«Hier grüsst man einfach jeden»

BISCHOFSZELL. Der Verein Rotary-Jugendaustausch ermöglicht Jugendlichen aus aller Welt einen einjährigen Aufenthalt in der Schweiz. Um die Teenager auf die Schule vorzubereiten, finden Sprachlager statt – in Bischofszell zum sechsten Mal.

Luisa Gomringer
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Zu Gast: Gaston Peccoud (Argentinien), Alexandra Kotchoubei (Südafrika), Imogen Jones (Neuseeland) und Bradley Trouchet (Australien). (Bild: Luisa Gomringer)

Zu Gast: Gaston Peccoud (Argentinien), Alexandra Kotchoubei (Südafrika), Imogen Jones (Neuseeland) und Bradley Trouchet (Australien). (Bild: Luisa Gomringer)

Es ist halb zehn, und die Austauschschüler haben sich eine kleine Pause von ihrem Deutschunterricht verdient. 15- bis 18-Jährige aus Argentinien, Australien, Japan, Neuseeland und Südafrika stürzen sich auf den Znüni und freuen sich über eine heisse Schoggi. Einer der 27 Schüler des vom Rotary Club organisierten Sprachcamps hat sich die australische Flagge als Umhang umgebunden, ein anderer malte sie sich auf seine Wangen. Die beiden feiern so den «Australian Day».

Gefallen am kühlen Wetter

Am offiziellen Nationalfeiertag könnte den einen oder anderen Australier schon das Heimweh packen. Doch für Bradley Trouchet trifft das nicht zu. «Ich vermisse zwar meinen Hund und die Familie, aber es ist wirklich toll hier. Ich mag das kühle Wetter und den Schnee», schwärmt der 18-Jährige. Es gab aber auch Dinge, an die er sich zuerst gewöhnen musste: «Es ist vieles sehr teuer in der Schweiz, und die Leute sind reservierter als in meiner Heimat.» Trotzdem könnte er sich gut vorstellen, einmal in der Schweiz zu leben.

Mehr Personal in Südafrika

Die 18jährige Alexandra Kotchoubei, die in Südafrika zu Hause ist, hatte am Anfang noch einige Bedenken. «Meine Eltern meinten, wenn ich in die Schweiz gehe, muss ich jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen, um die Kühe zu melken.» Sie dachte sich aber schon damals, dass dies ein Scherz sein müsse.

Ein grosser Unterschied zu ihrer Heimat ist ihr aber schon aufgefallen: «In der Schweiz muss man vieles selber machen. Zum Beispiel das Abwägen von Früchten und Gemüse im Laden. In Südafrika haben wir für solche Tätigkeiten Personal.» Und auch, dass man hier praktisch jeden grüsst, ist Alexandra neu.

Dem 16jährigen Argentinier Gaston Peccoud gefallen der Wald, der Schnee und das Schulsystem, «das in der Schweiz hervorragend ist». Könnte er etwas ändern, dann würde er sich die argentinischen Fleischpreise auch in der Schweiz wünschen. «Es ist unglaublich, wie viel gutes Fleisch hier kostet», sagt er.

Gute Schokolade und Kühe

Über die Fleischkosten macht sich die 16jährige Imogen Jones aus Neuseeland keine Gedanken. Sie hatte präzise Vorstellungen von der Schweiz: «Ich dachte an gute Schokolade, wunderschöne Landschaften, Skifahren und Kühe.» Als sie hierher kam, war sie erstaunt über die vielen alten Gebäude und Geschichten. «Ich kenne das so nicht aus meiner Heimat – diese vielen historischen Hintergründe.»

Den Austauschschülern von vier Kontinenten bleibt jetzt nur noch wenig Zeit im Bischofszeller Sprachcamp. Nächsten Sonntag geht die Reise mit dem Zug weiter zu den ersten Gastfamilien, die in der ganzen Schweiz wohnen. Es ist geplant, dass die Jugendlichen ein Jahr die Kantonsschule besuchen werden.

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