«Ich bin ein zielstrebiger Mensch»

Gemeinderat Max Staub will Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg werden. Er betont den hohen Stellenwert gesunder Finanzen und plädiert für eine grössere Verkehrssicherheit auf Nebenstrassen und in Wohnquartieren.

Georg Stelzner
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Max Staub (FDP), Kandidat für das Amt des Gemeindepräsidenten von Kradolf-Schönenberg. (Bild: Reto Martin)

Max Staub (FDP), Kandidat für das Amt des Gemeindepräsidenten von Kradolf-Schönenberg. (Bild: Reto Martin)

Herr Staub, Sie sind erst zwei Jahre im Gemeinderat und wollen jetzt Gemeindepräsident werden. Was halten Ihre Kollegen und Ihre Kollegin in der Behörde von dieser Absicht?

Max Staub: Als ich meinen Entschluss bekanntgab, fielen die Reaktionen durchwegs positiv aus. Ich hatte den Eindruck, dass alle Gemeinderatsmitglieder erleichtert waren, dass jemand aus den eigenen Reihen zur Ersatzwahl antritt. Wäre man meiner Kandidatur ablehnend gegenübergestanden, hätte ich mich nicht um dieses Amt beworben.

Gab es in der Vergangenheit ein Schlüsselerlebnis, oder war das Gemeindepräsidium insgeheim schon immer ein Ziel für Sie?

Staub: Ich stamme aus einer politisch interessierten und engagierten Familie. Mein Onkel war zum Beispiel Gemeindammann in Bad Ragaz. Ich sah meine Zukunft aber lange Zeit eher in den Vereinen. Eine Art Schlüsselerlebnis war dann meine Wahl in den Gemeinderat. In den vergangenen zwei Jahren habe ich gemerkt, dass mir die Behördentätigkeit grossen Spass macht. Die Funktion eines Gemeindepräsidenten ist überaus vielseitig und interessant. Deshalb reizt mich diese Aufgabe.

Als Gemeindepräsident müssten Sie einiges von Ihrer Freizeit opfern. Was sagt denn Ihre Familie dazu?

Staub: Von ihr werde ich uneingeschränkt unterstützt. Eine so entscheidende Frage muss man in der Familie besprechen, sonst funktioniert das nicht. Meine Frau Natascha kennt mich und weiss, wie gerne ich Gemeindepräsident wäre. Nur Arbeitskollegen rieten mir, ich solle mir die Sache nochmal überlegen.

Sie nennen in Ihrer Wahlwerbung Ziele, die unbestritten sind. Doch wie realistisch ist es, dass diese auch erreicht werden können?

Staub: Mir ist klar, dass man nicht alles durchsetzen kann, was man sich vornimmt. Bei vielen Geschäften ist die Behörde heute fremdbestimmt. Die Kunst besteht darin, im Bereich des Möglichen ein Maximum zu erreichen. Für mich muss das aber immer ein Miteinander sein. Ich möchte alle Anspruchsgruppen einbeziehen, denn nur so sind tragfähige Lösungen möglich.

Welches wären die wichtigsten strategischen Ziele, die Sie als Gemeindepräsident verfolgen würden?

Staub: Gesunde Finanzen sind für die Handlungsfähigkeit einer Behörde unabdingbar. Man darf sich aber nicht zu Tode sparen, sondern muss Investitionen weitsichtig aufgleisen und wenn nötig staffeln. Es ist auch wichtig, die Kultur des respektvollen Umgangs beizubehalten. Grosse Bedeutung messe ich einer zeitgemässen Kommunikation und der regionalen Kooperation bei. Kradolf-Schönenberg und Sulgen sind ein gutes Beispiel dafür.

Entdecken Sie in der Gemeinde Kradolf-Schönenberg auch Defizite?

Staub: Ich habe das Gefühl, dass die Verkehrsanbindung besser sein könnte. Zudem wird der Schleichverkehr zum Problem. Das Verkehrsaufkommen in den Wohnquartieren nimmt zu. Auf diese Entwicklung müssen wir reagieren. Ansonsten sehe ich derzeit nirgends Gründe, etwas entscheidend zu ändern.

In welchen Bereichen kommen auf Kradolf-Schönenberg möglicherweise Probleme zu?

Staub: Eine grosse Herausforderung könnte die Flüchtlingskrise werden, doch ich bin zuversichtlich, dass wir auch für diese Aufgabe gerüstet wären. Wirtschaftlich steht die Gemeinde auf einem soliden Fundament. Wir müssen allerdings darauf achten, dass wir bei der Investitionsplanung immer à jour sind.

Dem Gemeinderat gehört derzeit nur noch eine Frau an. Würden Sie versuchen, dies zu korrigieren?

Staub: Das muss ganz klar ein Ziel sein, denn die Behörde soll ja ein Spiegelbild der Bevölkerung sein. Es gibt in unserer Gemeinde fähige Frauen, aber oft stimmt für sie der Zeitpunkt für die Übernahme eines Amtes nicht. Ich bin jedoch überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis dem Gemeinderat Kradolf-Schönenberg wieder mehrere Frauen angehören werden.

Sie bezeichnen sich selber als «bürgernah und authentisch». Was meinen Sie damit?

Staub: Ich halte mich sehr gerne unter Menschen auf und interessiere mich für das Geschehen im Wohnort und in der Gemeinde. Ich gebe mich in der Öffentlichkeit nicht anders als im Privatleben. Mich zu verstellen, so etwas liegt mir überhaupt nicht. Ich bin kein guter Schauspieler.

Nennen Sie ein paar positive Eigenschaften, welche Ihre Person charakterisieren, und eine, auf die Sie gerne verzichten würden.

Staub: Ich halte mich für einen kommunikativen, zielstrebigen und geselligen Menschen, der strukturiert arbeiten kann. Als Schwäche würde ich meine Ungeduld bezeichnen.

Im Gegensatz zu Ihren beiden Mitbewerbern gehören Sie einer Partei an. Weshalb gerade der FDP?

Staub: Ich habe mich dieser Partei schon immer verbunden gefühlt. Mit Postulaten wie Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt kann ich mich sehr gut identifizieren. Freiheit hat für mich aber auch viel mit Verantwortung zu tun, und der Fortschritt soll in die richtige Richtung weisen – und er muss sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren.

Ist es ein Vorteil, den Wahlkampf als Gemeinderat zu bestreiten?

Staub: Ja. Ich bin mit den aktuellen Geschäften, mit denen sich die Behörde befasst, vertraut und konnte mir auch schon ein Bild von der Arbeit des Gemeindepräsidenten machen. Dazu kommt, dass ich die Gemeindeverwaltung bereits kenne.

Zwei Gemeindeoberhäupter von Kradolf-Schönenberg haben es in den Regierungsrat geschafft. Hegen Sie auch solche Ambitionen?

Staub: Nein, zumal ich auch kein waschechter Thurgauer bin. Ich würde aber gerne einmal dem Grossen Rat angehören. Ich finde, der Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg gehört ins Thurgauer Kantonsparlament.

Für wie lange würden Sie gerne Gemeindepräsident sein?

Staub: Für mindestens zwei und maximal drei Amtsdauern. Ich meine, dass nach spätestens zwölf Jahren im Gemeindepräsidium ein Wechsel erfolgen sollte. Mitte fünfzig hätte ich auch die Chance, beruflich nochmals etwas Neues anzupacken.

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