«Ich fahre nur selten nach Konstanz»

Ich gehe höchst selten, maximal alle zwei Monate einmal.» Solche Aussagen hört Werner Meister oft. Und er hat auch nichts anderes als Ausreden erwartet. Der Präsident des Kreuzlinger Gewerbeverbandes war gestern nachmittag unterwegs in Konstanz.

Urs Brüschweiler
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Der Kreuzlinger Gewerbepräsident Werner Meister (Mitte) und ein Team des Schweizer Fernsehens befragen Schweizer beim Einkauf in Konstanz. (Bild: Nana do Carmo)

Der Kreuzlinger Gewerbepräsident Werner Meister (Mitte) und ein Team des Schweizer Fernsehens befragen Schweizer beim Einkauf in Konstanz. (Bild: Nana do Carmo)

Ich gehe höchst selten, maximal alle zwei Monate einmal.» Solche Aussagen hört Werner Meister oft. Und er hat auch nichts anderes als Ausreden erwartet. Der Präsident des Kreuzlinger Gewerbeverbandes war gestern nachmittag unterwegs in Konstanz. «Es ist den Leuten fast peinlich, in Konstanz beim Einkaufen gesehen zu werden. Eigentlich wissen alle, dass sie ihr Geld in der Schweiz ausgeben sollten. Aber keiner macht es.» Meister konfrontiert die helvetischen Einkaufstouristen aus nahen und fernen Kantonen: «Wissen Sie, welche Folgen das für das Schweizer Gewerbe hat? Dadurch gehen langfristig Arbeitsplätze und Lehrstellen bei uns verloren. Wir müssen unseren Arbeitsmarkt schützen.»

Moralische Bedenken

Der Präsident von Gewerbe Kreuzlingen muss nicht lange nach shoppenden Schweizern suchen, um ihnen Flugblätter zu verteilen. «Ja zur Schweiz – Hier kaufe ich ein», lautet der patriotische Aufdruck, der von einem grossen Schweizerkreuz untermalt wird. An Meisters Fersen heftet sich ein Kamerateam des Schweizer Fernsehens. Es filmt die Aktion, fragt bei den Einkäufern nach, was sie darüber denken und ob sie keine moralische Bedenken verspürten, wenn sie ihr Geld ins nahe Ausland tragen. In beiden Märkten taucht rasch ein Mitarbeiter auf und bittet höflich darum, weitere Kundenbefragungen ausserhalb des Geländes zu machen. Die Aktion von Werner Meister ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Hauptsächlich geht es darum, die mediale Aufmerksamkeit auf die Probleme des einheimischen Gewerbes zu lenken.

Eine Medienwelle

Man möchte zeigen und vor allem hinterfragen, was abgeht an der Grenze. Ganz gewaltig stören sich die Ladenbesitzer an der Berichterstattung über das Shoppen im nahen Ausland. «Letzte Woche, nach dem Euro-Absturz, ging eine riesige Welle durch die Medien», sagt Werner Meister. Allein am Freitag habe er zehn Interview-Anfragen erhalten – TV, Radio, Zeitungen, deutsche wie schweizerische. «Und alle berichten dann, dass gerade wieder alles zwanzig Prozent günstiger geworden ist in Konstanz.» Für die Gewerbler dienen die Reportagen aus den deutschen Einkaufszentren vor allem einem Zweck: dass auch noch der letzte Innerschweizer glaubt, dass man in Deutschland Geld spart. «Das führt doch nur zu Kurzschlusshandlungen der Kundschaft.» Die Situation sei überhitzt, findet Meister, und werde sich hoffentlich rasch etwas beruhigen. «Man sah es letzte Woche: Es wird ein Spektakel veranstaltet, die SBB hängen Extra-Waggons an ihre Züge, und dann passiert doch nichts.»

Noch mehr Anstrengung

Nichtsdestotrotz findet der Gewerbepräsident: «Jammern nützt nichts, die Situation ist, wie sie ist. Wir müssen uns jetzt noch mehr anstrengen für unsere Kundschaft.»