HOHENTANNEN: Christof Rösch orientiert sich neu

Überraschend gibt der Gemeindepräsident seinen Rücktritt bekannt. Er wird sein Teilzeitamt per 31. Mai 2018 niederlegen und begründet das mit beruflichen Veränderungen.

Rita Kohn
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Christof Rösch wird die Gemeinde Hohentannen verlassen. (Bild: PD)

Christof Rösch wird die Gemeinde Hohentannen verlassen. (Bild: PD)

Rita Kohn

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thurgauerzeitung.ch

Es kommt völlig unerwartet: Per Flugblatt hat Gemeindepräsident Christof Rösch die Bevölkerung von Hohentannen über seinen vorzeitigen Rücktritt informiert. «Es sind berufliche Gründe, die mich zu diesem Schritt bewogen haben», betont er. Ursprünglich war er davon ausgegangen, die Amtsperiode fertig zu machen, 2019 aber nicht mehr zur Wahl anzutreten. «Nun hat sich aber eine interessante berufliche Chance ergeben, die ich nutzen möchte.» Bis zu seinem Rücktritt wird Christof Rösch immerhin eine zwölfjährige Amtszeit hinter sich haben.

Verbunden mit der beruflichen Veränderung ist auch ein Wegzug aus der Gemeinde Hohentannen. Ob er in der Region bleibt, weiss Christof Rösch noch nicht. Aber klar ist: «Ich werde mein Wissen und meine Kreativität den Gemeinden weiterhin zur Verfügung stellen, wenn das notwendig oder gewünscht ist.»

In den zwölf Jahren viel erreicht

Auf seine bisherige Amtszeit blickt Christof Rösch nicht ohne Stolz zurück. In seinem Schreiben an die Bevölkerung hält Rösch fest: «Für mich als politischen Quereinsteiger war das Amt des Gemeindepräsidenten im Jahr 2007 ein Sprung ins kalte Wasser. In ein Wasser, in dem ich mich zunehmend wohl fühlte, weil ich Menschen um mich hatte, die meine manchmal unkonventionellen Ideen nicht nur mittrugen. Sie liessen sich davon anstecken und waren bei deren Umsetzung mit Tat und Rat dabei. Es erfüllt mich mit Freude, Stolz und nicht zuletzt mit Dankbarkeit, wenn ich die Liste des Erreichten anschaue.»

Obwohl beim Start als eigenständige Gemeinde viele Hohentannen ein baldiges Scheitern voraussagten, ist die Kleingemeinde (620 Einwohner) bis heute selbstständig geblieben. «Es geht Hohentannen gut. Wir haben mittlerweile genug Geld», sagt Christof Rösch. Als er sein Amt angetreten hatte, wies Hohentannen eine hohe Pro-Kopf-Verschuldung auf. Er habe sich dafür stark gemacht, dass das Geld erst ausgegeben werde, wenn es verdient sei, schreibt Rösch. «Dafür habe ich mich stark gemacht.» Bereits viermal konnte Hohentannen in den letzten Jahren den Steuerfuss senken. Aber Christof Rösch möchte sich nicht mit fremden Federn schmücken: «Dass die politische Gemeinde heute schuldenfrei dasteht, ist – ich gebe es zu – auch nicht beeinflussbaren Umständen wie Zuzügern und sehr tiefen Sozialkosten zu verdanken.»

Die finanziell gesunde und von der Bevölkerung her homogene Gemeinde brauche nun eine Führungspersönlichkeit, die sich gerne mit Verwaltungsaufgaben befasst. «Das ist weniger meins», gesteht Christof Rösch. Er sei ein kreativer Mensch, der Ideen umsetzen wolle. Das konnte der Gemeindepräsident in den vergangenen zwölf Jahren auch unter Beweis stellen. Vor allem im Bereich Energie hat sich Hohentannen und Röschs Führung zu einem Musterbeispiel entwickelt. Heute hat jedes achte Haus eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach, und jedes zweite Haus ist dem Wärmeverbund angeschlossen. «Nicht umsonst haben wir für unsere Bemühungen im Bereich Energie vier Preise und Auszeichnungen erhalten», schreibt Rösch im Flugblatt.

Rückblickend auf seine bisherige Amtszeit bleibt für Christof Rösch ein Wermutstropfen: «Dass sich im Fall des Restaurants Hirschen in meiner Amtszeit keine allseits annehmbare Lösung finden liess, bedaure ich.»

Er geht mit einem guten Gewissen

«Ich gehe mit gutem Gewissen», sagt Christof Rösch. Sein Wissen, das er sich nicht nur in seinem mit 40 Stellenprozent dotierten Amt als Gemeindepräsident, sondern auch in der 10-Prozent-Anstellung in verschiedenen Verwaltungsbereichen erworben hat, bleibe zum Teil bestehen. «Die Verwaltung ist mittlerweile sehr gut aufgestellt.» Die Mitarbeiter seien in der Lage, vieles selbstständig zu erledigen.

Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Christof Rösch wird nicht einfach sein. Das Amt in Hohentannen ist mit den 40 Prozent nur ein Nebenamt. «Da braucht es fast schon jemanden, der selbstständig ist und seine Zeit frei einteilen kann», bestätigt der Gemeindepräsident. Es stünden im Verlaufe der Woche immer wieder Termine und Sitzungen an. «Das macht kaum ein Arbeitgeber mit, wenn der Angestellte immer wieder weg muss.» Der neue Präsident könne sich aber auf eine Gemeinde mit einer sehr innovativen und offenen Bevölkerung freuen. «Sie lässt sich mitreissen und ist bereit, auch ungewöhnliche Wege zu gehen.»

Der Kanton hat bereits auf das Demissionsgesuch von Christof Rösch reagiert. «Regierungsrat Walter Schönholzer hat dieses per 31. Mai 2018 angenommen», heisst es im Flugblatt. Der Termin für die Ersatzwahl werde demnächst festgesetzt.