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HORN: Es ist eine andere Art, Geschichten zu erzählen

Im Auftrag des Hilfswerks Médecins Sans Frontières hat Sandro Hagen ein Kinderspital im Niger besucht. Seine Reise hat er zeichnerisch in einem Comic festgehalten.
Perrine Woodtli

Sandro Hagens Leidenschaft sind Comics. Vor allem Superhelden haben es dem Horner schon früh angetan. Nach der Schule ging es für ihn und seine Freunde jeweils zum Kiosk, um Comics zu kaufen. «Das war unser Ritual», sagt der 36-Jährige. Er liest aber nicht nur Comics, sondern ist auch ein begeisterter Zeichner. Im Kindergarten machte sich Hagen wegen seines Papierverschleisses unbeliebt. «Ich zeichnete einfach ständig und brauchte viel Papier», erinnert er sich. «Meine Kindergärtnerin fand das nicht so toll. Ich erhielt deshalb fortan nur noch drei Blätter pro Tag.»

Die Begeisterung für Comics ist bis heute geblieben. Der Grafiker, der in Steinach aufgewachsen ist, zeichnet hauptsächlich für sich selber. Ende vergangenen Jahres aber erhielt Hagen eine einmalige Chance. Er begleitete das Hilfswerk Médecins Sans Frontières (MSF) in ein Kinderspital im westafrikanischen Niger. Seine Eindrücke hielt er zeichnerisch fest. Eingeladen wurde Hagen von MSF, weil ein Bekannter ihn empfohlen hatte. «Mein Umfeld reagierte gemischt. Die einen fanden, dass die Reise viel zu gefährlich sei. Andere, dass ich die Chance ergreifen muss.»

Kinder werden in Plastikkübeln gewogen

Im November trat Hagen seine einwöchige Reise in eines der ärmsten Länder der Welt an. Im Niger galten strenge Sicherheitsvorschriften. So durfte man nur zu zweit raus und nur im Auto unterwegs sein. «Das war eine spezielle Situation. Aber ich gewöhnte mich daran», sagt Hagen. Gewöhnen musste er sich auch die Situation im Kinderspital in Magaria, das an der Grenze zu Nigeria liegt. Oft brachten Eltern ihre Kinder erst spät in das Spital und der Zustand der Kinder war schlecht. Wenn er nicht mehr nachkam mit zeichnen, fotografierte er die Szenen, um sie später auf Papier zu bringen.

Während der Reise fertigte Hagen zahlreiche Bleistiftskizzen an. Zu Hause zeichnete er den Comic fertig. Obwohl er sich vor der Reise doch ein paar Gedanken gemacht hatte, habe er nie ein schlechtes Gefühl im Niger gehabt. Die Einheimischen seien alle freundlich und neugierig gewesen: «Sie schauten meine Zeichnungen an und verglichen sich mit den Bildern.» Am letzten Tag gab es im Spital ein Fest. «Es gab Musik und alle haben getanzt. Sogar ich.» Ein Bild hat sich Hagen besonders eingeprägt. Im Spital wurden die Kinder in Plastikkübeln gewogen.

Hagens grösste Sorge war, dass er keine Geschichten finden würde, die er erzählen kann. «Ich hatte so etwas ja noch nie gemacht und war unsicher, ob ich der Richtige dafür bin.» Diese Sorgen waren schnell verflogen.

Beim Zeichnen die Zeit vergessen

Seinen Skizzenblock hatte Hagen nicht bloss im Niger dabei. Auch sonst ist das Heft stets in seiner Tasche. «Egal ob in den Ferien, zu Hause oder beim Warten auf den Bus. Wenn mir etwas auffällt, zeichne ich es.» Oft seien es Alltagssituationen. Hagen zeichnet ausschliesslich schwarz-weiss. «Wieso, habe ich mir noch nie genau überlegt. Vielleicht habe ich Angst, mit Farbe alles zu verpfuschen.» Am Comic gefalle ihm, dass es sich um einen Mix aus Text und Zeichnungen handelt. «Ein Comic ist eine andere Art, eine Geschichte zu erzählen.».

Seine Comics zeichnet er grösstenteils am Wochenende, da er als Grafiker bereits täglich zeichnet. «Nach einem Arbeitstag muss ich etwas Anderes machen. Einfach nichts Kreatives.» Wenn er zu Hause zeichnet, dann meistens die ganze Nacht. «Ich vergesse immer die Zeit. Ich beginne am Abend und merke plötzlich, dass es hell wird.»

Inspiration findet Hagen unter anderem in anderen Comics. Zuhause hat er eine ganze Kiste davon. Superhelden mag er immer noch, aber auch politische Comics interessieren ihn. Obwohl er in erster Linie für sich selber zeichnet, würde Hagen künftig gerne weitere Aufträge annehmen. Der Niger sei ein eher unbekanntes Land, worüber nur wenig berichtet werde, sagt Hagen. «Es war eine spannende und eindrückliche Erfahrung, dorthin zu gehen, und in meinem Comic davon zu erzählen.» Eine solche Reise würde er, ohne Überlegen zu müssen, wieder machen. Nordkorea würde ihn interessieren.

Perrine Woodtli

arbon@thurgauerzeitung.ch

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