Hotel: Parteien sind sich uneins

ROMANSHORN. Trotz weiterer Interessenten befürworten SVP und SP die geplante Abtretung eines Teils der Hafenpromenade an die Hess Investment zum Bau eines Hotels. Die CVP würde sich «mehr Fakten» wünschen, die FDP einen Wettbewerb.

Markus Schoch
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So stellt sich die Hess Investment das Hotel am Hafen vor. (Bild: pd)

So stellt sich die Hess Investment das Hotel am Hafen vor. (Bild: pd)

Die Ausgangslage hat sich geändert. Entgegen den Erwartungen von Stadtpräsident David H. Bon sind auch andere Firmen als die Hess Investment AG aus Amriswil interessiert am Bau eines Hotels am Romanshorner Hafen. An einem Investorenwettbewerb würde sich die Implenia und die Steiner AG beteiligen, wie Recherchen der Thurgauer Zeitung ergeben haben.

Die SVP sieht aber keinen Grund für einen Kurswechsel. «Der Vorstand steht einstimmig hinter dem Vorgehen des Stadtrates, keinen Wettbewerb für ein Hotel auf dem Areal des ehemaligen Güterschuppens auszuschreiben», teilt die Partei auf Anfrage mit. Ein Wettbewerb würde nach Meinung der SVP ein Hotelprojekt nur auf unabsehbare Zeit verzögern. Die Partei erwartet aber, dass der Romanshorner Stadtrat Marktkonditionen bei den Verhandlungen mit FDP-Nationalrat Hermann Hess spielen lässt «und keine unangebrachten Geschenke macht». Beim Hafenareal handle es sich um das Filetstück von Romanshorn, ruft die SVP in Erinnerung.

SVP: Hess hat Vertrauen verdient

Das Beispiel des Neubaus beim «Bodan» habe gezeigt, dass Generalunternehmer nicht unbedingt an der Entwicklung von Romanshorn interessiert seien, begründet der SVP-Vorstand seinen Entscheid. Denn seit der Volksabstimmung habe die Eigentümerschaft von einer Generalunternehmung schon in die Hände einer Versicherung gewechselt. «Generalunternehmer, welche nun über die Presse ihr Interesse an Romanshorn bekunden, gleichzeitig aber keine Ahnung von der Stadt haben, erwecken eher den Eindruck, kurzfristig einen schönen Gewinn mit einem Investitionsobjekt erzielen zu wollen.» Dies sei zwar legitim, aber nicht das, was Romanshorn benötige. Der Amriswiler Investor und Thurgauer des Jahres 2015, Hermann Hess, habe zur Genüge bewiesen, dass er an einer langfristigen und nachhaltigen Entwicklung des Oberthurgaus interessiert sei. «Hess hat etwa das Kulturforum in Amriswil aufgebaut, das Amriville zum grössten Einkaufszentrum im Oberthurgau gemacht und in Romanshorn mit der Rettung der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS), mit der Sanierung der Werft und mit der Neugestaltung des alten Postgebäudes und der Hafenplattform bewiesen, dass er Romanshorn vorwärts bringen will.»

Wenn ein Hotelprojekt an dieser Lage wirklich funktionieren soll, dann traut es der Vorstand der SVP Romanshorn am ehesten Hess zu – immerhin habe er schon ein Hotelprojekt im Säuliamt erfolgreich realisiert.

SP: Hess verlässlicher Investor

Die gleiche Haltung wie die SVP vertritt der Vorstand der SP. «Grundsätzlich befürworten wir nach wie vor das Vorgehen des Stadtrates, der ein Stück der Hafenpromenade der Hess Investment AG überlassen will», sagt Parteipräsidentin Aliye Gül. Hermann Hess habe gerade in Romanshorn als Mehrheitsaktionär der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS) wiederholt bewiesen, dass er ein verlässlicher Investor sei. Und überdies ein Investor, der Erfahrung im Hotelbau mitbringe. Zudem seien sowohl Hess selber als auch sein Unternehmen in der Region verankert, betont Gül. Dass auch andere Firmen ihre Interesse am Bau eines Hotels am Hafen angemeldet haben, sei «irrelevant».

Im Vorstand seien aber nicht alle gleicher Meinung, räumt Gül ein. Einer Minderheit gehe alles viel zu schnell. Die betreffenden Mitglieder würde gerne wissen, wie die Stimmung in der Basis ist, bevor sich die Partei in der Öffentlichkeit zur Situation äussert. Zumal noch nichts über die Details bekannt sei.

CVP: Beurteilung nicht möglich

Genau deswegen tut sich auch die CVP weiter mit einer Beurteilung des Sachverhalts schwer. «Bis jetzt ist nur die Stossrichtung bekannt, die Rahmenbedingungen und Einzelheiten fehlen», sagt Parteipräsidentin Gerda Buhl. Die CVP würde sich wünschen, dass der Stadtrat «endlich alle Fakten auf den Tisch legt». Also über die genauen Absichten informiert, eine Auslegeordnung möglicher Investoren macht, Ausschreibungs- und Verfahrensfragen beantwortet und Auskunft darüber gibt, ob das Land verkauft oder im Baurecht abgegeben wird – nach Meinung von Buhl der zentrale Punkt. So lange diese Entscheidungsgrundlagen nicht vorliegen würden, lasse sich eine fundierte, in der Partei abgestützte Aussage nicht machen. Nach wie vor Gültigkeit habe, was die CVP bereits Ende des letzten Jahres festgehalten habe: Das Land an bester Lage auf der Hafenpromenade gehöre der Stadt erst seit kurzem. «Wer würde es nun gleich wieder weiterverkaufen und den Besitzstand nicht für die kommenden Generationen sichern?», fragt Buhl rhetorisch. Für ein Hotel gebe es verschiedene mögliche Standorte in Romanshorn. «Wir haben aber nur ein Güterschuppenareal, welches meiner Meinung nach im Besitz der Stadt bleiben soll.»

FDP: Wettbewerb prüfen

Die FDP hat von Anfang an einen Investorenwettbewerb für wünschenswert gehalten. Jetzt mit mehreren Bewerbern müsse diese Variante ernsthaft geprüft werden, meint Parteipräsident Arno Germann. Voraussetzung sei allerdings, dass es den anderen Interessenten ernst sei und es sich um seriöse Unternehmen handle.

Bei Hermann Hess wisse man, woran man sei, sagt Germann. «Er ist ein erfolgreicher Investor. Es sei daher zu erwarten, dass auch ein Hotel unter der Federführung von ihm erfolgreich sein wird.»

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