Herbe Abfuhr für die Schützen

Die Bischofszeller Stimmberechtigten haben den Baubeitrag der Stadt für die geplante neue Kurzdistanz-Schiessanlage des Pistolenclubs und der Sportschützen an der Gemeindeversammlung wuchtig abgelehnt.

Urs Bänziger
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Vergangene Zeiten: Schützen in der alten Schiessanlage Breite. (Bild: pd)

Vergangene Zeiten: Schützen in der alten Schiessanlage Breite. (Bild: pd)

BISCHOFSZELL. Trotz der Rosen- und Kulturwoche kamen die Bischofszellerinnen und Bischofszeller am Mittwochabend in Scharen an die Gemeindeversammlung. Es mussten zusätzliche Stühle in der Bitzihalle aufgestellt werden. Nach Beginn der Versammlung wurden 393 Stimmberechtigte gezählt, was einer Beteiligung von 11,7 Prozent entspricht – so viele wie seit Jahren nicht mehr.

Mit dem Applaus nach dem ersten Votum war eigentlich schon klar, wer an diesem Abend mehr Stimmen auf seiner Seite haben würde: Es waren die Gegner der geplanten Kurzdistanz-Schiessanlage.

Steuergelder anders ausgeben

Bewohner vom Stichrain, die sich schon mit Leserbriefen gegen das Bauvorhaben des Pistolenclubs und der Sportschützen gewehrt hatten, meldeten sich zu Wort.

Roland Wehrli betonte, dass er nichts gegen den Schiesssport habe, jedoch als Bewohner in unmittelbarer Nachbarschaft gegen den geplanten Standort beim Gasthof Muggensturm sei. Der Schiessplatz käme in ein Naherholungsgebiet zu liegen. Auch würden die Lärmimmissionen verharmlost. «Dass Verordnungen eingehalten werden, bedeutet nicht, dass wir Anwohner den Schiesslärm nicht hören.» 400 000 Franken aus der Stadtkasse für so wenig Schützen sei ein Riesenaufwand, den man hinterfragen müsse.

Das fand auch Markus Stähli. Bischofszell gehöre zu den Thurgauer Gemeinden mit dem höchsten Steuerfuss, und dann so viel Geld für etwas Unnötiges auszugeben wäre beschämend.

Auch die junge Stimmbürgerin Angelika Bischof gab zu bedenken, dass man die Steuergelder für Besseres ausgeben könne. Karin Dhenin machte in ihrem Votum konkrete Vorschläge: In der Turnhalle Hoffnungsgut seien diverse Geräte kaputt, und auch der Spielplatz im Nagelpark sei in einem schlechten Zustand.

Gianni Christen wandte ein, dass es unsolidarisch gegenüber den anderen Vereinen wäre, so viel Steuergelder für ein paar Hobbyschützen auszugeben.

Appell der Befürworter

Die Befürworter appellierten an die Solidarität mit den Schützenvereinen. Es würden keine Steuergelder aufgewendet, sagte der Präsident der Schiesskommission, Stadtrat Armin Bolliger.

Nach dem Verkauf des Baulandes auf dem stillgelegten Schiessstand Breite blieben unter dem Strich der Stadt noch 600 000 Franken für anderes übrig. «Die Schützen wollen nichts Neues, sondern einen Ersatz für das, was ihnen weggenommen wurde.» Koni Mathis fand es befremdend, dass die jahrhundertealte Tradition des Schiessens und der Schützenvereine in Bischofszell nichts mehr wert sei.

Der Präsident des Pistolenclubs, Paul Etter, gab zu bedenken, dass es beim Schiesssport wegen der Sicherheit nun mal eine gewisse Infrastruktur brauche. Der Präsident der Sportschützen, Bernhard Bischof, betonte, dass seine Vereinsmitglieder mehr seien als «ein paar Hobbyschützen». «So halten wir immer noch den Schweizer Rekord bei der Mannschaftsmeisterschaft.» Klaus Stürm stellte den Antrag, über den Baubeitrag geheim abzustimmen, was von der Mehrheit der Versammelten befürwortet wurde.

Das Resultat nach dem Auszählen fiel deutlich aus: Mit 280 Nein- gegen 110 Ja-Stimmen wurde der Baubeitrag von 400 000 Franken für die neue Schiessanlage abgelehnt.

Zuvor hatten die Stimmberechtigten die Rechnungen 2009 der Stadt und der Technischen Gemeindebetriebe einhellig genehmigt. Mit deutlichem Mehr angenommen wurden auch die Einbürgerungsgesuche der italienischen Staatsangehörigen Sonia Caparrelli sowie von Kastriote Hisenaj (Serbien-Montenegro) und Zahida Sabani (Kosovo).

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