Hug nicht nach Bern

Arbon ist nicht mehr rot, und auch nur marginal orange gefärbt: Es dominiert im Wählerspektrum das Grün-Gelb der SVP, die sich vor etwas mehr als dreissig Jahren getraute, in der Saurer-Stadt eine Ortspartei zu gründen.

Max Eichenberger
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Wahlplakat von Patrick Hug. Er wird nicht vom Stadthaus zum Bundeshaus pendeln. (Bild: pd)

Wahlplakat von Patrick Hug. Er wird nicht vom Stadthaus zum Bundeshaus pendeln. (Bild: pd)

Arbon ist nicht mehr rot, und auch nur marginal orange gefärbt: Es dominiert im Wählerspektrum das Grün-Gelb der SVP, die sich vor etwas mehr als dreissig Jahren getraute, in der Saurer-Stadt eine Ortspartei zu gründen. In der einstigen SP-Hochburg Arbon haben – im Vergleich zur SP – am Wochenende mehr als doppelt so viele Wähler die SVP-Liste unverändert eingelegt. Und insgesamt erreichte die SP gerade mal 54,7 Prozent der Parteienstimmen, die auf die SVP entfielen. Vor vier Jahren lag dieser Anteil immerhin noch bei 64 Prozent.

SVP läuft der SP den Rang ab

1999, als sich die SVP anschickte, die SP-Vormacht zu brechen, waren SP und SVP noch gleichauf. Zuvor hatte die SP in der damaligen Arbeiterstadt noch satte Gesamtwähleranteile zwischen 30 und 40 Prozent. Jetzt ist dieser auf 17,5 Prozent geschmolzen, während die SVP inzwischen bei 32 Prozent liegt. Die arithmetischen Verhältnisse haben sich bei den nationalen Wahlen deutlich verändert. Auf kommunaler Ebene spiegelt sich ein anderes Bild. Da konnte bei den letzten Parlamentswahlen im März die SP – trotz Sitzverlusten – die SVP zurückbinden. Was auch mit dem dünnen personellen Reservoir der SVP zu tun hatte. In der Volksvertretung sind die Sozialdemokraten immer noch mit die stärkste Kraft.

Lokalmatadoren kandidierten auf beiden Nationalratslisten übrigens nicht. Da liegt auch nahe, dass ein SVP-Trio in Arbon absolut die meisten Stimmen erzielte: voran die bisherigen Nationalräte Hansjörg Walter (1192) und Verena Herzog (1078). Und erst auf Platz drei folgt die auf Plakaten omnipräsente Oberthurgauerin Diana Gutjahr. Bei der SP sammelte Edith Graf-Litscher (773) die meisten Stimmen. Überflügelt wurde sie aber noch vom Kreuzlinger CVP-Nationalrat Christian Lohr (897), dem im Verhältnis am meisten Stimmen von veränderten Wahlzetteln zufielen. Der neugewählte Hermann Hess, FDP-Spitzenkandidat und Amriswiler Unternehmer, totalisierte 700 Stimmen.

Zum Zibelemärit nach Bern

Der Arboner Vizestadtammann Patrick Hug (671) konnte aus dem Heimvorteil bedingt Kapital schlagen: Er blieb auf der CVP-Liste hinter Lohr die Nummer zwei und leistete so immerhin seinen Anteil, dass der Kreuzlinger wieder nach Bern fährt. Auf der CVP-Junior-Liste flogen Lukas Auer, Sohn von SP-Urgestein Jacob Auer, immerhin 166 Stimmen zu.

«Hug nach Bern» – das wird für den Arboner Vizestadtammann keine neue Pendlererfahrung. Vielleicht mit dem Besuch des Zibelemärits könnte aber sein Slogan doch noch stechen.

Lukas Auer Arboner Kandidat der Jungen CVP; er erreichte 166 Stimmen. (Bild: pd)

Lukas Auer Arboner Kandidat der Jungen CVP; er erreichte 166 Stimmen. (Bild: pd)