HELDSWIL: Das Wasser soll kontrolliert ablaufen können

Im Dorf wird derzeit viel Erde bewegt. Eine Dammaufschüttung am östlichen Rand wird künftig dafür sorgen, dass der Ort vor Hochwasser besser geschützt ist. Die bauliche Massnahme ist eine Reaktion auf das Unwetter vom Juni 2015.

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Die Bauarbeiten für den Damm beim Gerätemagazin der ehemaligen Ortsgemeinde Heldswil haben begonnen. (Bild: Georg Stelzner)

Die Bauarbeiten für den Damm beim Gerätemagazin der ehemaligen Ortsgemeinde Heldswil haben begonnen. (Bild: Georg Stelzner)

Damit die Lastwagen im Wiesland nicht einsinken, liegt auf der Zufahrt zur Baustelle für das Retentionsbecken in Heldswil grober Schotter. Regelmässig bringen die Lastwagen Aushubmaterial von der nahe gelegenen Baustelle der Firma Schenk und kippen es über eine Rampe vor die Schaufel des Baggers. Schaufel um Schaufel wächst an der östlichen Peripherie des Dorfes ein Erdwall in die Höhe.

Die meisten Häuser des Ortes stehen auf einem südlichen und einem nördlichen Hügel, einige jedoch auch in der Senke dazwischen. Diese tiefer gelegenen Gebäude soll der Damm in Zukunft vor Hochwasser schützen. Er wird aber auch Entlastung für alle überschwemmungsgefährdeten Gebiete entlang des Tülebachs bringen – bis hinunter ins Nachbardorf Kradolf.

«Wir nutzen die natürliche Topografie für den Bau des Retentionsbeckens», erklärt Mark Todorovic vom Ingenieurbüro NRP Ingenieure AG aus Weinfelden. «In der Senke lag einst das Bachbett des Tülebachs, bevor er eingedolt worden ist.» Auf jenem Teilstück, auf dem jetzt der Damm aufgeschüttet wird, ist die Eindolung durch stärkere Rohre erneuert worden, damit sie der Belastung durch das zusätzliche Erdreich standhält.

Grundeigentümer zur Zusammenarbeit bereit

Das Retentionsbecken in der Senke östlich des neuen Damms kann bis zu 7250 Kubikmeter Wasser aufnehmen. «Durch ein Ablaufrohr fliesst dann nur so viel Wasser ab, wie der Bach in seinem Unterlauf auch aufnehmen kann», erklärt der Ingenieur. Ausgelegt ist das Projekt auf ein 100-jähriges Unwetterereignis.

Mit der Planung ist vor gut einem Jahr begonnen worden. Die rasche Umsetzung sei nicht zuletzt dadurch zu Stande gekommen, dass mit den drei Grundeigentümern eine schnelle Einigung erzielt worden ist, sagt Gemeindepräsident Christof Rösch. Die Bauarbeiten haben kürzlich begonnen. Alles sei bis anhin gut und nach Plan verlaufen, sagt Curdin Pinggera von der Baufirma Schenk aus Heldswil. «Die Witterung ist uns entgegengekommen. Nach einem Unterbruch über die Festtage werden die Arbeiten im neuen Jahr weitergeführt und voraussichtlich Ende Januar abgeschlossen.»

Für das Hochwasserschutzprojekt hat der Gemeinderat Hohentannen einen Bruttobetrag von 140000 Franken veranschlagt. Nach Abzug der Beiträge von Bund und Kanton rechnet der Gemeindepräsident mit Nettokosten von rund 80000 Franken. Unterstützung hat die ­Gemeinde zusätzlich von der Versicherungsgesellschaft Die Mobiliar erhalten. Gemeinderat René Honauer arbeitet dort als Versicherungs- und Vorsorgeberater. Die Versicherung unterstützt Präventionsprojekte zum Schutz vor Naturgefahren», erläutert René Honauer. Seit dem Jahr 2006 hat die Versicherung schweizweit bereits über 30 Millionen Franken für vorbeugende Schutzmassnahmen gesprochen. René Honauer ist deshalb für das Hochwasserschutzprojekt in seiner Gemeinde mit einem Antrag an die Versicherung gelangt.

Den Erfolg dieser Bemühungen präsentierte er mit Stefan Engeli, dem Leiter Schadensdienst der Mobiliar, Mitte Dezember auf der Baustelle in Heldswil. Ho­nauer und Engeli überreichten dem Gemeindepräsidenten einen symbolischen Check über 39000 Franken. «Für diese zusätzliche Entlastung der Gemeindekasse sind wir natürlich sehr dankbar», erklärte Rösch.

Hannelore Bruderer

bischofszell

@thurgauerzeitung.ch