«Ich bin ganz zufrieden»

Der Salmsacher Gemeindeammann Martin Haas ist seit einem halben Jahr im Amt. Wie sein Vorgänger ist er stark mit der Altlasten-Problematik beschäftigt. Ein grosses Thema ist im Moment die Überbauung auf dem Schäfliareal.

Markus Schoch
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Martin Haas auf dem Schäfliareal, das lange brachlag und im Frühling überbaut werden soll. (Bild: Markus Schoch)

Martin Haas auf dem Schäfliareal, das lange brachlag und im Frühling überbaut werden soll. (Bild: Markus Schoch)

Herr Haas, wie läuft es?

Martin Haas: Gut, ich bin ganz zufrieden. Es ist herausfordernd und bringt viel Neues, aber es gefällt mir gut.

Was war die grösste Herausforderung?

Haas: Von den Arbeiten her waren es Sachen, die ich mir aus meinem früheren Beruf nicht gewohnt war. Ich meine damit beispielsweise Baugesuche oder die ganze Altlasten-Thematik. Ich musste mich in diverse Dossiers einlesen. Das alles hat am Anfang viel Zeit gebraucht.

Völlig neu ist aber nicht alles. Sie gehören seit 2008 dem Gemeinderat an und haben zumindest am Rande vieles mitbekommen.

Haas: Ich war im Gemeinderat und hatte das Ressort Schule. Um alles andere habe ich mich nicht in der gleichen Tiefe gekümmert.

Ihr Vorgänger war stark mit der Altlasten-Problematik beschäftigt. Sie auch?

Haas: Im Gebiet des Alten Aachknies konnten wir das Dossier schliessen. Es wurden zuletzt noch Gasmessungen gemacht mit dem Ergebnis, dass das Fundament von drei Liegenschaften zusätzlich abgedichtet werden musste. In einem bestimmten Turnus gibt es jetzt noch Kontrollmessungen.

Und in der Bucht?

Haas: Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, damit weder kleine Kinder noch Schafe irgendwelchen Gefahren ausgesetzt sind, wenn sie sich im Gebiet aufhalten. Wir sind im Moment daran, Offerten einzuholen für die Sanierung des Standortes und die Entsorgung des belasteten Materials.

Wie schnell soll es gehen?

Haas: Wir würden es gerne noch dieses Jahr machen.

Ist im Budget bereits ein Betrag dafür eingestellt?

Haas: Wir haben einen kleinen Teil drin. Aber es sind ja Kosten, die uns aufgezwungen werden. Der Kanton verpflichtet uns zur Sanierung innerhalb einer bestimmten Frist.

Beteiligt sich der Kanton an den Kosten?

Haas: Nein, aber es gibt einen Fonds für die Altlasten-Sanierung, aus dem wir einen gewissen Teil der Aufwendungen vergütet bekommen könnten. Er ist für Fälle bestimmt, bei denen der Verursacher des Problems nicht haftbar gemacht werden kann.

Das Schäfliareal ist seit 1990 eine Brache und soll jetzt endlich überbaut werden. Ein Projekt liegt vor. Geht es voran?

Haas: Alle kantonalen Bewilligungen liegen vor. Wir haben jetzt den Entwurf des Verkaufsvertrags auf dem Tisch. Ich bin zuversichtlich, dass im April mit dem Bau begonnen werden kann. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sogar ein kleinerer Laden eröffnet. Ich bin im Gespräch mit Interessenten. Die Durchgangsstrasse mit mehr als 10 000 Fahrzeugen pro Tag ist sicher ein Vorteil für ein solches Geschäft.

Die FDP hat kürzlich die Diskussion um eine Einheitsgemeinde angestossen. Das hätte Folgen für Salmsach wegen der Sekundarschulgemeinde, die Romanshorn und Salmsach umfasst. Sollte die Idee weiter verfolgt werden?

Haas: In Salmsach gehört die Primarschule bereits zur politischen Gemeinde. Wir haben darum seinerzeit bei den Gesprächen im Zusammenhang mit der Fusion von Anfang an klar gesagt, dass es für uns ein Rückschritt wäre, wenn dieses Modell aufgegeben werden müsste. Die Bildung einer Einheitsgemeinde wäre deshalb für uns ein gangbarer Weg gewesen – sogar der Königsweg. Die Meinung in den politischen Gremien in Romanshorn war aber, dass mit der Einheitsgemeinde der Korb überladen wäre. Jetzt wäre es wahrscheinlich schwierig, eine Einheitsgemeinde zu bilden. Aus diesem Grund unternehmen wir nichts.

Gespräche mit Romanshorn wären auch in Bezug auf die Aach nötig, wenn sie umgeleitet werden sollte. Der neue Lauf führt gemäss einer Machbarkeitsstudie durch das Naturschutzgebiet von Romanshorn. Haben Sie bereits mit Stadtammann David H. Bon darüber geredet?

Haas: In der Anfangsphase hatten wir Kontakt mit der Bauverwaltung von Romanshorn. Der Ball liegt aber beim Kanton. Wenn er findet, die Idee sei clever und sollte weiter verfolgt werden, werden wir uns sicher gemeinsam mit Romanshorn auf den Weg machen.

Was halten Sie von der angedachten Lösung?

Haas: Der Gedanke ist faszinierend. Wir könnten damit nach Meinung des beigezogenen Experten nicht nur das Problem mit der Wasserqualität in der Bucht lösen. Auch das Naturschutzgebiet würde meiner Meinung nach aufgewertet.

Parallel läuft die Seeuferplanung des Kantons. Macht sie im Bereich von Salmsach überhaupt Sinn, wenn nicht klar ist, was mit der Aach passieren soll?

Haas: Wir hatten gerade gestern eine Besprechung mit dem Kanton. Die Verantwortlichen wissen von der Studie. In den Plänen ist sie aber nicht berücksichtigt, was selbstverständlich nicht geht.

Und jetzt?

Haas: Wir schauen uns die Vorschläge des Kantons an und sitzen dann nochmals mit den Sachbearbeitern zusammen.

Das Wasserforschungsinstitut Eawag hat im letzten Frühling eine starke Belastung der Aach mit Pestiziden nachgewiesen, die zu einem grossen Teil von der Landwirtschaft eingetragen werden. Hat die Gemeinde in der Zwischenzeit irgendwelche Massnahmen ergriffen?

Haas: Wir sind als Gemeinde meines Wissens in dieser Sache nie angeschrieben worden. Insofern haben wir auch keine Veranlassung gesehen, aktiv zu werden.

Salmsach macht beim Aggloprogramm mit, das Amriswil und Romanshorn initiiert haben. Wie könnte die Gemeinde davon profitieren?

Haas: Zum einen im Bereich des Langsamverkehrs, der ein Schwerpunktthema ist. Wir sind im Moment daran abzuklären, wie die Situation bei der Bierhofbrücke verbessert werden kann, und sicher ist auch die Linienführung des Bodenseeradwegs ein Thema. Zum anderen im Bereich des öffentlichen Verkehrs, wenn die Bahnhaltestelle im Industriequartier kommen sollte. Damit könnten verschiedene Türen aufgehen, so dass dann auch jetzt unerschlossene Gebiete im Bereich der Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln liegen. Wir werden im Herbst auf jeden Fall konkrete Projekte einreichen.

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