«Ich hoffe, der Wähler vertraut mir»

Die Uttwiler wählen am 30. November einen neuen Gemeindeammann. Gemeinderat Marco Zumkehr ist einer der beiden Kandidaten. Der 55-Jährige über schlechtes Timing, grosse Erwartungen und die Gefahr des Stillstandes.

Markus Schoch
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Will Uttwil für Familien attraktiver machen: Gemeindeammann-Kandidat Marco Zumkehr. (Bild: Reto Martin)

Will Uttwil für Familien attraktiver machen: Gemeindeammann-Kandidat Marco Zumkehr. (Bild: Reto Martin)

Herr Zumkehr, im Moment steht der Gemeinderat massiv in der Kritik wegen der geplanten Mehrzweckhalle. Wie gehen Sie damit um?

Marco Zumkehr: Es ist nicht immer einfach, der Bevölkerung bei strategischen Entscheiden jeden Schritt zu erklären. Ich bin aber überzeugt, dass es uns gelungen ist, die Abläufe und die Gründe für unseren Entscheid verständlich zu machen.

Die Vorwürfe haben Sie einfach zur Kenntnis genommen?

Zumkehr: Als Vorsteher des Ressorts Infrastruktur steht man in der Öffentlichkeit. Es gibt bei jedem Projekt Kritiker. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Mir geht es darum, alle Seiten anzuhören, abzuwägen und zu entscheiden. Wenn ich zurückschaue, hat man in den letzten Jahren immer Lösungen gefunden für anstehende Probleme. Und ich hatte mehrheitlich positive Rückmeldungen.

Trotzdem scheint es kein guter Zeitpunkt zu sein, als Gemeinderat mit der Verantwortung für die Mehrzweckhalle als Gemeindeammann zu kandidieren.

Zumkehr: Ich habe immer dafür plädiert, Sachgeschäfte und Wahlen auseinanderzuhalten. Ich merke aber, dass das nicht immer einfach ist. Inwiefern es für mich Konsequenzen hat, muss sich zeigen. Ich hoffe, dass der Wähler das Vertrauen in meine Kandidatur haben kann und die Erfahrung im Amt und meine Führungsqualitäten entsprechend wertet.

Sie kandidieren als Gemeinderat und als Gemeindeammann, würden aber die Wahl als Gemeinderat ablehnen, wenn Sie die Uttwiler nicht zum neuen Gemeindeammann machen sollten. Warum stellen Sie sich überhaupt für eine zweite Amtsperiode als Gemeinderat zur Verfügung?

Zumkehr: Wir mussten uns in den ersten drei Monaten dieses Jahres entscheiden, ob wir als Gemeinderat weitermachen wollen. Die Bereitschaft zur Wiederwahl hiess für mich Bereitschaft für sachpolitisches Engagement in der Gemeinde Uttwil. Als dann später die Stelle des Gemeindeammanns ausgeschrieben wurde, musste ich feststellen, dass man grosse Erwartungen in mich als Gemeinderat setzt. Die anstehenden Aufgaben im Zusammenhang mit der Raumplanung und der Revision der Ortsplanung gehen aber weit über meine zeitlichen Möglichkeiten hinaus, da ich beruflich eine Vollzeitanstellung in Geschäftsleitungsfunktion habe. In dieser Situation entschloss ich mich zu einer Vorwärtsstrategie. Ich entschied mich bereits im Juli zur Kandidatur als Gemeindeammann.

Verstehen die Uttwiler Ihre Argumentation?

Zumkehr: Ich hatte nur positive Rückmeldungen.

Brigitte Kaufmann ist heute zu 50 Prozent als Gemeindeammann in Uttwil angestellt. Wie viele Stellenprozente ihr Nachfolger haben wird, entscheidet abschliessend der Gemeinderat. Würden Sie ein Pensum von 70 oder 80 Prozent haben im Fall der Wahl, da es viel mehr Arbeit gibt?

