Hotelprojekt steht zum Verkauf

Seit eineinhalb Jahren verfügt Margrit Grädel über die Baubewilligung für ein Hotel Garni mit 39 Zimmern neben ihrem Restaurant in Romanshorn. Der Baubeginn war für letztes Jahr angekündigt. Jetzt ist klar, warum es nicht vorwärtsgeht.

Markus Schoch
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Visualisierung des geplanten Hotels Garni in Romanshorn an der Grenze zu Salmsach direkt an der Durchgangsstrasse. (Bild: pd)

Visualisierung des geplanten Hotels Garni in Romanshorn an der Grenze zu Salmsach direkt an der Durchgangsstrasse. (Bild: pd)

ROMANSHORN. Margrit Grädel hat noch Zeit. Doch die Zeit wird knapp. Ende Jahr verfällt die Baubewilligung für ihr Projekt. Sie könnte allerdings verlängert werden, was nicht unüblich wäre.

Dabei deutete nichts auf Schwierigkeiten hin, nachdem die eigentlichen Schwierigkeiten überwunden waren. Die Stadt erteilte der Wirtin im Restaurant Neuhaus im Dezember 2013 eine Ausnahmebewilligung. Eine Sondergenehmigung war nötig, weil das Hotel in der Industriezone gebaut werden soll und eine Umzonung nicht in Frage kam.

Bon führte intensive Gespräche

Stadtpräsident David H. Bon war es ein grosses Anliegen, eine Lösung zu finden, damit Grädel ihren Traum auf dem Land verwirklichen kann, wo heute die «Kuhstallbar» steht. Zusammen mit seinem damaligen Vize Danilo Clematide führte er deshalb seinerzeit intensive Gespräche mit Vertretern der Industrie und Anwohnern.

Der Aufwand machte sich bezahlt: Alle begrüssten das Vorhaben am Schluss – Voraussetzung für die Baubewilligung der Stadt.

Hotel funktioniert

Sie sei überglücklich, sagte Grädel am Tag, als ihr der Stadtrat vor eineinhalb Jahren den Weg frei machte. «Ich freue mich wie ein kleines Kind und bin den Verantwortlichen in Romanshorn sehr dankbar.» Sie sei überzeugt, dass das «neue Hotel funktioniert», gab sich Grädel zuversichtlich.

Auf der Homepage des Restaurants kündigte sie den Baustart im letzten Jahr auf «Ende September, Oktober» an. Sie wolle den wunderschönen Garten im Sommer noch nutzen, hiess es. Tatsächlich sind die Baumaschinen bis heute nicht aufgefahren. Auf der Homepage liest man nichts mehr zum Hotelprojekt. Zu den Gründen für die Verzögerung hat sich Grädel in der Vergangenheit nie öffentlich geäussert. Es sei zu früh, sagte sie im letzten Oktober.

Käufer gesucht

Mittlerweile ist klar, wo das Problem liegt: Grädel sucht einen Geldgeber. Auf Immobilien-Onlineplattformen wie derjenigen der Thurgauer Kantonalbank hat sie via einen Makler in Zug ihr Hotelprojekt zum Kauf ausgeschrieben. Der Preis: 2,15 Millionen Franken. Es sei eine «sehr gute Gelegenheit für Hotel-Profis und Investoren, denn solche Projekte gibt es selten am Bodensee», heisst es in der Anzeige.

Ist nicht ungewöhnlich

Über einen Mittelsmann nahm Grädel gestern zu schriftlich eingereichten Fragen Stellung. Der Verkauf sei eine Option, «die von Beginn an geprüft wurde», schreibt sie. Es sei nicht ungewöhnlich, dass bewilligte Projekte an Investoren übertragen würden. Die ersten Gespräche mit möglichen Interessenten habe sie bereits Anfang des letzten Jahres geführt. An der Ausgangslage habe sich nichts geändert, hält Grädel fest. Sie wolle ein Hotel für die Region Romanshorn realisieren. «Das Vorhaben ist unverändert auch zum jetzigen Zeitpunkt noch aktuell.»

Die Verzögerung begründet die Wirtin damit, dass die Detailplanung für ein Hotelprojekt sehr arbeitsintensiv sei. «Die Planung und Abklärung brauchen ihre Zeit, das ist absolut normal», schreibt Grädel. Ob sich eine Lösung abzeichnet, lässt sie offen. «Dazu möchte ich keine Stellung nehmen, wir werden zu gegebener Zeit informieren.» Die Baubewilligung sei noch bis Anfang Dezember gültig.

Die Stadt kennt die Situation. «Wir sind im regelmässigen Kontakt mit ihr», sagt Stadtpräsident David H. Bon. Verzögerungen bei Bauprojekten könne es immer wieder geben.

Teufel liegt im Detail

Die aktuelle Lage sei eine Bestätigung dafür, «wie schwierig solche Projekte zum Fliegen zu bringen sind.» Der Teufel liege oft im Detail, sagt Bon. «Die Finanzierungsfrage ist wegen der hohen Eigenmittel, die beigebracht werden müssen, ein Faktor, aber nur einer von vielen.» Der Stadtrat sei aber nach wie vor davon überzeugt, dass Romanshorn ideale Voraussetzungen für Hotelprojekte biete. Er sei zuversichtlich, dass früher oder später auch entsprechende Pläne umgesetzt werden, sagt Bon. «Das Konzept von Frau Grädel überzeugt, und man traut ihr auch einen erfolgreichen Betrieb zu.» Ob Grädel bereits ein Gesuch zur Verlängerung der Baubewilligung eingereicht habe, könne er nicht sagen.

Margrit Grädel Seit über 30 Jahren Wirtin im Gasthaus Neuhaus (Bild: pd)

Margrit Grädel Seit über 30 Jahren Wirtin im Gasthaus Neuhaus (Bild: pd)