Hier ist Freigeist im Spiel

Die Gebrüder Frei entwickeln seit zwölf Jahren Spiele. Mindestens einmal wöchentlich treffen sie sich zum Gedankenaustausch, obwohl sie heute in Amriswil, Zürich und Bern zu Hause sind. Mit «Icon Poet» haben die drei ihr erstes Spiel für Erwachsene lanciert.

Rita Kohn
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Ueli Frei vom Räuchlisberg hat zusammen mit seinen Brüdern das Spiel «Icon Poet» entwickelt. (Bild: Reto Martin)

Ueli Frei vom Räuchlisberg hat zusammen mit seinen Brüdern das Spiel «Icon Poet» entwickelt. (Bild: Reto Martin)

AMRISWIL. Gespielt haben Ueli, Andreas und Lukas bereits miteinander, als sie noch in Steckborn lebten. Jetzt, 40 Jahre später, spielen sie immer noch gemeinsam. Meist allerdings, um auszutesten, ob das von ihnen entwickelte Spiel tatsächlich funktioniert. Denn Ueli, Andreas und Lukas Frei, in der Spiele-Szene unter dem Namen Gebrüder Frei bekannt, sind Spieleerfinder.

«Es braucht eine Faszination für Spiele und die richtige Mischung von Leuten», sagt Ueli Frei auf die Frage, wie man dazu kommt, ein Spiel zu erfinden. Die richtige Mischung bei den Freis lautet: Einer ist Grafiker, einer Primarlehrer und Illustrator, einer Informatiker und Mathematiker. Letzterer, Ueli Frei, lebt heute auf dem Räuchlisberg in Amriswil. «Ich möchte nirgends anders leben als hier», sagt er.

Konferenz über Skype

Obwohl die Brüder in Zürich und Bern leben, steht Ueli Frei in regelmässigem Kontakt mit ihnen. «Wir sehen uns mindestens einmal wöchentlich.» Geht's nicht anders, nutzen sie die moderne Technik, um zu konferieren: «Wir unterhalten uns oft über Skype.»

Rund ein Jahr dauert es von der Idee bis es beim Verlag landet. Und dann dauert es noch gut zwei Jahre, bis es in den Verkauf kommt. Ueli Frei sprüht vor Begeisterung, wenn er erzählt, wie es ist, sein Spiel in einem Geschäft zu entdecken. Faszinierend sei es, Kinder zu beobachten, die eines der entwickelten Spiele ausprobieren.

Spieleentwickler gibt es weltweit nur etwa 250. «Das ist eine überschaubare Szene», sagt Ueli Frei. Auch für die Verlage. Sie kennen die Schweizer Brüder mittlerweile und rufen sie auch schon mal an, um bei ihnen ein Spiel in Auftrag zu geben. Davon leben könnten die Gebrüder Frei aber nicht.

Spiele für Graubünden

«Wir haben das Glück, dass wir auch andere Spielprojekte verwirklichen können», sagt Ueli Frei. Das heisst, dass sie etwa für Firmen Spiele entwickeln. Gerade sind die Brüder daran, ein Projekt im Kanton Graubünden umzusetzen. «Für Reka haben wir ein Regionenspiel entwickelt.» Eine Familie soll in der Region Ferien machen und sich dabei täglich mit anderen Spielen vergnügen können. «Es wird Spiele geben, die auf Wanderungen zu entdecken sind, und solche, die im Feriendorf selber gespielt werden können.»

Die bisher erschienenen Spiele der Gebrüder Frei haben sich alle an ein sehr junges Publikum gerichtet. Nun ist der «Icon Poet» erschienen – ein Spiel für Erwachsene. «Es ist im Prinzip das erste Spiel, das wir erfunden haben», erzählt Ueli Frei. Damals, als er mit seinen beiden Brüdern in Afrika festsass. «Wir blieben drei Monate in Tansania hängen und hatten Zeit ohne Ende. Stundenlang spielten wir unter dem rauschenden Regen.» Denn die Pisten des Landes waren durch gewaltige Regengüsse überschwemmt. Gespielt wurde um die begehrten Schlafplätze im Dachzelt. Der Verlierer musste die Nacht auf dem Boden überstehen.

Zuerst hiess es «Seemannsgarn»

Als Ueli Frei an Malaria erkrankte, suchten seine beiden Brüder nach einer neuen Spielmöglichkeit. Denn das mitgebrachte Würfelspiel funktioniert nur mit drei Spielern. «Seemannsgarn» entstand. Zunächst für zwei, später für drei Personen. Etliche Jahre blieb die Idee liegen, bevor sie «Icon Poet» wurde.

Die kreative Form des Schreibens, die hinter «Icon Poet» steckt, hat einen NZZ-Redaktor so begeistert, dass er die Spielidee ins NZZ-Folio aufgenommen hat. Mindestens ein Jahr lang wird von den Leserinnen und Lesern nun jeweils nach den monatlich neu vorgegebenen Icons getextet. Spieleentwickler und Redaktion sind von der Flut an Einsendungen überrascht worden.