Hip-Hop ist Höchstleistungssport

Die Amriswiler Aerokids trainieren hart und mit Begeisterung. Als Belohnung dafür winkt nun drei Hip-Hop-Tanzgruppen und einer Solotänzerin die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Polen.

Hannelore Bruderer
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Die Aerokids beim Proben: Zwischen Konzentration und unbändiger Freude an ihren wilden Bewegungen. (Bild: Hannelore Bruderer)

Die Aerokids beim Proben: Zwischen Konzentration und unbändiger Freude an ihren wilden Bewegungen. (Bild: Hannelore Bruderer)

Fetzige Musik dröhnt aus den Lautsprechern. Fünf Kinder in Schlabberhosen und weiten, langen Shirts stampfen an Ort synchron zum schnellen Rhythmus. Dann plötzlich wirbeln sie herum, lassen sich zu Boden fallen, drehen sich, springen auf und stampfen wieder weiter. Der Ausdruck der Gesichter unter den schwarzen Baseballmützen variiert zwischen Konzentration und unbändiger Freude an ihren wilden Bewegungen.

Die Gruppe Moskau der Aerokids trainiert in den Räumlichkeiten ihres Clubs für den Auftritt an den Hip-Hop-Weltmeisterschaften, die von der Internationalen Tanzorganisation (IDO) am 23. September in Kalisz, Polen, ausgetragen werden. Immer wieder feuert Tanzlehrerin Anna Renold die Gruppe an, schickt ihre Energie durch den Raum und motiviert die jungen Tänzer und Tänzerinnen zu Höchstleistungen.

«Die Kinder sollen ihre Emotionen zeigen, ihre Ausstrahlung ist enorm wichtig», sagt sie, «und natürlich muss die Choreographie sitzen.» An der Weltmeisterschaft haben die Teilnehmer nur zwei Minuten Zeit, die Jury von ihrer Qualität zu überzeugen.

Sein Innerstes offenbaren

An ihrer neuen Choreographie arbeitet nicht nur die Gruppe Moskau, denn an den Hip-Hop- Schweizer-Meisterschaften haben sich noch weitere Aerokids-Tänzer die WM-Teilnahme gesichert.

Nebst Solotänzerin Jennifer Renold werden auch das Duo Pulcini und die 12köpfige Formation Pipistrelli in Polen um die Medaillen kämpfen. Während die Gruppe Moskau trainiert, sitzen einige der anderen aufgeregt plappernd und kichernd in der Ecke am Boden. Anna Renold lässt sie gewähren. «Natürlich stört es manchmal, wenn sie zu laut sind. Aber Hip-Hop ist auch laut.

» Viele Kinder seien verschlossen, wenn sie mit tanzen begännen, und würden erst allmählich Selbstbewusstsein entwickeln. Tanzen könne jeder, ist Anna Renold überzeugt, aber es gehe beim Hip-Hop auch darum, seine Gefühle in den Tanz zu stecken und sein Innerstes zu offenbaren.

Die WM-Teilnahme sei Belohnung für das intensive Training, das die Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit leisten. «Tanzen, so wie wir das machen, ist Höchstleistungssport», sagt Renold.

«Die Gruppe trainiert dreimal pro Woche. Einige Kinder sind aber auch in zwei Gruppen dabei und trainieren entsprechend mehr.»

Die Teilnahme am Grossanlass WM ist nur dank der finanziellen Unterstützung von Eltern und Gönnern möglich, denn es werden neue Auftrittskleider benötigt, auch müssen Busfahrt und Übernachtungen bezahlt werden.

Ostschweiz untervertreten

An den nationalen Wettkämpfen sind immer nur wenige Tanzschulen aus der Ostschweiz vertreten. Das sei schade, findet Anna Renold. «Ich weiss, dass es hier viele gute Tanzformationen und Solotänzer gibt, und ich möchte, dass die Ostschweiz dies auch öffentlich zeigt.» Im November veranstaltet der Dance Club Aerokids deshalb den ersten Ostschweizer Dance Contest im Amriswiler Pentorama.

Die engagierte Tanzlehrerin hofft, dass sich viele regionale Talente am Contest anmelden und viele Hip-Hop-Begeisterte den Anlass besuchen werden.

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