Heiss der Käse, kalt die Finger

Teelichter säumen den schneebedeckten Weg, der vom Weiherdamm den Hügel hinauf zum Büelhölzli führt. Unterhalb, auf dem zugefrorenen Hauptwiler Weiher, drehen im Scheinwerferlicht noch Schlittschuhläufer ihre Runden.

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Die grosse Kälte vermochte die Liebhaber von Fondue nicht abzuhalten: Die Bänke der improvisierten Fonduestube waren voll. (Bild: Claudia Gerrits)

Die grosse Kälte vermochte die Liebhaber von Fondue nicht abzuhalten: Die Bänke der improvisierten Fonduestube waren voll. (Bild: Claudia Gerrits)

Teelichter säumen den schneebedeckten Weg, der vom Weiherdamm den Hügel hinauf zum Büelhölzli führt. Unterhalb, auf dem zugefrorenen Hauptwiler Weiher, drehen im Scheinwerferlicht noch Schlittschuhläufer ihre Runden. Farbige Lichter blinken durch die Bäume, wo die Musikgesellschaft Brassband Hauptwil zum Fondueplausch gerichtet hat. Zwischen grossen Buchen, rundum geschützt durch einen Windfang, gedeckt mit einem riesigen Zeltdach, stehen Tische und Bänke. Acht Feuerstellen verbreiten wohliges Licht und Wärme.

Seit Jahren ein Renner

«Kalt, trocken, Schnee – Wetter, wie wir es uns wünschen», sagt Edgar Bernhardsgrütter. Er ist einer der Initianten des winterlichen Freiluft-Fondueplausches. Die Idee dazu sei in einer lustigen Runde nach einer Musikprobe entstanden und habe erst für Kopfschütteln gesorgt, erzählt er. Im Laufe des Abends füllen sich die Tische immer mehr. Nach sieben Uhr scheint der Ansturm am grössten. In grossen Töpfen in der Freiluftküche wird eifrig gerührt. «Ewigi Liebi» tönt aus einem Lautsprecher. «Wir kommen, weil wir gerne Fondue haben und weil wir Hauptwiler sind», lacht Simone Fröhlich, die sich eben mit ihren zwei Kindern und ihrem Mann wieder auf den Heimweg macht. Die zweijährige Annina nickt eifrig auf die Frage, ob sie den heissen Käse mit dem Brot gerne gegessen habe.

Gemütlich trotz 7 Grad minus

«Es ist einfach gemütlich, wir kommen jedes Jahr mit der ganzen Familie, nicht nur, weil mein Mann Kassier der Musik ist», erklärt Elly Germann aus Bürglen. «Kalt? Man kann sich ja entsprechend anziehen.» Eine tolle Idee und immer sehr gemütlich findet es auch Sohn Marcel Germann. «Ausserdem riecht es nachher in der eigenen Wohnung nicht nach Käse», streicht er schmunzelnd noch einen anderen Vorteil heraus. Überall an den Tischen wird geplaudert, gelacht. Nicht nur das Fondue in den Caquelons, auch der Atem dampft. Zwischen Fondue, Glühwein und Kaffee wärmen manche an den Feuern die Hände. Bei sieben Grad minus werden sie doch kalt. «Es war auch schon kälter», meint Hanspeter Stuber aus Gottshaus. «Wir kommen jedes Mal, auch wegen des Vereins.»

Verdauerli

Der grosse Kupferwaschhafen in der Freiluftküche dampft, wo ein Mitglied der Musikgesellschaft die gebrauchten Caquelons wäscht. Über dreissig Fonduegarnituren sind im Gebrauch. Gegen acht Uhr sind schon 190 Portionen Fondue gegessen. Im Durchschnitt hätten sie jedes Jahr rund 200 Portionen gebraucht, erklärt Thomas Husistein, Präsident der Musikgesellschaft.

Wer kein Fondue mag, steigt auf Wienerli um. Einen halben Meter oder auch einen ganzen Meter Kirsch kann man laut der aufliegenden Menukarte als Verdauerli haben.

An der Bar gibt es Appenzeller. Noch läuft nicht so viel an der Theke. «Das kommt schon noch», lacht Barkeeperin Beatrice Husistein, die sich gerade am Feuer vor der Bar etwas aufwärmt. «Bis Mitternacht dauert es schliesslich noch lange.»

Claudia Gerrits

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