«Ich schaue nicht tatenlos zu»

Die Biber setzten den Weihern von Hans Stalder zu. Das einstige Idyll hat sich in den vergangenen Jahren in eine schlammige Grube verwandelt. Den Vorwurf, er unternehme nichts gegen den Zerfall, lässt Stalder nicht auf sich sitzen.

Mario Testa
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Hans Stalder steht vor seinem Weiher. Viele der umstehenden Bäume hat der Biber bereits gefällt. (Bild: Mario Testa)

Hans Stalder steht vor seinem Weiher. Viele der umstehenden Bäume hat der Biber bereits gefällt. (Bild: Mario Testa)

BUSSNANG. Hans Stalder fühlt sich im Stich gelassen und zum Sündenbock gestempelt. An der Versammlung der Gemeinde Bussnang waren die Biber in seinen Weihern ein weiteres Mal Gesprächsthema. Mit Sorge betrachten Passanten das Verschlammen und Absinken der Weiher im Mösli bei Reuti, und sie fordern den Gemeinderat auf, etwas gegen die Biber zu unternehmen, die das Idyll so verschandeln. «Der Ball liegt beim Grundeigentümer. Solange er nicht intervenieren will, sind uns die Hände gebunden», antwortete Gemeindepräsident Ruedi Zbinden an der Versammlung.

Diese Aussage bringt Michael Stalder, der die Weiher der Erbengemeinschaft pflegt, auf die Palme. «Seit vielen Jahren versuche ich schon etwas gegen die Zerstörung durch den Biber zu tun – aber alle Amtsstellen wiegeln ab. Sie sagen, ich müsse die Situation akzeptieren, der Biber sei geschützt.» Die Darstellung des Gemeindepräsidenten, Stalder sei untätig, sei völlig falsch. «Die Leute machen mir Vorwürfe. Dabei will ich doch etwas unternehmen, die Uferpartien und Bäume mit Drahtgittern schützen, aber das kostet sehr viel Geld. Und wenn die Öffentlichkeit den Biber schützen will, soll die Öffentlichkeit auch mitbezahlen.»

Seltene Tierarten verschwinden

Früher seien die beiden Weiher mit den vielen umliegenden Bäumen ein Paradies für seltene Vögel, Fische und Pflanzen gewesen. «Seit die Biber hier ihr Unwesen treiben, ist nichts mehr, wie es war», sagt Stalder. Schon 2007 habe er ein erstes Mal interveniert, danach immer wieder – ohne Erfolg. «All die Experten, die sich bei mir meldeten, verkennen die Realität», sagt der 67-Jährige. «Die Leute von <Hallo Biber> haben mir gesagt, Biber schafften neue Lebensräume und erhöhten die Artenvielfalt. Das ist Quatsch, ich sehe doch, wie viele Tier- und Pflanzenarten verschwunden sind in den vergangenen Jahren.» Früher habe es seltene Rohrdommeln gegeben, die sich bei den Weihern niederliessen, Eisvögel, sogar Fasane. «Heute kommen die alle nicht mehr, die Biber fällen einen Baum nach dem anderen und nehmen den anderen Tieren so den Lebensraum», sagt Stalder. Auch die vielen Karpfen im Weiher kämpfen ums Überleben. Immer wieder sieht man die Rücken der Tiere auftauchen, wenn sie sich im seichten Wasser durch den Schlamm kämpfen. «Die Biber tragen Erde in die Weiher, und durch all ihre Gräben fliesst das Wasser ab. Wenn ich die Karpfen nicht rausfische und in den Teich bei mir zu Hause setze, krepieren sie.»

Stalder ist haftbar bei Schäden

Das grosse Problem mit den Bibern sei nebst der Verschandelung seiner Weiher die Haftung. Löcher rund um den Weiher haben die Nager gegraben – auch Stalder selbst ist schon in eines hineingefallen und hat sich das Kreuzband gerissen. «Wenn da einer reinfällt oder ein angefressener Baum auf jemanden drauffällt, dann hafte ich – gleichzeitig darf ich nichts gegen den Biber unternehmen. Das geht doch nicht», sagt Stalder.

• THURGAU & OSTSCHWEIZ 19