«Ich brauchte ein dickes Fell»

ROMANSHORN. Für das Architekturbüro Bischof und Partner schliesst sich zum 25-Jahr-Jubiläum ein Kreis: Der erste grosse Auftrag war der Bau der neuen Schulanlage in Dozwil. Ihre Erweiterung durfte der zehnköpfige Betrieb in Romanshorn jetzt ebenfalls planen und ausführen.

Markus Schoch
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Jubiläumsausflug: Gletschertour zur Monte-Rosa-Hütte. (Bild: pd)

Jubiläumsausflug: Gletschertour zur Monte-Rosa-Hütte. (Bild: pd)

Es war die Chance seines Lebens. Mit 28 Jahren gewann Cyrill Bischof mit seinem «Arche» genannten Projekt 1991 den Architekturwettbewerb für die neue Schulanlage mit Mehrzweckhalle in Dozwil. Bischof wohnte damals mit seiner Frau in einem alten Bauernhaus in Uttwil und arbeitete im oberen Stock in einem improvisierten Büro am 12-Millionen-Auftrag, der von ihm sehr viel abverlangte, zumal er teilweise auch noch mit der neuen Zentrumsüberbauung in Uttwil beschäftigt war. Den entsprechenden Wettbewerb gewann er im folgenden Jahr. «Ich hatte noch wenig Erfahrung, aber ich war ehrgeizig und Perfektionist», erinnert sich der Architekt.

In der Kritik

Der Neubau in Dozwil war sein Gesellenstück. Und dazu noch ein ambitioniertes: «Ich wollte neue Schwerpunkte mit zeitgenössischer Architektur setzen als Kontrapunkt zum bestehenden Schulgebäude aus dem Jahr 1907», sagt Bischof. Und damit setzte er sich auch der Kritik aus. «Ich bin wegen der Flachdächer angefeindet worden und brauchte teilweise ein dickes Fell.»

Heute werden Bischof und die damalige Baukommission für die Formensprache des Gebäudes und die Weitsicht gelobt. Denn die Schulanlage war so angelegt worden, dass sie relativ problemlos ausgebaut werden kann, was kürzlich geschehen ist. Den Auftrag für die Erweiterung bekam Bischof, was ihn sehr freute. Und ihn bestätigte, von Anfang an auf dem richtigen Weg gewesen zu sein. «Wir bauen modern und nicht modisch.»

Es war ein Geschenk

So früh Wettbewerbe zu gewinnen, sei natürlich «lässig» und öffne so manche Türen, sagt Bischof im Rückblick. «Es war ein Geschenk und hat uns viel geholfen. Man muss aber auch loslassen können und immer wieder neu beginnen.» Vor allem dürfe man nicht anfangen, sich zu überschätzen und träge zu werden. Es laufe zwar aktuell gut, aber die Aufträge würden einem nicht in den Schoss fallen, sagt Bischof. «Wir müssen um sie kämpfen und stehen auf allen Ebenen in Konkurrenz.»

Der Kostendruck im Baubereich sei enorm hoch, was zu Massenproduktion führe. «Dabei wäre so viel Wissen vorhanden, das die Architektur vorwärts bringen könnte.» Oft würde am falschen Ort gespart. Man baue billig statt preiswert und nicht «bewusst». Zuweilen fehle auch der Mut der Bauherren für unkonventionelle Lösungen.

Weniger wäre oft mehr

Bischof Partner stehe für passende Architektur, und nicht für angepasste. Für möglichst einfache Lösungen, aber nicht für simple, sagt Cyrill Bischof. «Denn manchmal wäre weniger mehr.» Beispiel dafür sei sein eigenes Haus in Uttwil, das sogar in einen Schweizer Kunstführer aufgenommen worden sei. Manchmal wolle aber auch er selber zu viel, räumt Bischof ein. «Meine Frau, die von Anfang an nicht nur Lebens-, sondern auch Geschäftspartnerin war, holt mich dann aber immer wieder auf den Boden zurück.» Sie ist heute verantwortlich für die Bereiche Finanzen und Innenarchitektur.

Überhaupt sei ihm der Teamgedanke wichtig. «Wir sind als Unternehmen gemeinsam unterwegs und haben nur gemeinsam Erfolg.» Sinnbildlich dafür stehe die Jubiläumsreise: eine zweitägige Gletschertour zur Monte-Rosa-Hütte, die für Bischof ein «architektonischer Bergkristall» ist.

Freude über Entwicklung

In den 1990er Jahren engagierte sich Bischof stark in einer Arbeitsgruppe, die ein Leitbild für Romanshorn erarbeitete, wo er aufgewachsen war. «Ich freue mich, dass sich die Hafenstadt nun in diese Richtung entwickelt.» Viele der Projekte wie ein Stadtplatz seien bereits damals angedacht worden.

Bischof äussert sich aber noch vorsichtig: «Wir stehen erst am Anfang einer architektonischen Entwicklung mit entsprechender Qualität.» Das Problem: Es habe lange Zeit vom Markt her kein Druck bestanden für Sanierungen und Neubauten im Zentrum. Und wenn keine Aussicht auf ausreichende Rendite bestehe, investiere niemand. «Für die nächsten 25 Jahre wünschte ich mir, die öffentliche Hand hätte einen ähnlichen finanziellen Spielraum im Hochbau wie im Tiefbau: Architektur begleitet uns täglich sichtbar und formt uns nachhaltig», sagt Bischof.