«Ich verliere die beste Arbeit»

WEINFELDEN. Der Weinfelder Gemeindeschreiber Martin Sax verlässt Ende Juni das Amt. Obwohl der 61-Jährige seine Arbeit liebt, freut er sich auf das neue Leben ohne Verpflichtungen gegenüber Dritten.

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Der Weinfelder Gemeindeschreiber Martin Sax vor der Kopie eines seiner Lieblingsbilder, dem «Gemeindeschreiber» von Albert Anker. (Bild: pd)

Der Weinfelder Gemeindeschreiber Martin Sax vor der Kopie eines seiner Lieblingsbilder, dem «Gemeindeschreiber» von Albert Anker. (Bild: pd)

Herr Sax, Ende Juni treten Sie als Gemeindeschreiber zurück. Wie geht es Ihnen?

Martin Sax: Hervorragend!

Kein bisschen wehmütig?

Sax: Ein bisschen. Immerhin verliere ich die beste Arbeit, die man haben kann, wenn man so einer ist, wie ich es bin. Ich verlasse auch ein tolles Team. Der Abschied ist aber nicht mutwillig, er ist lange geplant.

Warum gehen Sie?

Sax: Ich möchte Distanz gewinnen zum Thema «Pflichten gegenüber Dritten». Ich habe zweimal den Beruf gewechselt und 40 Jahre lang auch andere Sachen gemacht, wie mich in der FDP und der Politik engagiert, ich war Präsident der Schulsynode, ich war in Vereinen, ich betreute die Weinfelder «Sängerziitig», ich war Generalsekretär des Schweizer Gesangfestes 2008.

Waren Sie als Gemeindeschreiber nicht ausgelastet?

Sax: Damit Sie mich recht verstehen. Ich wollte alle diese Dinge tun. Sie gaben mir die nötige Abwechslung. Wenn ich lediglich die Kernaufgaben eines Gemeindeschreibers wie die Protokolle oder die Personaladministration erledigt hätte, wäre mir das zu wenig gewesen. Ich durfte grosse interne Projekte betreuen, von der neuen Gemeindeordnung bis zum Umzug der Verwaltung. Sehr gerne habe ich auch die Jubiläen «200 Jahre freier Thurgau» und zur Mediationsverfassung vorbereitet. Und besonders geschätzt habe ich jeweils auch die Besuche bei 90jährigen Frauen und Männern in unserer Gemeinde.

Wenn Sie jetzt gehen, wen um Himmels Willen ruft die Thurgauer Zeitung künftig an, wenn sie eine historische Auskunft will?

Sax: Sie kann weiterhin Martin Sax anrufen, einfach zu Hause. Aber ich bin vielleicht nicht oft zu Hause.

Was machen Sie dann konkret?

Sax: Führungen durchs Dorf mache ich gerne weiterhin, wenn das gewünscht wird. Auch kann ich mir vorstellen, mich für Projekte zu engagieren. Aber bei Übernahmen von irgendwelchen Präsidien werde ich wohl Nein sagen. Im Moment gehe ich jetzt einfach weg von diesem Amt, frei von jeder Verpflichtung. Ich schaue nur vorwärts.

Wollen Sie zum Schluss etwas erwähnen, das Ihnen besonders wichtig ist?

Sax: Vielleicht das: Ich war nie der Schatten-Gemeindeammann, wie das manchmal von den Leuten behauptet worden ist, und ich werde ganz sicher nie der Schatten-Gemeindeschreiber meines Nachfolgers im Amt, Reto Marty, sein.

Interview: Esther Simon

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