Zumkehr: Für mich gibt es keine Überlegung, das Amt in einem grösseren Pensum als 50 Prozent zu übernehmen, falls es keine Veränderungen in der Verwaltung gibt. Wir stehen ja vor wesentlichen personellen Umstellungen, die eine Neuorganisation zur Folge haben könnten. Es ist mir aber vollkommen klar, dass es in der aktuellen Konstellation ein Engagement über das bezahlte Pensum hinaus brauchen wird. Die Flexibilität und Bereitschaft dazu kann ich bieten.

In Uttwil gebe es kaum bezahlbaren Wohnraum für den Mittelstand und Familien, sagten Sie an einer Podiumsdiskussion Anfang Oktober. Wie wollen Sie das ändern?

Zumkehr: Das ist eine der grossen Herausforderungen für die nahe Zukunft. Im Moment gibt es kein Projekt für bezahlbaren Wohnraum, insbesondere nicht für Familien. Sie fehlen uns, was sich in den abnehmenden Schülerzahlen zeigt. Wenn wir den Trend brechen wollen, braucht es die Kraft aller. Es braucht Ideen und jemanden, der zieht. Ich verspreche mir in diesem Zusammenhang einiges von der Revision der Ortsplanung.

Teurer Wohnraum zieht betuchte Steuerzahler an. Das ist doch auch gut. Die Gefahr ist klein, dass sie beispielsweise Sozialhilfe beziehen.

Zumkehr: Grundsätzlich kann man diese Aussage teilen. Es braucht aber beides, also auch Familien. In einem Dorf in unserer Grösse geht es nicht allein um Steueroptimierung. Tiefe Steuern sind wichtig. Unsere Erfahrungen sind aber bei Anfragen von möglichen Neuzuzügern die, dass der Steuerfuss bei ihnen nicht an erster Stelle steht. Wichtig ist ihnen die Grundversorgung, zu der beispielsweise gute Schulen gehören. Uttwil hat in den letzten Jahren mit verschiedenen Mitteln und grossem Einsatz der Behörden viel erreicht. Es geht nun darum, den hohen Level zu halten. Man darf auch nicht vergessen: Familien sind die Grundlage fürs Vereinsleben.

Hat es in Uttwil überhaupt noch Bauland?

Zumkehr: Ja, es gibt noch genügend Bauland, das teilweise schon sehr lange eingezont ist, aber im Moment nicht auf dem Markt ist.

Uttwil zählt heute rund 1800 Einwohner. Wie viele könnten es werden, wenn alles Bauland tatsächlich überbaut würde?

Zumkehr: Die Richtplan-Siedlungsfläche bietet Raum für maximal 2500 Einwohner. Dass unsere langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten nicht eingeschränkt werden, dafür müssen wir uns wehren im Zusammenhang mit dem neuen Raumkonzept des Kantons.

Wo sehen Sie darin die grössten Probleme für Uttwil?

Zumkehr: Es geht nicht um Uttwil allein, sondern um den ganzen Oberthurgau. Ich bin ein ganz starker Verfechter der Meinung, dass die Region im neuen Raumkonzept gestärkt werden muss. Mit dem vorliegenden Entwurf geht es genau in die entgegengesetzte Richtung: Der Oberthurgau würde abgehängt, obwohl es hier am meisten Arbeitsplätze gibt, die nicht steuersubventioniert sind.

Zurück zu Uttwil: Viele Einwohner haben Angst, dass der Dorfplatz seine zentrale Bedeutung verliert, wenn der Volg und vielleicht die Post weggehen. Was würden Sie als Gemeindeammann tun, damit der Dorfplatz Treffpunkt bleibt?

Zumkehr: Es gibt aktuell im Uttwiler Veranstaltungskalender genau zwei fixe Anlässe auf dem Dorfplatz: Die Christbaum-Häxlete Anfang Jahr war meine Idee als damaliger Präsident des Gemeindevereins, der jetzt den Anlass seit ein paar Jahren organisiert. Den Adventsmarkt riefen zwei Frauen ins Leben. Nachdem sie sich zurückgezogen haben, zieht nun ebenfalls der Gemeindeverein die Fäden. Die Belebung des Dorfplatzes ist nicht Aufgabe der Politik, die Initiative muss aus der Bevölkerung kommen. Ich glaube, dass Potenzial vorhanden ist. Alle sind offen für neue Ideen.