«Ich habe etwas tun müssen»

STEINACH. Die schwierige Zusammenarbeit mit Gemeindepräsident Roland Brändli sei für ihn nicht mehr weiter tragbar. Der Steinacher Gemeindeschreiber Bruno Helfenberger hat darum nach 37 Dienstjahren gekündigt.

Max Eichenberger
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Gemeindeschreiber Bruno Helfenberger räumt bald sein Büro im Gemeindehaus. (Bild: Fritz Heinze)

Gemeindeschreiber Bruno Helfenberger räumt bald sein Büro im Gemeindehaus. (Bild: Fritz Heinze)

Wenn alles normal verlaufe, werde er in Steinach 2018 in Pension gehen. Das sagte Bruno Helfenberger am Tag seines 35-Jahr-Dienstjubiläums im Dezember 2013. Offensichtlich ist es nicht normal gelaufen.

Diese Woche liess die Gemeinde in einer Mitteilung verlauten, der langjährige Gemeindeschreiber und Finanzverwalter werde per Ende Juli seine Tätigkeit im Dienst der Gemeinde aufgeben. Dann wird er 37 Jahre lang in dieser Funktion gewirkt haben: zunächst noch unter Gemeindepräsident Paul Herzog, dann in der Ägide Guido Wüest, die letzten Jahre unter Roland Brändli.

Es ist anders gekommen

Statt seinen Job bis zur baldigen Pensionierung weiter zu versehen, wechselt er für den Rest des Berufslebens als Bausekretär in die Gemeinde Goldach. Der Wechsel und sein Zeitpunkt überraschen daher. In Goldach hat sich für Helfenberger eine Türe aufgetan, weil der Stelleninhaber Martin Brandes nach Rorschach geht. Helfenbergers Ausscheiden bedaure er sehr, sagte Roland Brändli in der Mitteilung, «auch wenn unsere Zusammenarbeit immer wieder belastet war». Darin dürfte letztlich der Grund der Trennung begraben liegen.

«Hat mich aufgerieben»

Von Brändli gibt es dazu keine Hintergrundinformationen; er war gestern nicht erreichbar. Ihn habe die schwierige und daher belastete Zusammenarbeit mit dem Gemeindepräsidenten aufgerieben, sagt Bruno Helfenberger. «Ich habe es nicht mehr auf einen Nenner gebracht und habe der Gesundheit zuliebe etwas tun müssen», sagt der bald 60-Jährige. Die Kündigung sei ein überlegter, für ihn unausweichlicher Schritt. Nicht verborgen blieben die häufigen personellen Wechsel und internen Rochaden in den letzten Jahren. Helfenberger, der vermeintliche Stein in der Brandung, ist nun die letzte Personalia in der Reihe dieser Mutationen. Über all die Jahre hin hielt Helfenberger als treuer und pflichtbewusster Gemeindediener den Laden in Schuss – als graue Eminenz sozusagen. «Es ist nicht mein Ding, vor die Leute zu stehen, ich arbeite lieber im Hintergrund», charakterisierte er sich noch an der Feier zu seinem Dienstjubiläum selber.

Loyal und integer

Ein ehemaliges Gemeinderatsmitglied findet höchstes Lob für Helfenberger. Neben seiner fachlichen Kompetenz sei er in höchstem Masse loyal und pflichtbewusst – «ein Teamplayer», wie er dies auch in seiner Zeit im Fussballclub vorgelebt habe. Insider sagen, dass der integre und nach aussen stille Schaffer Helfenberger «unter der Situation gelitten» habe. Ein offenes Zerwürfnis mit Brändli ist nach aussen hin jedoch nicht belegt. Das sei eine «interne Angelegenheit», sagt Helfenberger – und bleibt seiner Linie treu.

Nicht richtig Ruhe eingekehrt

Eine Opposition, die sich gegen die Amtsführung von Roland Brändli aufgebaut hatte, gipfelte 2012 in einer Gegenkandidatur. Damals hatte Brändli den Angriff von Christian Ledergerber auf sein Amt klar abgewehrt. Der teils gehässige Wahlkampf hatte Wunden geschlagen. Richtig Ruhe scheint in Steinach nicht eingekehrt zu sein.