«Ich bin hier so reingerutscht»

Seit 15 Jahren leitet David Tschudi die Geschicke der Politischen Gemeinde Lengwil. Geändert hat sich in dieser Zeit einiges. Weiter wachsen soll die Gemeinde allerdings nur gemächlich.

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Erster Gemeindeammann der Politischen Gemeinde Lengwil: David Tschudi vor der Informationstafel. (Bild: Nana do Carmo)

Erster Gemeindeammann der Politischen Gemeinde Lengwil: David Tschudi vor der Informationstafel. (Bild: Nana do Carmo)

Herr Tschudi, seit 15 Jahren sind Sie Gemeindeammann von Lengwil. Wie sehr hat sich die Gemeinde verändert?

David Tschudi: Mir kommt es gar nicht so lange vor, und selber nehme ich die Veränderungen im Lauf der Zeit nicht so wahr. Über die Jahre hinweg ist viel gebaut worden, vor allem Einfamilienhäuser. 1998 hatte Lengwil etwa 1250 Einwohner, heute sind es gegen 1430. Die Ansprüche der Bevölkerung an ihre Gemeinde haben sich verändert. Heute wünschen sie sich beispielsweise Anschluss an den öffentlichen Verkehr und eine funktionierende Grünabfuhr. Der Stundentakt der Postautolinie Weinfelden–Kreuzlingen ist für uns eine tolle Sache und wird gut genutzt.

Was waren die grossen Brocken, die Sie zu bewältigen hatten?

Tschudi: Da gab es einiges. Beispielsweise die Ansiedlung der Firma Tegometall im Industriegelände und die damit verbundene Tieferlegung der Bahnunterführung, damit Lastwagen passieren können. Später war die Umzonung eines Geländes von der Landwirtschafts- in die Industriezone für Erweiterungsmöglichkeiten des Betriebes ein grosses Thema in der Gemeinde. An die damalige Gemeindeversammlung 2001 kamen rund 20 Prozent der Stimmberechtigten, so viele wie noch nie.

Haben Sie noch andere Beispiele?

Tschudi: Ja. Die Wasserversorgung Thurtal-Bodensee ist für die Gemeinde ein grosses Projekt mit vielen Leitungsbauten.

In den letzten beiden Jahren kannte man Lengwil vor allem wegen der grossen Opposition gegen die Oberlandstrasse. Was, wenn diese eines Tages wirklich gebaut wird?

Tschudi: Das Volk hatte sich sehr schnell gegen das Projekt positioniert und dieses an der Abstimmung klar abgelehnt. Dass es nun bezüglich der Finanzierung offene Fragen gibt, darüber sind die Lengwiler nicht traurig. Wir werden sicher ein Auge darauf haben, ob die Verantwortlichen die Versprechen und die abgemachte Linienführung auch wirklich einhalten werden und auf diese pochen. Sollte die Strasse gebaut werden, wird es im Dorf selber natürlich ruhiger. Wir haben viel Durchgangsverkehr.

Welche Projekte werden Sie künftig beschäftigen?

Tschudi: Zum Beispiel die Weiterentwicklung des Furnieri-Areals. Ein Teil ist überbaut, der Rest noch offen. Für Lengwil ist auch das Projekt Wohnen im Alter der Genossenschaft Sternenfeld ein Thema.

Zuletzt war Lengwil in den Schlagzeilen, da local.ch im regionalen Telefonbuch den Ortsteil Dettighofen vergessen hatte. Fanden Sie das lustig?

Tschudi: Ja, schon. Doch der Medienwirbel, den diese Sache ausgelöst hatte, wurde mir dann zu viel. Das war unglaublich. Das Schöne an der Sache war, dass der Anbieter in unserem Namen 10 000 Franken an gemeinnützige Institutionen gespendet hatte.

Warum wollten Sie Gemeindeammann von Lengwil werden?

Tschudi: Eigentlich bin ich in diese Aufgabe reingerutscht. 1998 wurde aus den zwei Ortsgemeinden Illighausen und Lengwil-Oberhofen die Politische Gemeinde Lengwil. Ich hatte mich als Gemeinderat aufstellen lassen. Da die beiden Ammannkandidaten im ersten Wahlgang das absolute Mehr nicht erreichten, wurde ich für den zweiten angefragt.

War es schwierig, die beiden Ortsgemeinden zu einer Politischen Gemeinde zu formen?

Tschudi: Das war immer wieder Thema, auch heute. Da Illighausen zur Schulgemeinde Kemmental gehört und die Kinder aus Lengwil, Oberhofen und Dettighofen nach Kreuzlingen zur Schule gehen, orientieren sich die Jungen in verschiedene Richtungen. Das ist eine Hürde zum gegenseitigen Kennenlernen.

Was bedeutet Ihnen dieses 15-Jahr-Jubiläum?

Tschudi: Es ist für mich schon speziell. Auch weiss ich, dass man es nie allen Leuten recht machen kann. Mir ist es sehr wichtig, dass wir auf der Verwaltung ein kompetentes Team haben und so gut zusammenarbeiten. Das gilt auch für die Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat. Übrigens feiert unsere Gemeindeschreiberin Manuela Senn am 1. März ebenfalls ihr 15-Jahr-Jubiläum.

Was schätzen Sie an Lengwil?

Tschudi: Mir gefällt das Dörfliche und die hohe Lebensqualität. Man hat Platz und ist schnell in der Natur. Auch die Nähe zu Kreuzlingen und dem See ist sehr schön. Zudem haben wir in der Gemeinde eine tolle Gastronomie. Das gibt es nicht überall.

Was wünschen Sie sich für Ihre Gemeinde?

Tschudi: Ich hoffe, dass das Dorflädeli erhalten bleibt. Wir haben zwar nahe Einkaufsmöglichkeiten, doch so ein Lädeli gehört zu einem Dorf. Auch hoffe ich, dass das Vereinsleben bestehen bleibt. Und mir ist es wichtig, dass die Leute respektvoll und tolerant miteinander umgehen.

Wo sehen Sie Lengwil in ein paar Jahren?

Tschudi: Die Gemeinde wird weiter wachsen, wir rechnen mit einem Prozent Zuwachs im Jahr. Allerdings forciert der Gemeinderat die Bautätigkeit nicht.

Wie lange möchten Sie noch Gemeindeammann bleiben?

Tschudi: Mal schauen. 2015 sind die nächsten Wahlen.

Interview: Nicole D'Orazio