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Höhenangst kennt er nicht

Lukas Baumann ist im ersten Ausbildungsjahr als Polybauer bei Weber Bedachungen. Für diesen Beruf ist es wichtig, schwindelfrei zu sein.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Lukas Baumann hat in seinem Beruf als Polybauer gute Aussichten. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Lukas Baumann hat in seinem Beruf als Polybauer gute Aussichten. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

«Warm ist es heute – sehr warm, um dort oben zu arbeiten», meint Lukas Baumann an diesem sonnigen Herbsttag. Gekonnt klettert der junge Mann über das Baugerüst auf das Dach, zieht die Handschuhe an und trägt einen Ziegel zum Hausfirst. Höhenangst ist für ihn ein Fremdwort. Sein Ausbildungsplatz befindet sich in luftiger Höhe. Der angehende Polybauer – früher Dachdecker genannt – ist im ersten Ausbildungsjahr bei Weber Bedachungen in Amriswil.

Polybauer sind Fachleute der Gebäudehülle. Sie decken Steildächer, dichten Flachdächer ab und realisieren Fassadenbekleidungen, machen Dachunterhalt und Reparaturen, montieren Photovoltaik-Anlagen, stellen Baugerüste auf und montieren Sonnenschutzsysteme.

Die Auszubildenden können zwischen fünf Fachrichtungen wählen: Steildach, Abdichten, Fassaden- und Gerüstbau sowie Sonnenschutzsysteme. Lukas Baumann hat sich für die Fachrichtung Steildach entschieden. Polybauer dieser Fachrichtung sind zuständig für das Decken, Dämmen und Reparieren von Steildächern. Auf dem Dachstuhl erstellen sie ein Unterdach und decken es mit Tonziegeln, Naturschiefer, Blechprofilen oder Faserzementplatten. Sie bauen zudem Dachfenster ein und montieren Blitzableiter, Schneefangvorrichtungen und Sonnenkollektoren.

Höchste Konzentration ist angesagt

«Eigentlich wäre ich gerne Pilot geworden», verrät der 16-Jährige. Ein Studium wäre aber nie in Frage gekommen, viel lieber wollte er etwas Handwerkliches erlernen. «Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, weil ich trotzdem in luftiger Höhe arbeiten möchte», bekennt Lukas Baumann schmunzelnd. Schon als Kind sei er gerne auf Bäume gekraxelt. «In der Kletterhalle in Lenzburg ging ich schon klettern, als ich meine Grosseltern besuchte», erzählt der angehende Polybauer aus Hagenwil.

Zudem ist er Aktivmitglied im Turn- und Sportverein Muolen. Lukas Baumann ist ein Bewegungsmensch – er liebt die Höhe, die Natur und die Abwechslung im zu erlernenden Beruf. Seine Kletterkünste kann er nun auf dem Steildach unter Beweis stellen. Der Auszubildende ist sich jedoch bewusst, dass hoch oben höchste Konzentration angesagt ist. Jeder Schritt muss überlegt sein. Leichtsinn kann zu Unfällen führen oder gar das Leben kosten. Es sei deshalb wichtig, die Baustelle zu sichern. «Wenn kein Baugerüst aufgestellt wird, ist das Tragen des Sicherheitsgurtes Pflicht», weiss der Lernende. Ein Mathe-Genie muss ein Polybauer nicht sein, mathematisches Verständnis und gutes Vorstellungsvermögen seien aber wichtig. «Man muss beispielsweise ausrechnen können, wie viele Ziegel oder Latten auf eine bestimmte Fläche passen», erklärt er.

Teamfähigkeit ist wichtig

Weitere wichtige Voraussetzungen, um den Beruf zu erlernen, seien unter anderem: Schwindelfreiheit, Teamfähigkeit, exakte und speditive Arbeitsweise, gute Konstitution sowie Freude an abwechslungsreicher Tätigkeit im Freien. Anstrengend ist die Arbeit zu jeder Jahreszeit, doch im Sommer ganz speziell. Denn dann ist es auf dem Dach besonders heiss. Zudem müsse unter Zeitdruck gearbeitet werden können – einerseits wollen die Kunden schnell ein ganzes Dach über dem Kopf haben, andererseits soll es nicht reinregnen. Polybauer müssen sich immer wieder auf neue Situationen und Probleme einstellen, denn jedes Dach und jeder Handgriff sind anders.

Lukas Baumann hilft auf den Baustellen: Er unterstützt den gelernten Polybauer beim Eindecken der Steildächer – eine Arbeit, die stets zu zweit ausgeführt wird. Holz-Dachlatten und Ziegel darf er selber zuschneiden und beim Montieren der Latten assistieren. «Meistens sind es Doppelfalz-Ziegel, die wir verwenden», führt er aus.

Der Besuch der Berufsschule in Uzwil ist als Blockunterricht organisiert und findet in der Regel vier mal zwei Wochen pro Jahr statt. «Im September war ich zwei Wochen dort und im Dezember das nächste Mal», sagt Baumann.

Nach der dreijährigen Polybauer-Ausbildung besteht die Möglichkeit, sich zum Gruppenleiter weiterzubilden oder eine verkürzte Zweitausbildung zu machen, bemerkt Lukas Baumann. Wohin der Weg dann führt, weiss er zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht.

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