Herbergssuche mit unerwartetem Happy End

KRADOLF. In Form eines Musicals brachten die Sechstklässler von Esther Crespo in Kradolf die Weihnachtsgeschichte auf die Bühne. Angesiedelt war das Geschehen aber nicht vor 2000 Jahren im Heiligen Land, sondern in der heutigen Schweiz.

Gabriella Haubensak
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Mit Herzblut bei der Sache waren die jungen Darsteller. (Bild: Gabriella Haubensak)

Mit Herzblut bei der Sache waren die jungen Darsteller. (Bild: Gabriella Haubensak)

Kurz vor Weihnachten ist der Stammtisch im Restaurant Eisenbahn gut besetzt. Kellner Omar geht pflichtbewusst seiner Arbeit nach und Gastwirt Speck ist zufrieden. Doch Stress ist in dieser Jahreszeit an der Tagesordnung: Nikolausbesuche, Waldweihnacht, Krippenspiele, Musikaufführungen und vieles mehr. Und natürlich spricht man auch über Ausländer und Asylbewerber.

Wenn guter Rat teuer ist

Gastwirt Speck könnte eine Servicehilfe gut gebrauchen. Aber: «Eine Schweizerin sollte es schon sein», findet er. Da wird die hübsche Miranda vorstellig, eine offensichtlich ausgewiesene Fachkraft. Der Wirt bietet der jungen Gastarbeiterin Arbeit und Logis. Am Weihnachtsabend erscheint eine algerische Familie im Lokal, die dringend um eine Unterkunft bittet. Die Mutter ist kurz vor der Niederkunft, aber das Geld für eine Bleibe fehlt. Guter Rat ist teuer, denkt sich auch Speck. Soll er auf einen Kollegen hören, der behauptet, dass das nur ein Trick sei, um billig übernachten zu können? Schliesslich darf die Familie für eine Nacht bei Miranda bleiben. Just in diesen Stunden kommt das Baby zur Welt. Die örtliche Polizei hat inzwischen von den Fremden erfahren und möchte sich vor Ort erkundigen, zumal sich die Familie nicht rechtmässig im Land aufhalten dürfte. Es sieht ganz danach aus, dass sie nach Algerien abgeschoben wird. Bis dann «Radio aktuell» erscheint und die Reportage «Kurz vor dem Heiligen Abend» sendet. Das erweist sich als Glücksfall, denn der Bericht hat für alle Beteiligten positive Auswirkungen: für den Wirt, für Miranda, für die Polizisten und für die ganze Bevölkerung. «Hier spürt man, was Weihnachten bedeutet», stellt die Reporterin fest. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass die Hilfsbereitschaft auch anhält, wenn die Radio-Equipe nicht mehr vor Ort ist.

Engagierte Kinder

Die Mädchen und Buben der 6. Klasse von Esther Crespo hatten sich für die Aufführung mächtig ins Zeug gelegt, Texte gebüffelt, Kostüme besorgt und fünf Lieder einstudiert. Die Freude am Weihnachtsmusical «Der Stammtisch» war jedem anzusehen, zumal sie die Lehrerin schon lange dazu gedrängt hatten, wieder etwas einzustudieren. Dem Publikum gefiel das Stück jedenfalls sehr.