Hoffen auf resistente Obstsorten

In Engishofen bieten Magdalena und Kurt Engeli Äpfel an, die garantiert keine Streptomycin-Rückstände aufweisen. Im Interview erklären Engelis, warum sie trotz Feuerbrand auf den Einsatz des Antibiotikums verzichtet haben.

Drucken
Nehmen Feuerbrand in Kauf: Magdalena und Kurt Engeli. (Bild: Heinrich Schlegel)

Nehmen Feuerbrand in Kauf: Magdalena und Kurt Engeli. (Bild: Heinrich Schlegel)

Im Thurgau mussten vier Tonnen Honig vernichtet werden. Als auch noch an Äpfeln Rückstände von Streptomycin nachgewiesen werden konnten, wurden die Konsumenten unruhig. Sie aber bieten in Ihrem Hofladen antibiotikafreies Obst an. Warum haben Sie Ihre Obstbäume nicht mit Streptomycin behandelt?

Kurt Engeli: Der erste Grund lag darin, dass in unmittelbarer Nähe zu unserer Obstanlage, am oberen und unteren Rand, je ein bewohntes Einfamilienhaus mit Garten steht. In einem solchen Fall ist für das Spritzen von Streptomycin ein Mindestabstand vorgeschrieben. Wir hätten also gar nicht die ganze Anlage behandeln können. Zweitens wussten wir: Wird Streptomycin während der Blütezeit gespritzt, weist der Blütenhonig notgedrungen Rückstände auf. Wir wollten auf die Bienenhalter Rücksicht nehmen. Denn ohne die Bestäubung der Blüten durch Bienen würde der Obstertrag merklich kleiner ausfallen.

Magdalena Engeli: Wir sind auch der Überzeugung, dass Antibiotika-Einsatz nicht unbedenklich ist für Natur und Mensch. Was für Auswirkungen ein solcher Einsatz auf Menschen und Tiere hat, ist nicht erforscht. Nicht umsonst haben die Behörden lange gezögert, den Einsatz zu erlauben. Vor allem aber wollten wir auch Rücksicht nehmen auf die Kunden unseres Hofladens. Denn wir wollen ab Hof nur ökologisch einwandfreie Produkte anbieten. Zu diesem Grundsatz stehen wir.

Ist nun wegen des Verzichts auf Streptomycin in Ihrer Obstanlage Feuerbrand aufgetreten?

Kurt Engeli: Ja, wir haben Feuerbrandbefall gehabt und mussten in vielen zusätzlichen Arbeitsstunden alle Bäume genau kontrollieren und befallene Zweige herunterreissen. Es ist aber gar nicht sicher, ob das Spritzen den Befall wirklich verhindert hätte. Er ist im unteren Teil der Anlage aufgetreten, wo wir wegen des erwähnten Mindestabstandes gar nicht hätten spritzen dürfen. In diesem Teil der Anlage haben wir auch häufiger Frostschäden, und die Blüte tritt dort etwas später ein. Zudem kann niemand garantieren, dass eine solche Antibiotika-Behandlung den Befall mit Feuerbrand zuverlässig verhindert. Das wurde im Laufe der Diskussionen um die Bekämpfungsmethode ja auch gesagt.

Magdalena Engeli: Aus Erfahrungen mit Antibiotika im Gesundheitswesen kennt man das Phänomen der Resistenz. Dieses Problem könnte auch im Zusammenhang mit der Feuerbrandbekämpfung auftreten. Deshalb muss mit Hochdruck an der Entwicklung von Obstsorten gearbeitet werden, die gegen diese Krankheit resistent sind. Auch müssen die Bedingungen der Übertragung der Krankheit genauer erforscht werden. Wenn jemand herausfindet, wieso die einen Bäume gesund bleiben, während andere, zum Teil unmittelbar daneben stehende, angesteckt werden, wird man das Problem mit geeigneteren Massnahmen lösen können. Bis dahin wollen wir uns mit der zeitaufwendigen minuziösen Kontrolle unserer Obstbäume und dem Abreissen von befallenen Pflanzenteilen behelfen.

Sie sprechen immer vom Abreissen. Darf man befallene Pflanzenteile nicht abschneiden?

Kurt Engeli: Nein, denn mit den Schneidwerkzeugen könnte man die Bakterien verschleppen. Man muss auf gute Hygiene achten. Die abgerissenen befallenen Teile müssen verbrannt werden. Da aber Feuer im Freien verboten sind, steckt man sie gleich in einen Kehrichtsack.

Interview: Heinrich Schlegel