefträger, der stets einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte, wohl vermissen.

Schnelle Fahrschule

«Bei der Post zu arbeiten, war damals ein Privileg», begründet Huber seine Berufswahl. 1964 absolvierte er die Postlehre in Romanshorn und wurde die ersten Jahre als Briefträger in der Sihlpost in Zürich eingesetzt. «Dort wusste man, dass ich nach Amriswil zurück wollte, und als 1969 eine Stelle frei wurde, bekam ich sie.» Die Sache hatte nur einen Haken: Er musste innerhalb einer Woche den Führerschein erwerben. Das schaffte er denn auch mit Hilfe eines postinternen Fahrlehrers.

«Das war meine schönste Zeit bei der Post», erinnert sich Huber. In Erinnerung geblieben sind ihm nicht das mühsame Üben wie etwa das Einparkieren oder das Anfahren am Berg, sondern die nachmittäglichen Ausfahrten ins Appenzellerland.

Am Küchentisch

Die Arbeit sei früher strenger, aber interessanter gewesen, erzählt der 62-Jährige. Strenger, weil es auf der Tour sowohl Briefe als auch Pakete auszutragen galt.

Durch die rege Bautätigkeit und die Zunahme der Industrie sei die Menge des Postguts zudem immer grösser geworden. «Der VW-Fridolin war voll gestopft, und sogar auf dem Gepäckträger stapelten sich die Pakete.»

In den Erinnerungen schwelgen kann Huber, wenn er von einer Dienstleistung erzählt, wie man sie sich heute kaum mehr vorstellen kann: die Auszahlung der AHV. «Die Leute freuten sich, man setzte sich zu ihnen an den Küchentisch und zahlte das Geld aus.

» Ein Ehepaar habe immer ein Gläschen Schnaps bereitgestellt, verrät Huber. Das war aber die Ausnahme, denn es galt den Kopf beieinander zu halten, gingen doch an einem Tag mehrere tausend Franken durch seine Hände.

Augentropfen vom Briefträger

Für etliche Leute war der hilfsbereite Briefträger nicht nur Vertrauensperson, sondern auch eine der wenigen Kontaktpersonen, wie Erinnerungen aus den 70er- und 80er-Jahren zeigen.

So etwa verabreichte Huber einer alleinstehenden Frau auf seiner Tour während Monaten jeden Morgen die Augentropfen, die ihr der Arzt verschrieben hatte. Einer anderen half er, die Vorfenster der Veranda im Herbst ein- und im Frühling auszuhängen. «Sie kündete mir am Vortag jeweils an, dass es wieder Zeit sei für die Vorfenster.»

Auch von Dankbarkeit weiss der langjährige Postbote zu erzählen. «Wenn es an Weihnachten bei einer Kundin nach Guezli duftete, war das ein Grund zur Vorfreude, denn ich bekam immer eine Tüte davon ab.» Das alles werde er wohl vermissen, aber langweilig werde es ihm im Ruhestand nicht.

Anstatt um Briefe und Drucksachen will sich Herbert Huber mehr um seinen Hochstammobstgarten kümmern und mehr Zeit mit seiner Lebenspartnerin verbringen.