Huldigung an Gioacchino Rossini

Mit geistlicher Musik von Rossini begeisterte der Bodensee-Madrigalchor unter Leitung von Heinz Bucher am Samstagabend in der katholischen Kirche.

Siegrun Schmidt
Drucken

In dem festlichen Konzert konnte der in der Bodenseegemeinde Stockach beheimatete Chor seine Fähigkeiten voll entfalten.

«Superstar» seiner Zeit

Gioacchino Rossini, der grosse Opernmeister, zu seiner Zeit ein Superstar der italienischen Oper, wurde erst in unserer Zeit als Komponist opulenter geistlicher Chorwerke entdeckt. Der Bodensee-Madrigalchor, der auch Mitwirkende aus der Schweiz umfasst, hatte sich für sein Jubiläum das «Stabat Mater» ausgesucht. Mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen stand ihm ein ebenbürtiger Partner zur Seite.

Dramatisch bis lyrisch

Doch zunächst gab es eine Huldigung an Rossini. Die erst in den 1980er-Jahren wiederentdeckte «Messa per Rossini» ist als Gemeinschaftswerk mehrerer italienischer Komponisten, darunter kein Geringerer als Giuseppe Verdi, nach Rossinis Tod entstanden. Heinz Bucher und der Chor hatten drei Teile daraus ausgewählt und zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt.

Dem «Sanctus/Benedictus» für Soli und Chor von Pietro Platania mit dramatischer Durchschlagskraft folgte ein lyrisches «Agnus Dei» für Solo-Alt von Lauro Rossi mit der wunderschönen Stimme von Irène Friedli und dem kammermusikalisch filigran musizierenden Orchester. Verdis anrührender «Requiem»-Satz mit der Sopranistin Lucja Zarzycka rundete diesen Teil ab.

«Stabat Mater» im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt stand das «Stabat Mater», das Mitleiden mit dem Schmerz der Gottesmutter über den Kreuztod des Sohnes. Unverkennbar zeigte sich hier die Handschrift des grossen Opernmeisters. Chor und Orchester setzten dramatische Akzente, die auch tiefe musikalische Einfühlsamkeit in die geistliche Aussage hervorhoben.

Die grossen Arien und Szenen der Solostimmen hätten hingegen genauso gut aus einer Oper stammen können, wie das «Cujus animam», in dem der Tenor Reginaldo Pinheiro mit Spitzentönen brillierte, oder ein Quartett der Solostimmen und ein Sopran/Mezzosopran-Duett mit den prachtvoll harmonierenden Stimmen von Lucja Zarzycka und Irène Friedli. Tiefschwarze Bassfarben fügte Tomasz Slawinski in einer Arie und Szene zusammen mit dem Chor hinzu.

Leidenschaft und Hingabe

Innig gestaltete Irène Friedli eine Cavatine im Verbund mit dominierenden Hörnern. Beeindruckende Chorpassagen wie das in feinstem a cappella gesungene «Quando corpus» und die in geistlicher Tradition stehende grandiose Schlussfuge zusammen mit den Solostimmen beschlossen das mit Leidenschaft und Hingabe an die hinreissende Musik Rossinis getragene Stimmfest als würdiges Jubiläumskonzert.