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HOHENTANNEN: Plädoyer für lokales Handeln

Das 1. Europäische Forum Gemeindepower setzte am Wochenende innovative Kräfte frei. Die 14 teilnehmenden Gemeinden aus fünf Ländern zeigten, dass es gemeinsam besser geht.
Christof Rösch, Gemeindepräsident von Hohentannen, spricht zu den Veranstaltungsbesuchern. (Bild: Christof Lampart)

Christof Rösch, Gemeindepräsident von Hohentannen, spricht zu den Veranstaltungsbesuchern. (Bild: Christof Lampart)

Als am frühen Samstagabend das letzte Referat gehalten, die letzte Reflexion vollzogen und die letzte Ideenpräsentation abgeschlossen war, konnte Hohentannens Gemeindepräsident Christof Rösch ein positives Fazit ziehen: «Die Gäste waren begeistert, wir als Gastgeber auch. Wenn wir die nötigen Sponsoren finden, so denke ich schon, dass wir eine zweite Auflage erleben werden.» Was Rösch besonders freute, war der Umstand, dass die Familien im Dorf solidarisch gewesen waren und bei der Unterbringung der Gäste bereitwillig mitgemacht hatten. Fürwahr stiess die zweitägige Veranstaltung auf ein grosses Interesse.

Rund 100 Personen besuchten das Forum, das am Sams­tagvormittag von der baden-württembergischen Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch mit einem Ausblick auf die Zukunft des ländlichen Raumes so richtig lanciert wurde. Gurr-Hirsch erklärte, dass Gemeindepower als Plattform ein «Reaktor fürs Zukunftsschaffen im ländlichen Raum» sein könne. «Aus diesem Forum kann viel entstehen», sagte die Staatssekretärin. Hohentannen sei das beste Beispiel dafür, dass eine Gemeinschaft aus einer Überschuldungssituation in relativ kurzer Zeit einen Wohlstand für alle schaffen könne. Auch in ihrem Bundesland werde vieles durch ehrenamtliche Bürgerinitiativen geschaffen. «Man muss lokal handeln, um lokale Probleme zu lösen. Man kann zwar global grosse Konferenzen machen, aber letztlich wird jedes Problem in den Kommunen gelöst», erklärte Gurr-Hirsch.

Von den Initiativen profitiert die Allgemeinheit

Es herrschte eine Aufbruchstimmung. Wer eine Idee realisiert hatte, präsentierte sie freudvoll den anderen Gästen. Egal, ob Zukunftscafé, kinderfreundliches Dorf, lokale Tauschwährung, Mobilitäts- oder Wohnkonzepte – die Aspekte waren zahlreich. Nicht Überfluss, sondern das nackte Überleben bildete bei vielen die Ausgangslage. Mal hatte der letzte Dorfladen geschlossen, mal war die Bevölkerung überaltert, das Bauland knapp oder lag das Kulturleben brach. Gemeinsam war allen Gemeinden, dass sie handelten und nicht haderten. «Mit der Einführung von Gutscheinen, die nur im Dorf gül­tig sind, konnten wir das Ge­werbe ankurbeln und einen Umsatz erzielen, der dem Lohn von vier bis fünf Arbeitsstellen entspricht», berichtete der Bürgermeister der Vorarlberger Gemeinde Langenegg, Kurt Krottenhammer, stolz.

Auch einige 100 Kilometer weiter nordwestlich, im Hinterland von Aachen, hatte der Geschichtslehrer Heinz Frey nach dem Rückzug des letzten Ladens aus dem Dorf die Initiative ergriffen und «Dorv» gegründet: die «Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung». «Wir kombinierten im gleichen Gebäude eine gute Fleischtheke mit der Herausgabe der KFZ-Kennzeichen. Mittlerweile haben wir auch wieder einen Arzt und andere Angebote», erzählte Frey. Für die Gastgeber fand er anerkennende Worte: «Was ihr hier auf die Beine gestellt habt, verdient allergrösste Hochachtung.»

Christof Lampart

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

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