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HEFENHOFEN: Ohne Spitz nur ein halber Baum

Sie fallen auf: Die farbigen Stäbe an Zehntausenden von Nordmanntannen in Christbaumkulturen. Vögel setzen sich auf die frischen Terminal- und Jungtriebe und verursachen Schäden. Dank der Vogelstäbe bleiben die Baumspitzen gerade und unverletzt.
Urs Oskar Keller
Bruno Straub bringt einen der Vogelstäbe an der Spitze des Tannenbaums an. Er kultiviert schon seit 1991 auf 20 Hektaren Christbäume. (Bilder: Urs Oskar Keller)

Bruno Straub bringt einen der Vogelstäbe an der Spitze des Tannenbaums an. Er kultiviert schon seit 1991 auf 20 Hektaren Christbäume. (Bilder: Urs Oskar Keller)

Urs Oskar Keller

amriswil@thurgauerzeitung.ch

«Viele fragen uns, was es mit den farbigen Stäben an unseren Christbaumspitzen für eine besondere Bewandtnis hat», erzählt Bruno Straub bei einem Rundgang durch seine Weihnachtsbaumkulturen. Seit 1991 kultiviert der 50-Jährige auf 20 Hek­taren in den beiden Kantonen Thurgau und St. Gallen Weihnachtsbäume, mehrheitlich Nordmanntannen. Der Grund für die Stäbe: Vögel setzen sich auf die frischen Terminaltriebe und verursachen Schäden. Dank der Vogelstäbe bleiben die Baumspitzen gerade und unverletzt.

Dummen Streich von ­Jugendlichen vermutet

Dies ist vielen nicht bekannt. Beim munteren Rätselraten vermutete ein Baumfachmann, bei den fraglichen orangen Fähnchen handle es sich um einen mechanischen Schutz der Tannenbaum-Endknospen vor dem Verbiss durch Rehwild. Dem ist aber nicht so. Bruno Straub bemerkte in den 2000er-Jahren, dass bei vielen seiner Christbäume im Frühling die Spitzen fehlten.

«Zuerst vermutete ich einen dummen Streich von Jugend­lichen dahinter und überwachte deshalb die Christbaumkulturen rund um die Uhr.» In den Anlagen lagen bis zu 400 Baumspitzen am Boden. «Dann beobachtete ich, dass Vögel die fragilen Spitzen im Frühling brachen und ich musste schleunigst etwas dagegen tun.»

«Ohne Spitzen lassen sich Weihnachtsbäume schon lange nicht mehr verkaufen», so Straub. «Deshalb befestigen ich und ­meine Mitarbeiter hauptsächlich im April und Mai Tausende Vogelstäbe mit oder ohne spezielle Multi­funktionsklammern an den Bäumen», sagt der Fachmann. Je nach Menge kosten Plastik-­Vogelstäbe rund 35 Rappen pro Stück. Um den Baumschutz noch effektiver zu gestalten, gibt es auch Vogelstäbe mit Windrädern oder Landeplätzen. «Die Vogelstäbe schützen den noch nicht verholzten Terminaltrieb vor Beschädigungen.»

Es gibt auch blaue Vogelschutzmanschetten, die in Weihnachtsbaumkulturen die Bäume schützen. Die präzise Montage und Demontage der Stäbe auf den Kulturen von Bruno Straub sind zeit- und kostenintensiv. Sie ­dauern rund drei Wochen. Profis ­setzen ungefähr ein bis zwei ­Stäbe pro Minute. «Bei drei bis vier Meter hohen Bäumen kommen Leitern zum Einsatz. Zudem haben wir zahlreiche Kulturen an verschiedenen Orten, und Feldwechsel sind notwendig», bemerkt Bruno Straub.

Die Idee kam aus Deutschland

Seit etwa zwanzig Jahren kennt man die Vogelstäbe in der Schweiz. «Die Idee kam über Produzenten aus Deutschland zu uns. Bei anderen Bäumen braucht man diese Hilfen nicht. In Weihnachtsbaumkulturen ausserhalb des Waldes, in denen andere Sitzgelegen­heiten für Vögel fehlen, ist diese Massnahme sicher sinnvoll», sagt Josef Brägger, der bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008 die Fachstelle Spezialkulturen am solothurnischen Bildungszentrum Wallierhof leitete.

Die rote, blaue oder gelbe Farbe habe für den Bauern vor allem den Vorteil, dass er die Stäbe beim Einsammeln besser sehe, betont Josef Brägger. Ende Sommer, wenn die Triebe verholzt und stabil sind, werden die Stäbe wieder eingesammelt. Früher waren die meisten Vogelstäbe aus Holz, heute sind sie mehrheitlich aus Kunststoff und können etwa fünfmal verwendet werden. Als Alternative bietet Bruno Straub auch 40 bis 60 Zentimeter lange und behandelte Ersatzvogelstäbe aus Bambus an. Diese seien «optimal zum Hochbinden und Korrigieren», heisst es zum Beispiel im Verkaufskatalog der Heide­gesellschaft GmbH, einer Zulieferfirma der Weihnachtsbaum­branche, bewerbend.

Beat Kressibucher, Christbaumzüchter in Ast bei Berg im Kanton Thurgau, sagt: «Wir verwenden auch Vogelstäbe sowie Zweigregler mit 4er- und 6er-Haken für die Korrektur der Kränze und deren Äste. Man investiert heute viel Zeit, um schöne Bäume zu erreichen.»

Die Baumschere ist immer dabei

Bis ein Baum eine Grösse erreicht hat, um als Weihnachtsbaum in der Wohnung zu stehen, vergehen bis zu zehn Jahre. Bruno Straub ist fast nie ohne seine Baumschere in seinen Weihnachtsbaumkulturen unterwegs. Doppel- und Mehrfachtriebe werden entfernt und die Bäume in die «richtige Form» gebracht. Mit einer speziellen «Top-Stopp-Zange» wird erreicht, dass der Lebenssaft der Bäume nicht zu rasch in die Höhe schiesst und so der Jahrestrieb nicht zu lange wächst. «Mit grosser Freude am Gedeihen begleite ich jeden einzelnen Baum», meint Straub.

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