HORN: «Das war psychisch belastend»

Tiefe Steuern, gute Infrastruktur, schöne Seelage – Horn gilt als eine der attraktivsten Wohngemeinden. Dieses Jahr gaben im Dorf aber der Ex-Feuerwehrkommandant sowie Reibungen mit der Schulgemeinde zu reden.

Jolanda Riedener
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Vor zehn Jahren wurde Thomas Fehr von den Horner Bürgern gewählt. (Bild: Jolanda Riedener)

Vor zehn Jahren wurde Thomas Fehr von den Horner Bürgern gewählt. (Bild: Jolanda Riedener)

Jolanda Riedener

arbon@thurgauerzeitung.ch

Dieses Jahr blickt Thomas Fehr bereits auf zehn Jahre im Amt als Gemeindepräsident zurück. Er habe auch weiterhin Lust, der Gemeinde Horn als Präsident vorzustehen, sagt der 55-Jährige. Wie lange er das Amt im 20-Prozent-Pensum noch ausführen wird, hängt aber auch von seinem Arbeitgeber ab.

Thomas Fehr, die «Weltwoche» hat Horn kürzlich zur attraktivsten Gemeinde im Kanton Thurgau gekürt.

Rankings sagen mir nicht viel. Auch wenn wir auf dem letzten Platz stünden, wäre das den Hornern egal. Aber Horn hat natürlich eine top Wohnlage mit viel Grün rundherum, ist verkehrsmässig gut erschlossen und verfügt über eine gute Infrastruktur. Auch steuertechnisch sind wir gut aufgestellt.

Welche Projekte stehen aktuell in der Gemeinde an?

Dem Betriebs- und Gestaltungskonzept zur Umgestaltung der Seestrasse, wo dem Langsamverkehr mehr Beachtung geschenkt wird, haben die Bürger im Mai zugestimmt. Diesen Monat können wir mit der Neugestaltung des Zentrums im Bereich Kirchstrasse starten. Bei der Sanierung des Hornbachs sind wir in den Schlussverhandlungen mit den SBB, von denen eine letzte Einsprache hängig ist. Weiter steht die Überarbeitung des Zonenplans an. Bei der Überbauung Reutiwiesen in Horn West ist die zweite Bauetappe gestartet, beim Ziegelhof Süd wurde der Gestaltungsplan genehmigt. Auch auf der gegenüberliegenden Seite stehen Veränderungen bevor. Der Boden des ehemaligen Raduner-Areals ist fertig saniert. Alles in allem wurden viele Projekte aufgegleist, die gut laufen.

Wie steht es um das Gewerbe, gibt es noch genug Einkaufsmöglichkeiten im Dorf?

Wir haben einen Volg mit grosszügigen Öffnungszeiten von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr. Es gibt noch eine Bäckerei. Auch ein neuer Coop hat in Horn West eröffnet sowie eine Apotheke. Ihren Tagesbedarf können die Horner also gut decken.

Die Gewerbler wünschen sich günstige und nahe Parkplätze für ihre Kunden.

Auch mit der Neugestaltung bleiben Parkplätze an der Seestrasse erhalten. Vor der Bäckerei, beim Volg sowie beim Rathaus hat es Parkplätze. Dass man halt auch einmal fünf Meter gehen muss, ist unumgänglich.

Seit 2007 sind Sie nun Gemeindepräsident von Horn. Wie haben Sie die vergangenen zehn Jahre erlebt?

Es waren interessante und intensive Jahre. Viele wegweisende Projekte wurden aufgegleist von einem Gemeinderat, der sich aus vielen langjährigen Mitgliedern zusammensetzt. Vieles funktioniert auch dank der Verwaltung so gut und reibungslos.

Ihre Legislatur dauert noch bis 2019. Wollen Sie danach weitermachen?

Das hängt stark von meinem Arbeitgeber Bioforce ab und ob sich in meinem Job etwas verändert – das hat erste Priorität. Wenn es nicht mehr drinliegt, müsste ich das Amt abgeben.

Horn wächst nicht nur baulich, sondern zählt auch immer mehr Einwohner.

Wir stehen bei rund 2600 und werden voraussichtlich nach dem Abschluss der Überbauungen Horn West die 3000-Einwohner-Grenze knacken. Das dauert aber definitiv noch einige Zeit.

An der Olma tritt Horn dieses Jahr als «das unbeugsame Dorf am Bodensee» auf. Was hat es damit auf sich?

Dieser Slogan hat mit unserer Lage als Exklave zu tun. Natürlich fühlen wir uns nicht wie die Gallier aus dem Comic Asterix und Obelix von St. Gallen umzingelt.

Tiefe Steuern, tolle Wohn­lage, zahlreiche Bauprojekte, die rund laufen – wo drückt der Schuh in Horn?

Es ist oft ein Thema, dass die Zusammenarbeit zwischen der Schul- und der Politischen Gemeinde nicht optimal läuft. Das wird von der Bevölkerung teilweise so wahrgenommen. Wir sind aber im Gespräch.

Seit 1. September ist Vera Tettamanti neue Gemeinderätin. Sie hat vor den Wahlen gesagt, sie wolle sich für die Kommunikation zwischen den Behörden einsetzen.

Wenn durch neue Besetzungen in den Behörden Bedarf da ist, die Zusammenarbeit neu zu gestalten, kann ich mir das durchaus vorstellen.

Ist die Einheitsgemeinde eine Option?

War bisher von beiden Seiten kein Thema, aber das könnte man durchaus aufnehmen. Der Anstoss müsste aber vom Umfeld der Ortsparteien, der breiten Bevölkerung oder von der Schule kommen, da es sonst nach Zwängerei des Gemeinderats aussieht. Die Politische Gemeinde hatte nämlich einen solchen Anstoss bereits vor zehn Jahren einmal gemacht. Die Schulgemeinde hatte abgelehnt mit der Begründung, dass damals zu wenig Synergien vorhanden waren.

National in den Schlagzeilen war Horn, weil der ehemalige Feuerwehrkommandant sich unrechtmässig bereichert hat.

Das war psychisch extrem belastend für den Gemeinderat. Solche Vorfälle fordern alles ab. Ich habe viele Rückmeldungen bekommen von Leuten, die sagten, wir hätten die Sache richtig gemacht.