«Ich habe viel erhalten»

ARBON. Aus der Beziehung zwischen Teigschaber, Velo und Gottes unendlicher Lebensenergie entwickelte Pfarrer Bruno Wiher seine Predigt beim gestrigen Abschiedsgottesdienst. Anschliessend war die Kirchgemeinde zur Teilete geladen.

Hedy Züger
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Von Jugendlichen umringt: Viele Kirchbürger verabschiedeten sich persönlich von Pfarrer Bruno Wiher. (Bild: Hedy Züger)

Von Jugendlichen umringt: Viele Kirchbürger verabschiedeten sich persönlich von Pfarrer Bruno Wiher. (Bild: Hedy Züger)

Die evangelische Kirche war gestern voll wie selten. Viele Kirchbürger wollten persönlich Abschied nehmen von Pfarrer Bruno Wiher.

Er hat über 200 Konfirmanden seit dem Jahr 2000 begleitet. Er sah Hochzeitspaare in der Kirche auf sich zukommen. Er nahm Taufkinder in die Arme und in die Gemeinde auf. Er leitete Jugendgottesdienste, Lager und das Jugendtheater Und er führte Gespräche, die nur einem guten Seelsorger so einfühlsam und helfend gelingen konnten.

Vor 13 Jahren kam Bruno Wiher mit Familie von Rümlang, wo er ebenfalls 13 Jahre gewirkt hatte, nach Arbon. Als Nachfolger von Kurt Schuhmacher. Nicht die Lage am See gab dafür den Ausschlag, es waren die Menschen. «Die Arboner berührten und verführten mich, die Pfarrwahlkommission und das Umfeld», sagte er im Abschiedsgottesdienst.

Guter Draht zur Jugend

Immer wieder erlebbar war der Kontakt Wihers zur inzwischen viel jüngeren Jugend. Direkt und unkompliziert ging er auf sie zu und gewann ihr Vertrauen. Teil seiner besonderen Begabung ist es, Freundschaft anzubieten. Takt und Feingefühl spielten bei allen Begegnungen mit.

Die Predigt ist im evangelischen Gottesdienst zentral. An unzähligen Sonntagen sprach Pfarrer Bruno Wiher die versammelten Kirchbürgerinnen und -bürger damit an und fesselte sie mit seinen Gedanken. Auch gestern, beim Abschiedsgottesdienst. «Wäre Gott ein gefitzter Ingenieur – welche technischen Geräte hätte er erfunden?» Dafür käme das Velo, ein geniales, gesundes und effizientes Fortbewegungsmittel, in Frage, meinte er. Oder der Teigschaber, Wihers liebstes Küchengerät. Nützlich deshalb, weil es helfe, essbare Resten nicht zu vergeuden.

Ein alter Zopf, dass er nichts fortwerfen möge? Ein Erbe aus jenen Zeiten, als die Vorfahren kaum die Familie zu ernähren vermochten? Wenn er sehe, wie sack- und containerweise Esswaren in den Abfall gelangen, dann sei der Gedanke an die dekadente Gesellschaft nicht fern. Doch Gott sei anders, von seiner unendlichen Lebensenergie gehe nichts verloren. Das gelte für den Tod und für die Auferstehung. Alles wandle sich zu neuem Leben.

«Habe viel erhalten»

Einem neuen Leben geht Bruno Wiher in Grenchen entgegen. Er nimmt, damit der Teigschaber seinen guten Dienst fortsetzt, eine Forster-Küche mit. Sie wird nicht die einzige Erinnerung an Arbon sein. Wiher: «Alles ist mir nicht gelungen. Und ich habe nicht nur gegeben, ich habe von der Gemeinde auch viel erhalten.» Viele Menschen kreuzten seinen Weg, er teilte frohe und schicksalhafte Tage mit ihnen. Das vergessen sie ihm nicht.