Hexentribunal im «Dreispitz»

KREUZLINGEN. Am Freitagabend hatte mit «Saga Tenebra» das erste Kreuzlinger Musical Premiere. Der Saal war ausverkauft, und zum Schluss gab es vom Publikum Standing Ovations. Die Veranstalter können zufrieden sein.

Severin Schwendener
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Eine Intrigantin: Anna van Royen möchte das Herz von Thomas van der Borne erobern. Doch dieser ist eigentlich schon vergeben. (Bild: Reto Martin)

Eine Intrigantin: Anna van Royen möchte das Herz von Thomas van der Borne erobern. Doch dieser ist eigentlich schon vergeben. (Bild: Reto Martin)

Mit «Saga Tenebra» feierte am Freitagabend das erste Musical der Stadtharmonie Kreuzlingen im «Dreispitz» Premiere. Die Geschichte von Elisabeth de Grutere, fesselte das Publikum zwei Stunden lang. De Grutere lebt im frühen 17. Jahrhundert mit ihrer Tochter in Belgien und wird von den Dorfbewohnern beschuldigt, der Hexerei verfallen zu sein. Es ist eine Geschichte von Liebe und Intrige und zeitlos aktuell. Auch wenn heute niemand mehr der Hexerei beschuldigt wird, so sind doch die Ränke rund um Liebe, Eifersucht und Macht aus dem Alltag bestens vertraut.

Da ist die Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die Eifersucht einer anderen und ein übermächtiger Vater, der seine eigenen Interessen verfolgen will und im tiefsten Innern auch Gefühle hegt, von denen keiner ahnt. Im Jahr 1600, in welchem das von Bert Appermont geschriebene Musical spielt, geht es um Standesunterschiede, um gottgefälliges Leben. Heutzutage heissen die Stichworte eher Migrationshintergrund und Einkommensklasse, doch die sozialen Mechanismen dahinter sind die gleichen. Entsprechend kann sich jeder mit der Geschichte identifizieren.

Profis auf der Bühne

Umgesetzt wurde die Geschichte mit über 150 Personen unter der Leitung des Dirigenten der Stadtharmonie, Stefan Roth. Mit dem Chor Amazonas und dem Chor der zweiten Klassen der Pädagogischen Maturitätsschule standen zwei Jugendchöre auf der Bühne. Für die Solo-Rollen wurden professionelle Darsteller verpflichtet. Auch die gesamte Tontechnik wurde professionell umgesetzt, was das Budget von über 150 000 Franken erklärt.

«Die Finanzierung war klar eine Herausforderung», sagte Leandra Wirz, die von Regieassistenz über Produktion bis hin zur Finanzierung in unterschiedlichsten Funktionen hinter «Saga Tenebra» stand. «Da mussten wir halt Klinken putzen, um die vielen Inserenten zusammenzubekommen.» Bis zuletzt gezittert habe man wegen der Tickets: 95 Prozent müssen verkauft werden, damit das Musical finanziell keinen Schiffbruch erleidet. Doch diese Sorgen dürften sich verflüchtigt haben, bis auf wenige Tickets sind alle sechs Vorstellungen ausverkauft.

Aufwand unterschätzt

Doch auch sonst bot das erste Musical der Stadtharmonie einige Herausforderungen. «Die ganze Organisation war viel grösser als gedacht», gab Wirz zu. «Wir haben die Zeit etwas unterschätzt.» Entsprechend erleichtert dürften die Verantwortlichen gewesen sein, als die Premiere reibungslos über die Bühne ging und sich das Publikum mit Standing Ovations bedankte. Für einige Gäste war der Abend zudem ein kulinarisches Vergnügen: unter dem Motto «Saga Culinaria» kann man nämlich den Musicalbesuch mit einem Abendessen verbinden.

Versteckt: Das Orchester und der Chor sind hinter der Bühne. (Bild: Reto Martin)

Versteckt: Das Orchester und der Chor sind hinter der Bühne. (Bild: Reto Martin)

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