Hotelfrage spaltet Gemüter

ROMANSHORN. Im Juni stimmen die Romanshorner über den Verkauf eines Teils der Hafenpromenade an Hermann Hess ab. Die IG Hafen kritisiert das Vorgehen der Stadt. Die SP begrüsst Kosteneinsparungen, und die CVP äussert sich dazu nicht.

Tanja von Arx
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Hermann Hess möchte das Land in der Kurve der Romanshorner Hafenpromenade kaufen, um das grösste Hotel im Thurgau zu bauen. (Bild: Manuel Nagel)

Hermann Hess möchte das Land in der Kurve der Romanshorner Hafenpromenade kaufen, um das grösste Hotel im Thurgau zu bauen. (Bild: Manuel Nagel)

Sie halten das Vorgehen für erklärungsbedürftig, und es sei nicht leicht nachvollziehbar, warum die Stadt das Filetstück der Hafenpromenade nach mühseligem Erwerb von den SBB exklusiv einem Investor verkaufen will. Heiner Löffler, Präsident der IG Hafen Romanshorn, spricht von der Abstimmung über die Veräusserung von 9000 Quadratmetern Land an Hermann Hess. Der Unternehmer will dort ein Hotelprojekt realisieren. Vor kurzem hatte der Stadtrat überraschend bekanntgegeben, dafür zuerst die Grundsatzfrage zu klären und sich dann mit den Einzelheiten zu beschäftigen.

Abstimmungsfrage unbekannt

Im September habe die IG Hafen mit dem Stadtrat ein Gespräch über das Vorgehen gehabt, sagt Löffler. Es sei ein Workshop angekündigt worden, in dem Fachleute für die Ausgestaltung des Hafens Meinungen austauschen und Vorschläge sammeln wollten. «Stattdessen haben wir nun in der Zeitung gelesen, dass die Stadt eine grundsätzliche Abstimmung durchführen lässt.» Niemand wisse, wie die Abstimmungsfrage laute und welche Informationen man vorab noch bekomme.

2011 habe das Stimmvolk mit grossem Mehr die Hafenzone beschlossen. Die Vorschriften liessen nur eingeschränktes Bauen bis zwei Stockwerke Höhe und eine limitierte Gesamtkubatur zu, sagt Löffler. «Ein Hotel in der geplanten Grössenordnung würde die Regeln massiv überschreiten und wäre nur unter ausserordentlichen Umständen genehmigungsfähig.» Und wegen der Kubaturauflage wären daneben keine anderen Bauten möglich.

Beherbergung braucht Lösung

Die Beherbungssituation in Romanshorn sei nicht optimal, sagt Löffler, und sie verlange nach einer Lösung. Dazu sei aber die gesamthafte Beurteilung der städtischen «Baustellen» vom «Anker» über das «Bahnhöfli» und das Schloss bis hin zum «Inseli» nötig. «Solange man die Projekte nicht zusammen betrachtet, ist der Bau eines 120-Zimmer-Hotels als Fait accompli nicht die Lösung des Problems.»

Anders sieht das Aliye Gül, die Präsidentin der SP Romanshorn. Die Ortspartei werde das Hotelvorhaben am Hafen unterstützen und für den Landverkauf stimmen. «Ein Ja im Juni bedeutet schnelleres Vorgehen: Ein erneutes Workshopverfahren mit externen Fachleuten bringt uns nicht weiter, es kostet aber Geld und viel Zeit.» Romanshorn brauche ein Hotel im guten Drei-Sterne-Bereich. Und weil es in der Kurve gebaut würde, bliebe der attraktivere Teil des früheren Güterschuppenareals für andere Nutzungen erhalten. Ausserdem wäre «ein mutiger neuer Akzent für die Hafenskyline eine Bereicherung».

Hermann Hess habe mit der Hafenplattform, dem Hafenrestaurant und der Werft hinreichend bewiesen, dass seine Ideen Hand und Fuss haben. Und auch, dass ihm an einer nachhaltigen Entwicklung am Romanshorner Hafen gelegen sei, sagt Gül. Es gelte indessen zu achten, dass das Land zu einem marktgerechten Preis verkauft werde. «Es darf nicht sein, dass Hess die Zusage gemacht wird, dass bei einem allfälligen Hotelbau auf dem restlichen Gelände nicht mehr gebaut werden darf» (siehe Zweittext).

Die CVP schweigt – noch

Gerda Buhl, die Präsidentin der CVP Romanshorn, gibt noch kein Statement ab. «Bis jetzt ist nur die Stossrichtung bekannt, die Rahmenbedingungen und die Details fehlen. Eine fundierte, in der Partei abgestützte Aussage lässt sich deshalb aktuell nicht machen.» Buhl gibt zu bedenken, dass es der Stadt gelungen sei, das attraktive Land direkt am Hafen in ihren Besitz zu bringen. «Wer würde es gleich wieder verkaufen und nicht für kommende Generationen sichern?» In Romanshorn seien für ein Hotel verschiedene Standorte denkbar. Aber es gebe nur ein Güterschuppenareal, das «meiner Meinung nach im Besitz der Stadt bleiben soll».

Die FDP Romanshorn begrüsst, dass Bewegung in die Hotelfrage kommt. Präsident Arno Germann sagt, ein grosser Teil der Bevölkerung wünsche sich, dass in absehbarer Zeit ein Hotel gebaut würde. Die Ortspartei hiesse es gut, dass der Stadtrat ernsthaft konkrete Vorhaben prüfe.

Aus liberaler Sicht wäre es zwar wünschenswert, dass ein offener Investorenwettbewerb stattfände. «Andererseits ist Hermann Hess ein erfolgreicher Investor bei der Bodensee-Schifffahrt, der Werft, der Hafenplattform und dem Hafenrestaurant.» Auch ein Hotel wäre unter seiner Federführung wohl erfolgreich. «Ob andere in Romanshorn unbekannte Investoren überhaupt existieren und diese Erwartung erfüllen, muss offenbleiben.» Keine Option sei für die FDP, dass ein Projekt ohne Investor durch die Stadt realisiert würde, sagt Germann.

Die Stimmung spüren

Die SVP-Präsidentin Monika Eugster bekundet grundsätzliches Interesse an einem Hotelprojekt. Die Ortspartei wünsche sich, dass die Hafenpromenade für touristische Zwecke genutzt würde. Mit einer raschen Abstimmung könnten nicht nur unnötige Planungskosten verhindert werden, sondern sie zeige auch das Stimmungsbild in der Bevölkerung auf.

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