«Ich distanziere mich»

ROMANSHORN. Letzte Woche ist die Bevölkerung über die Vor- und Nachteile einer Fusion von Romanshorn und Salmsach orientiert worden. Arbeitsgruppenmitglied Alfred Wüst fühlt sich verschaukelt.

Markus Schoch
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Meldet sich zu Wort: Alfred Wüst an der Orientierungsversammlung von letzter Woche. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Meldet sich zu Wort: Alfred Wüst an der Orientierungsversammlung von letzter Woche. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Es war die Ruhe vor dem Sturm. Als die Vertreter der über 60köpfigen Arbeitsgruppen letzte Woche in der Salmsacher Mehrzweckhalle vor rund 300 Besuchern über das Für und Wider einer Fusion der beiden Gemeinden informierten, gab es kaum kritische Stimmen. Der Salmsacher Alfred Wüst meldete sich zwar als erklärter Gegner des Zusammenschlusses zu Wort und meinte, es würde viel zu sagen geben. Er beschränkte sich dann aber darauf, die Probleme im Abstimmungsverfahren anzusprechen: Romanshorn entscheidet im kommenden November an der Urne, Salmsach an einer Gemeindeversammlung – und möglicherweise nicht zeitgleich.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen waren jedoch nur am Rande Thema in der Diskussion. Dabei war im Vorfeld der Orientierung von der Öffentlichkeit unbemerkt ein Gewitter aufgezogen.

«Gebe meinen Namen nicht her»

Mit der Projektleitung übers Kreuz geraten war auch Wüst, der nicht länger schweigen will. Der Unternehmer fühlt sich als Mitglied der Arbeitsgruppen verschaukelt. «Es ist unfair gelaufen. Ich distanziere mich deshalb in aller Form vom Projektbericht. Für solche Manipulationen gebe ich meinen Namen nicht her.»

Wüst wirft dem Salmsacher Gemeindeammann Kurt Helg, dem Romanshorner Gemeindeammann David H. Bon und Projektleiter Jean-Claude Kleiner von der OBT vor, gezielt auf die Fusion hinzuarbeiten, statt eine nüchterne Auslegeordnung über Vor- und Nachteile zu machen, wie ihnen die Salmsacher in einer Konsultativabstimmung im November 2010 aufgetragen hätten. «Was jetzt passiert, ist absolut einseitig. Es werden nur Argumente für die Fusion aufgelistet. Was dagegen spricht, wird unter den Teppich gekehrt.»

Für Wüst sind vor allem die Aussagen zu den finanziellen Folgen des Zusammenschlusses nicht nachvollziehbar.

Reine Propaganda

Dass der Steuerfuss in Romanshorn dank Synergien um 3 Prozent gesenkt werden könnte auf das Niveau von Salmsach, hält Wüst für reine Propaganda. «Wie soll das gehen?», fragt er sich. Salmsach zähle fast achtmal weniger Einwohner als Romanshorn, und die Steuerkraft sei auch kleiner. «Salmsach hat ein Steueraufkommen von rund 1,23 Millionen Franken plus etwa 200 000 Franken aus dem Finanzausgleich, der nach der Fusion wegfallen würde, und da soll ein Sparpotenzial von sage und schreibe 500 000 Franken oder 40 Prozent drinliegen, das die Reduktion des Steuerfusses in Romanshorn möglich macht? Nie und nimmer!» Die Projektleitung sei denn bezeichnenderweise auch die Antwort schuldig geblieben, wie genau sich der Sparbetrag zusammensetzte. «Dabei habe ich wiederholt gefragt», sagt Wüst. Er selber gehe davon aus, dass der Zusammenschluss im Gegenteil Mehrkosten verursachen werde.

Mit seiner Meinung sei er nicht allein, betont Wüst. Die Gruppe «Finanzen», der er angehöre, habe wiederholt auf Ungereimtheiten hingewiesen. Im Schlussbericht hätten die Einwände aber keinen Niederschlag gefunden», ärgert sich Wüst. Andere Arbeitsgruppen hätten die gleiche Erfahrung gemacht.

Eine Farce

Das bestätigt Edwin Scheiwiller, der wie Wüst ein erklärter Gegner der Fusion ist und sich in den letzten Monaten eingehend mit den technischen Betrieben, Werkhöfen und Feuerwehren beschäftigte. «Bei uns lief es genau wie bei Alfred Wüst.» Der Salmsacher ist deshalb «äusserst enttäuscht», wie er auf Anfrage erklärte. Für ihn sei die Sache erledigt. «Ich opfere keine Minute mehr für die Arbeitsgruppe und reagiere nicht einmal mehr auf Mails.» Hätte er gewusst, wie es rauskommt, hätte sich Scheiwiller nicht für die Mitarbeit bei der Gemeinde gemeldet. Gegenüber dem Steuerzahler habe er schon fast ein schlechtes Gewissen wegen der Sitzungsgelder der Arbeitsgruppenmitglieder, die sich auf über 12 000 Franken belaufen.

Das Vorgehen der Projektleitung hält Wüst für eine Farce. «So hätte es die Arbeitsgruppen gar nicht gebraucht.» Dabei sei immer die Rede davon gewesen, dass die Abstimmungsbotschaft gemeinsam erarbeitet werden solle.

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