Ich bin ein Glückspilz

Ich habe einen Helden getroffen – an diesem Tag meinen ganz persönlichen Helden. Und das, noch bevor mir überhaupt bewusst war, dass ich ihn nötig haben könnte.

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Ich habe einen Helden getroffen – an diesem Tag meinen ganz persönlichen Helden. Und das, noch bevor mir überhaupt bewusst war, dass ich ihn nötig haben könnte. Kopfschüttelnd habe ich die Morgenlektüre zur Seite gelegt, mich geärgert über die Dreistigkeit von Dieben, die alte Menschen beim Einkaufen bestehlen. Meine Tasche steht bereit und eigentlich will ich gerade das Haus verlassen, um zur Arbeit zu fahren, als das Telefon klingelt. Eine fremde Stimme, ein fremder Name… ob ich nicht etwas vermisse? Womöglich ein Portemonnaie?

In meinem Kopf rattert es. Ich? Nicht dass ich wüsste. Ich greife zur Tasche und wühle darin. Alles ist da, nur das Portemonnaie fehlt. Sofort kommen mir die Schlagzeilen der Morgenlektüre in den Sinn. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Hände in meine Tasche greifen. Nein, in einem Laden war ich am Vorabend nicht mehr.

Wo er denn das Portemonnaie gefunden hat, will ich wissen. Am Boden hat es gelegen, bei einer Tankstelle. Ja, jetzt fällt es mir ein. Getankt habe ich und das Portemonnaie in die Jackentasche gesteckt. Dann habe ich die Luft in den Pneus nachgefüllt. Dabei muss es mir rausgefallen sein.

Sofort mach ich mich auf den Weg. Die Freude ist gross, denn der nette Herr, der mich angerufen hat, drückt mir mein Portemonnaie samt Ausweisen in die Hände. Sogar das Geld ist noch drin. Nur zu gerne überreiche ich einen Finderlohn. Eine so nette Ehrlichkeit will ich belohnen. Auf dem Arbeitsweg lacht mir die Sonne ins Gesicht. Ja wirklich: Heute bin ich ein Glückspilz. (mus)