«High risk»

kreuzlingen. In seinem Internet-Blog hebt Stadtammann Andreas Netzle manchmal den Moralfinger, nimmt spuckende und saufende Jugendliche aufs Korn oder den Bund, der in der Empfangsstelle gefälligst für Ordnung sorgen solle. Diese Woche aber geht es um mehr. «High risk!», warnt er in Sachen Flat Rate Tax.

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kreuzlingen. In seinem Internet-Blog hebt Stadtammann Andreas Netzle manchmal den Moralfinger, nimmt spuckende und saufende Jugendliche aufs Korn oder den Bund, der in der Empfangsstelle gefälligst für Ordnung sorgen solle. Diese Woche aber geht es um mehr. «High risk!», warnt er in Sachen Flat Rate Tax.

Sollte diese im vorgesehenen Umfang eingeführt werden, fehlten der Stadt schon ab 2010 jährlich 2,3 Mio. Franken. «Das sind 10,5 Prozent des Steueraufkommens!» Auch die Schulen und Kirchen würden auf den entsprechenden Anteil verzichten müssen.

Damit wäre Kreuzlingen nicht allein. In Arbon wären Mindereinnahmen von 6 Steuerprozenten zu erwarten, in Kradolf-Schönenberg gar 12 Prozent. Im kantonalen Durchschnitt wären es 9 Prozent, wie der Verband der Thurgauer Gemeinden errechnet hat.

Wann und in welchem Umfang dieser Ausfall mit steuerstarken Zuzügern kompensiert werden könne, sei völlig offen, mahnt Stadtammann Netzle. Bis dahin bliebe nur, entweder Investitionen zu kürzen, die dann auch dem Gewerbe als Aufträge fehlten, oder die Gemeindesteuern zu erhöhen. «Beides wollen wir nicht.»

Würde Kreuzlingen das «Risiko-Spiel des Kantons» aber mitmachen, müssten laut Netzle 40 neue Einkommensmillionäre her. Mit einem Zückerchen seien sie aber nicht anzulocken. «Denn dazu fehlt uns ja dann das Geld.» Deshalb zeige er jetzt die Konsequenzen auf – in seinem Blog gegenüber der Bevölkerung und demnächst – vertiefter – in einem Brief an die Kreuzlinger Kantonsräte.

Dass noch andere die Sorgen der Thurgauer Gemeinden teilen, dürfte den Kreuzlinger Stadtammann Netzle zurzeit wenig trösten. Aber zumindest die Appenzell-Ausserrhoder machen es vor. Sie verzichten auf eine Flat Rate Tax. Sie sei «sozialpolitisch ungerecht.» (ho)

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