«Hier entsteht ein Jahrhundertwerk»

Die Drahtseilfabrik Fatzer glaubt an den Standort Romanshorn. Im Industriequartier investiert sie rund 50 Millionen Franken in Neubauten.

Markus Schoch
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Gewerbetreibende beim Rundgang durch die Produktionshallen. (Bild: Markus Schoch)

Gewerbetreibende beim Rundgang durch die Produktionshallen. (Bild: Markus Schoch)

ROMANSHORN. Das Interesse am Betriebsrundgang ist gross. Gegen 50 Mitglieder des örtlichen Gewerbevereins lassen sich am Mittwoch durch die neuen Fabrikhallen im Werk 2 führen, mit deren Bau das Romanshorner Traditionsunternehmen im Frühling des letzten Jahres begonnen hat. «Was hier im Industriequartier entsteht, ist für uns ein Jahrhundertwerk», sagt Michael Hanimann, Leiter der Abteilung Transportseile, der den Besuchern an diesem Abend den Betrieb zeigt. «Alles in allem werden wir am Schluss rund 50 Millionen Franken investiert haben.»

Überall auf der Welt präsent

7500 Tonnen Seile liefere die Firma jährlich durchschnittlich aus, sagt Hanimann. «Wir sind von Australien bis Übersee fast in jedem Land präsent.» Aufstrebende Märkte seien Südamerika, China, Russland und die Türkei.

Die Romanshorner Firma mit ihren aktuell rund 100 Mitarbeitern produziert Seile für die verschiedensten Anwendungen: für Seilbahnen, wo die Fatzer AG weltweit die Nummer 1 ist. Dann auch für Transportbahnen, Winden oder Dachkonstruktionen in Fussballstadien wie dem Maracanã in Rio de Janeiro. Wenn gewünscht, werden sogar Stromkabel oder Lichtwellenleiter in die Seile eingearbeitet.

Immer wieder eine Herausforderung sei der Transport der bis zu 200 Tonnen schweren Rollen, sagt Hanimann. Teilweise werden sie mit ferngesteuerten Lastwagen in die Berge gefahren.

Die Produktion im Industriequartier Hof läuft bereits seit letztem Jahr, unter anderem auf einer 115 Meter langen Rohrverseilungsmaschine. Bereits in Betrieb ist auch eine 110 Meter lange Testanlage mit einer Maximalgeschwindigkeit von fast 65 Stundenkilometern. «Wir haben dank ihr in den letzten Monaten enorm viel gelernt», sagt Hanimann.

Seit Anfang Jahr am Netz ist ausserdem eine der grössten Solaranlagen im Thurgau. Auf den Dächern der Fabrikationshallen sind 1600 Solarmodule installiert, die eine Fläche von 2800 Quadratmetern bedecken.

Gewisse Gebäudeteile stehen weitgehend leer. «Wir sind am Zügeln», erklärt Hanimann den Besuchern. Aufgestellt werden in den nächsten Wochen und Monaten noch Maschinen, die heute an anderen Standorten der Brugg-Gruppe stehen, zu der die Fatzer AG als Spezialist im Bereich Schwerseile seit 1992 gehört.

Weiterer Ausbau geplant

Ein weiterer Ausbauschritt im Werk 2 ist geplant. Denn die Fatzer AG will alle Aktivitäten im Industriequartier konzentrieren und den Standort im Zentrum von Romanshorn in den nächsten Jahren aufgeben. Dort begann die Geschichte der Firma vor über 175 Jahren mit der Herstellung von Hanfseilen. Heute fertigt die Fatzer AG am Stammsitz noch so genannte Litzenseile – der Klassiker der Fatzer-Seilbahnseile.