«Ich setze gerne Projekte um»

Die Gemeinderatskandidatur von Dominik Büeler aus Kradolf ermöglicht den Wählern am 8. März eine Auswahl. Der 33-Jährige gehört keiner Partei an. Er plädiert für eine nachhaltige Politik in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt.

Georg Stelzner
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Dominik Büeler, parteiloser Gemeinderatskandidat aus Kradolf. (Bild: Reto Martin)

Dominik Büeler, parteiloser Gemeinderatskandidat aus Kradolf. (Bild: Reto Martin)

Herr Büeler, viele sind überrascht, dass es in der Gemeinde Kradolf-Schönenberg nun doch zu einer Kampfwahl kommt. Sie auch?

Dominik Büeler: Nein, Politik hat mich schon immer interessiert. Zu meiner Kandidatur ist es gekommen, weil ein Nachbar mich dazu ermuntert hat. Er war es auch, der die nötigen zehn Unterschriften gesammelt hat.

Der Name Büeler wird auf dem offiziellen Wahlzettel nicht zu finden sein, weil Ihre Kandidatur zu spät eingereicht wurde.

Büeler: Dabei handelt es sich um ein Missgeschick. Die Unterschriften für meine Kandidatur wurden bei der Gemeindeverwaltung in Schönenberg abgegeben, aber leider eine Stunde zu spät. Die Frist war abgelaufen. Mit A-Post hätte es gereicht.

Was hat Sie denn bewogen, auf Ihren Nachbarn zu hören und für den Gemeinderat zu kandidieren?

Büeler: Ich bin der Meinung, dass man als Bürger bereit sein sollte, eine Aufgabe zugunsten der Allgemeinheit zu übernehmen. In diesem Fall spielt auch der Umstand eine Rolle, dass mich das Ressort Gesellschaft und Bildung, für welches Gemeinderat Fabio Ebnöther noch bis Ende Mai verantwortlich ist, interessieren würde. Das wäre eine wirklich reizvolle Aufgabe.

Mit welchen Kenntnissen und Fähigkeiten möchten Sie die Wählerschaft überzeugen?

Büeler: Ich war im Kanton St. Gallen Mitglied des Jugendparlaments und habe somit schon früh begonnen, Erfahrung auf dem Gebiet der Politik zu sammeln. Seit einem Jahr engagiere ich mich in der kommunalen Umweltkommission. Ich betrachte mich als kommunikativen und vielseitig interessierten Menschen. Zudem verfüge ich dank meines Berufes als Lehrer über ein breitgefächertes Wissen im Bildungsbereich.

Wie beschreiben Sie sich selber? Welche charakterlichen Eigenschaften schreiben Sie sich zu?

Büeler: Ich sehe mich als Entwickler und Tüftler. Ich habe eine kreative Ader, bin zielstrebig und konsequent. Ich möchte immer aktiv sein. Das Relaxen gehört nicht zu meinen Stärken; das muss ich noch lernen.

Neigen Sie zum Einzelkämpfertum oder sind Sie eher ein Teamplayer?

Büeler: Ich setze gerne Projekte um und scheue mich nicht, dabei die Führung zu übernehmen. Andererseits ist mir aber bewusst, dass vieles nur gemeinsam möglich ist. In einem Gremium muss man in Kauf nehmen, dass man auch mal überstimmt wird. In einem solchen Fall ist es wichtig, selbstkritisch zu fragen, warum es so und nicht anders herausgekommen ist.

Sie hatten noch kein politisches Amt inne. Bringen Sie Erfahrung aus anderen Gremien mit?

Büeler: Ich bin – allerdings nur in beratender Funktion – Lehrervertreter in der Sekundarschulbehörde. Ich war Mitbegründer der Grünliberalen Partei im Thurgau und gehörte deren Kantonalvorstand an. Ausserdem war ich Bezirksparteipräsident.

Sie sind nicht nur Sekundarlehrer, sondern auch als Designer und Unternehmer tätig. Bliebe Ihnen da überhaupt noch Zeit für eine politische Funktion?

Büeler: Das sollte eigentlich kein Problem sein, zumal ich mein Pensum an der Sulger Sekundarschule mit Beginn des Schuljahres 2015/16 auf 21 Stunden pro Woche reduzieren werde. Die Tätigkeit als Designer würde wohl am meisten unter meinem Amtsantritt leiden. Dort müsste ich schon Abstriche machen.

In Kradolf gibt es relativ viele Ausländer. Wie kann das friedliche Zusammenleben der verschiedenen ethnischen Gruppen weiterhin gewährleistet werden?

Büeler: Dass es keine grossen Probleme gibt, ist ein gutes Zeichen. Man darf aber nicht übersehen, dass es mehr ein Nebeneinander und weniger ein Miteinander ist. Wir brauchen einen Dialog. Gerade jetzt wünschte ich mir, dass sich die islamische Gemeinschaft mehr einbringen und Stellung beziehen würde.

Kradolf-Schönenberg und Sulgen wollen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten. Ist das in Ihren Augen eine gute Idee?

Büeler: Gegen eine Kooperation zum beiderseitigen Nutzen und in beiderseitigem Einverständnis spricht nichts. Über einen politischen Zusammenschluss der beiden Gemeinden müsste letztlich aber die betroffene Bevölkerung entscheiden. Wenn überhaupt, dann wird das eine Frage der Finanzen sein.

Weshalb sind Sie aus der Grünliberalen Partei ausgetreten?

Büeler: Mich haben die internen Spannungen bei den Thurgauer Grünliberalen gestört. Inhalt und Verpackung stimmen dort nicht mehr überein. Die Partei entwickelt sich hier in eine Richtung, mit der ich mich nicht mehr identifizieren kann. Eine neue politische Heimat habe ich bewusst nicht gesucht.

Welchem politischen Lager fühlen Sie sich heute verbunden? Wo müssen die Wähler Sie einordnen?

Büeler: Weltanschaulich positioniere ich mich in der Mitte, zu der für mich liberale und soziale Elemente genauso gehören wie bürgerliche. Mir geht es in der Politik um Inhalte, nicht um ein bestimmtes Etikett. Ich setze mich für eine nachhaltige Politik in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt ein. Als wichtigen Punkt erachte ich die Kostenwahrheit.

Welche Resonanz war Ihrer Kandidatur bisher beschieden?

Büeler: Es gibt positive Rückmeldungen, nicht zuletzt deshalb, weil die Wähler nun eine Auswahl haben. Ob ich auch an einem zweiten Wahlgang teilnehmen würde, kann ich zum heutigen Zeitpunkt nicht sagen. Diese Entscheidung mache ich davon abhängig, welches Resultat ich am 8. März erziele.

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