Hereinspaziert in die Altstadt

ARBON. In Arbon öffneten am Samstag Einwohner der Altstadt ihre Türen. Sie bewirteten die Gäste in ihrer Stube, im Garten oder auf der Dachterrasse. An der Usestuehlete war es für einmal möglich, unerwartete Ein- und Ausblicke zu geniessen.

Barbara Hettich
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In einer der grünen Oasen hinter den Fassaden der Arboner Altstadthäuser: Gastgeberin Annemarie Blatter (2. v. r.) im Gespräch mit ihren Gästen. (Bild: Barbara Hettich)

In einer der grünen Oasen hinter den Fassaden der Arboner Altstadthäuser: Gastgeberin Annemarie Blatter (2. v. r.) im Gespräch mit ihren Gästen. (Bild: Barbara Hettich)

Arbon. Ein grosser Stuhl an der Stadtmauer macht auf ein aussergewöhnliches Ereignis aufmerksam. «Usestuehlete»: Überall dort, wo ein Stuhl vor der Haustür steht, sind an diesem Tag Gäste willkommen. In der Gartenlaube von Mägi Schwalm an der Gerberstrasse 12 herrscht ein emsiges Kommen und Gehen. Die Gastgeberin schenkt Getränke in die selbstgetöpferten Becher. «Es ist schön, dass die Leute kommen», freut sie sich. Einige kennt sie, andere sieht sie zum ersten Mal. Man kommt ins Gespräch, Besucher zeigen sich erstaunt über die etwas andere Ansicht der Altstadt hinter dem Haus – die grosse Scheune, die man von der Gerberstrasse her kaum zur Kenntnis nimmt, sei einst eine Kutscherei gewesen, weiss Mägi Schwalm.

Whisky im Treppenhaus

Nur einige Häuser weiter wird ins Gartenhäuschen oder unter ein Partyzelt im Garten eingeladen. An der Hauptstrasse bewirten Mieter eines Mehrfamilienhauses ihre Gäste im Treppenhaus. Auf einem Tisch haben sie ihre Sammlungen an Single Malt Whiskys aufgestellt, es darf probiert werden. «Das ist unser gemeinsames Hobby», sagt André Mägert, der gerade an der Reihe ist, die Gäste zu bewirten, während seine Nachbarn sich in anderen Häusern der Altstadt umsehen. An der Walhallastrasse vor dem Haus von Eggmanns hat sich eine fröhliche Runde versammelt. Jack Dinner und Franz Mazzi prosten sich zu, erzählen interessierten Zuhörern vom alten Arbon. Darüber wissen sie Bescheid, sie sind vor geschätzten 80 Jahren hier geboren und geniessen es, in den verschiedenen Häusern vorbeizuschauen.

Gäste im Minutentakt

Fast im Minutentakt kommen neue Gäste: «Dürfen wir zu Besuch kommen, sie sehen so sympathisch aus», fragen zwei Frauen etwas schüchtern. «Klar doch», freut sich Verena Gerschwiler Eggmann. Auf der Terrasse hat es noch mehr Platz und gerne führt sie ihre Gäste durch das Altstadthaus.

Gemütlich ist es auch im Garten von Annemarie Blatter und Bruno Feurer an der Weitegasse. Der selbstgebackene Kuchen schmeckt. Zu Besuch ist gerade Ronja Tobler aus Rorschacherberg mit ihrer Mutter, zudem ein älteres Ehepaar das erst kürzlich nach Arbon gezügelt ist. Sie staunen über die grünen Oasen, die sich hinter den Altstadthäusern auftun. Hinter die Fassaden zu schauen sei spannend. «Es kommen sehr viele Gäste auch von auswärts, die meisten habe ich noch nie gesehen», sagt Annemarie Blatter.

Von der Aussicht überrascht

«Wow» ist das erste Wort, das den Besuchern über die Lippen kommt, wenn sie über viele Treppen die Dachterrasse der Mieter an der Kapellgasse 1 erreichen. Die Aussicht über die Dächer der Altstadt ist phantastisch. Vreni Amacher, Mutter eines Hausbewohners, bedient die Gäste. Unter ihnen Eva Maron von der «Wunderbar», eine der Initianten der «Usestuehlete».

Um sich einen Eindruck zu verschaffen, hat sie sich von Haus zu Haus auf den Weg gemacht und ist begeistert, wie gut das Angebot angenommen wird. «Die Sonne und der strahlend blaue Himmel sind natürlich förderlich für die gute Stimmung», sagt sie. Das Ziel der Initianten wurde jedenfalls erreicht, mit dem gleichzeitig stattfindenden Flohmarkt herrscht an diesem Tag viel Leben in der Altstadt, die auch am Abend ihre Fortsetzung findet: mit Live-Musik in den verschiedenen Lokalen.

Eine tolle Gelegenheit

Mitgemacht an der «Usestuehlete» haben auch einige Geschäfte der Altstadt. Vor dem Laden von Blumen Engelhardt laden Rita Läuchli und Daniela Roduner an einen mit Blumen und Muffins beladenen Tisch. «Eine tolle Gelegenheit, uns den Arbonerinnen und Arbonern vorzustellen», sagen sie. Die beiden jungen Frauen aus Horn und Spycher werden den Laden übernehmen und «Das Blumenkind» am 4. Oktober eröffnen.

Hier sind Gäste willkommen.

Hier sind Gäste willkommen.

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