«Ich mag die Geschichte der Dinge»

AMRISWIL. Das Atelier von Elisabeth Ottenburg bietet einen Fundus an natürlichen Gegenständen, die unter den Händen der Amriswilerin zu Kunstwerken werden. Sie arbeitet dabei mit unterschiedlichen Techniken.

Maya Mussilier
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Elisabeth Ottenburg arbeitet gerne mit natürlichen Materialien. Bei ihr wird auch ein Knochen zum Kunstwerk. (Bild: Donato Caspari)

Elisabeth Ottenburg arbeitet gerne mit natürlichen Materialien. Bei ihr wird auch ein Knochen zum Kunstwerk. (Bild: Donato Caspari)

Durch die hohen Fenster an der Nordstrasse 14 in Amriswil wirft die Sonne ihr Licht ins grosszügige Atelier von Elisabeth Ottenburg. Gerade reiht sie Saucenknochen in die Vitrine. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, ist die Grundlage für das künstlerische Schaffen von Elisabeth Ottenburg. Für sie gibt es kaum etwas, das sich nicht mit Phantasie in etwas Spezielles und Einmaliges verwandeln liesse.

Bananen und Schnipsel

Auf einem Tisch liegen getrocknete Bananenschalen – skurrile Formen, die auf eine Weiterverarbeitung warten. An der Wand hängt eine riesige Collage mit Postkarten und Ausschnitten aus Zeitschriften. «Das war eine lange Phase, in der ich alles, was mich angesprochen hat, ausgeschnitten und gesammelt habe.» Später habe sie dann die Schnipsel zu einem neuen Ganzen zusammengefügt, erzählt Elisabeth Ottenburg.

Niemals mit leeren Händen

Die Kunstschaffende arbeitet hauptberuflich als Sozialpädagogin in Winterthur sowie in einem Teilzeitpensum als Kunst- und Maltherapeutin im Wohnheim Sonnenrain in Zihlschlacht. Wenn sie von ihrer Sammelleidenschaft spricht, muss sie schmunzeln. Ein Gang in die Natur endet für sie niemals mit leeren Händen. «Ich kann mich über ein gefundenes, rostiges Teil total freuen», erzählt sie. So auch, als sie kürzlich bei der Insel Werd einen Spaziergang machte. «Weil es wenig Wasser hatte, fand ich einige rostige Nägel, die ich mit nach Hause nahm.»

Elisabeth Ottenburg gefällt es, wenn an den gefundenen Gegenständen die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat. «Ich mag die Geschichte der Dinge», sagt sie und hält gleich darauf eines ihrer Kunstwerke in den Händen. Sie zeigt auf die kleinen Kinderschuhe und sagt: «Diese Schuhe hier hat mein Sohn seinerzeit getragen. In diesem Kunstwerk stecken für mich viele persönliche Erinnerungen.»

Vergessen und überwuchert

Kürzlich hat Elisabeth Ottenburg bei der Gartenarbeit mit Stoff umwickelte Stäbe entdeckt. «Vor vielen Jahren hat mein Sohn diese Stäbe präpariert und damit gespielt», erzählt sie. «Die Holzstäbe gingen vergessen, wurden überwuchert und stehen heute zum Kunstwerk verarbeitet in meinem Atelier.» Auch hier hat die Zeit ihre Spuren an den Stäben hinterlassen und gibt ihnen damit ein ganz besonderes Eigenleben – das gewisse Etwas halt, das die Blicke unweigerlich auf sich zieht.

Eine Abenteuerreise

Der Rundgang durch Elisabeth Ottenburgs Atelier gleicht einer Abenteuerreise. Zu jedem Bild und jeder Skulptur weiss sie eine Geschichte zu erzählen. «Ich mag es, unscheinbaren Materialien Bedeutung zu geben. Eigentlich entsteht zwischen mir und dem Material eine Wechselwirkung.» Vieles, das sie sammle liege, lange herum und plötzlich sei die Idee da, welche Gestalt und welche Form genau dieser Gegenstand in seinem «neuen Leben» annehmen soll.

Der Kontakt würde ihr fehlen

Von seinen Werken leben zu können, davon träumt mancher Kunstschaffende. Elisabeth Ottenburg bleibt realistisch. «Ein Traum ist es schon», sagt sie, «aber das ist enorm schwierig. Mir würde es schon reichen, wenn ich mich einfach eine längere Zeit intensiv auf eine Sache konzentrieren könnte. Eine Auszeit sozusagen.»

Noch während sie darüber nachdenkt, ist für Elisabeth Ottenburg aber klar: «Die Arbeit als Sozialpädagogin nährt mich auch und mir würde der intensive Kontakt zu Kindern und Mitmenschen fehlen.»

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