«Ich habe mich nicht beworben»

Vizegemeindeammann Martin Haas möchte Gemeindeammann von Salmsach werden. Im Interview spricht der 53-Jährige über seine Gefühlslage, sein Führungsverständnis und die Gründe, warum er nicht mehr bei der EVP ist.

Markus Schoch
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Salmsach ist Martin Haas in den letzten Jahren ans Herz gewachsen. (Bild: Markus Schoch)

Salmsach ist Martin Haas in den letzten Jahren ans Herz gewachsen. (Bild: Markus Schoch)

Herr Haas, eigentlich kann man Ihnen heute schon zur Wahl gratulieren, die im April ansteht. Als einziger Kandidat kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Martin Haas: Man weiss nie. Es kann jederzeit noch jemand aufstehen und sagen, er kandidiere. Ich fühle mich heute überhaupt nicht als gewählter Gemeindeammann.

Aber Sie haben die Unterstützung der Findungskommission. Und die Bevölkerung scheint mit Ihrer bisherigen Arbeit als Gemeinderat zufrieden zu sein. Bei den Gesamterneuerungswahlen 2011 erhielten Sie jedenfalls am zweitmeisten Stimmen. Die Ausgangslage ist doch beruhigend.

Haas: Beruhigender war für mich vor allem, dass die Findungskommission mich anfragte, ob ich kandidieren wolle. Ich empfinde dies als Wertschätzung. Es war offenbar nicht alles falsch, was ich bisher gemacht habe.

Sie haben sich gar nie mit dem Gedanken getragen, Nachfolger von Kurt Helg zu werden?

Haas: Nein, absolut nicht. Ich habe mich auch nicht um den Job beworben.

Wären Sie auch angetreten, wenn Sie einen Gegenkandidaten gehabt hätten?

Haas: Nein, einerseits wegen meiner Anstellung in der Kirchgemeinde. Andererseits ist es nicht so meins, auf Podien zu sitzen oder Rosen zu verteilen. Viele Salmsacher kennen mich ja bereits. Und als Vizegemeindeammann werde ich in nächster Zeit vermehrt in der Öffentlichkeit stehen.

Salmsach ist kein einfaches Pflaster. Was reizt Sie an der Aufgabe des Gemeindeammanns?

Haas: Es ist für mich ganz klar nochmals eine neue Herausforderung, etwas völlig anderes zu machen. Salmsach ist mir in den letzten Jahren schon ein bisschen ans Herz gewachsen.

Haben die Querelen der letzten Jahre in der Evangelischen Kirchgemeinde Romanshorn- Salmsach den Entscheid zur Kandidatur beeinflusst?

Haas: Nein, die haben mich als Person und meinen Job in der Jugend-, Kinder- und Familienarbeit nie direkt betroffen.

Die Arbeit in der Kirchgemeinde gefällt Ihnen nach wie vor?

Haas: Ja.

Sie bringen keine Verwaltungserfahrung mit. Wie gross ist dieses Handicap?

Haas: Es ist wie bei jedem neuen Job: Es ist etwas anderes. Ich bin mir voll und ganz bewusst, dass es gewisse Bereiche gibt, wo ich Schulungen machen werden muss, teilweise vor Amtsantritt, und sicher auch später. Meine Vorstellung von der Führung einer Gemeindeverwaltung ist allerdings auch nicht die, dass der Chef überall am besten Bescheid wissen muss. Wenn man gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat, die ihre Sache verstehen und sie gut machen, dann muss ich mir nicht anmassen, besser zu sein.

Das Team ist gut?

Haas: Von den bisherigen Erfahrungen her habe ich das Gefühl, ich kann gut mit allen zusammenarbeiten.

Die Gemeindeschreiberin heisst gleich wie Sie. Darauf werden Sie wohl oft angesprochen werden.

Haas: Entsprechende Fragen muss ich mir schon heute anhören. Ist das Ihre Frau, oder Ihre Tochter?

Sie sind aber gar nicht verwandt.

Haas: Nein. Es ist einfach ein lustiger Zufall.

Welche Aufgaben mit welchem Pensum übernehmen Sie?

Haas: Ich habe der Findungskommission gesagt, ich könne mich zur Wahl stellen, wenn es ein 100-Prozent-Job ist, inklusive des Schulpräsidiums, das ich beibehalten möchte. Im Detail sind noch nicht alle Fragen geklärt.

Die Stelle wird also um 20 Prozent aufgestockt?

Haas: Nein. Das Schulkommissionspräsidium entspricht von der Entschädigung her etwa einem 10-Prozent-Pensum. Zudem habe ich mit Blick auf die jüngste Geschichte von Salmsach ganz klar kommuniziert, dass ich im Unterschied zur heutigen Lösung einen Fixlohn will, und dann gibt es keinerlei Entschädigungen für irgendwelche Tätigkeiten in Gruppen oder Kommissionen innerhalb und ausserhalb der Gemeinde. Das war mir sehr wichtig.

Dann ist es unter dem Strich keine Erhöhung des Pensums?

Haas: Über den Daumen gepeilt dürfte es von der finanziellen Belastung für die Gemeinde in etwa gleich bleiben.

Dafür soll ein Sitz im Gemeinderat gestrichen werden, was wiederum Kosten spart.

Haas: Ja, das würde sicher auch etwas ausmachen.

Sie waren bis vor vier Jahren Mitglied bei der EVP und kandidierten sogar 2008 auf der Grossratsliste, wo sie das zweitbeste Resultat machten. Warum sind Sie nicht mehr dabei?

Haas: Ich habe gemerkt, dass sich die Positionen der EVP und meine eigenen Überzeugungen in vielen Bereichen nicht decken. Ich bin jetzt parteilos. Das ist aber kein Nachteil: Parteipolitik spielt in Salmsach keine Rolle, was ich toll finde.

Sie waren für eine offene Abstimmung über die Fusion mit Romanshorn. Kämpfen Sie in der Politik immer mit offenem Visier?

Haas: Ich finde, man kann zu seiner Meinung stehen, vor allem in einem kleinen Dorf, wie Salmsach es ist.

Was wird sich verändern in Salmsach, wenn Sie gewählt werden sollten?

Haas: Wir haben uns für die Eigenständigkeit entschieden, und jetzt machen wir das Beste daraus. Ich entscheide aber nicht allein, sondern bin einer von vielen.

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