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HEFENHOFEN: Gemeindepräsident tritt nicht mehr zur Wahl an: «Der Spagat war nicht einfach»

Andreas Diethelm wird nur noch bis Ende Mai 2019 Gemeindepräsident sein. Er will sich künftig auf eine neue und nur einzige berufliche Herausforderung konzentrieren. Innerhalb der Gemeinde fand sich keine praktikable Lösung.
Manuel Nagel
Andreas Diethelm in seinem Büro in Hefenhofen. (Bild: Reto Martin)

Andreas Diethelm in seinem Büro in Hefenhofen. (Bild: Reto Martin)

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

Andreas Diethelm, Sie verzichten auf die Wiederwahl als Hefenhofer Gemeindepräsident. Was gab zu dieser Entscheidung den Ausschlag?

Ich will mich nur noch auf eine neue Aufgabe konzentrieren. Es ist nicht so, dass es mir keine Freude mehr machen würde, im Gegenteil. Ich hatte immer den Plausch und habe das auch im Gemeinderat so kommuniziert.

Wann haben Sie den Gemeinderat informiert?

Vor zwei, drei Monaten. Nächstes Jahr, wenn meine Amtsperiode endet, werde ich 49 – also noch vor dieser «50er Schwelle». Hänge ich nochmals eine Amtsperiode an, bin ich 53. Und sich dann nochmals neu orientieren? Was ich sicher wusste: Ich werde das nicht bis 65 machen. Das wäre unrealistisch, das heute schon so festzulegen. Zudem hat sich gezeigt, dass der Spagat mit zwei beruflichen Herausforderungen parallel nicht einfach ist.

Sie sind zu 60 Prozent bei der Gemeinde Hefenhofen angestellt. Was ist mit dem Rest?

Das andere ist die Feuerwehr in Romanshorn mit einem Pensum von offiziell 20 Prozent. Vom Aufwand her sind es aber aufgrund des Milizsystems deutlich mehr.

Und Ihre Firma Diethelm AG, Metall- und Apparatebau?

Die Firma wurde 2013 stillgelegt und existiert nur noch auf dem Papier. Als ich bei der Gemeinde anfing, arbeitete ich parallel in der Firma. Nach der Stilllegung war ich nebst Gemeindepräsident Geschäftsführer eines Ausbildungszentrums in St. Gallen. Und als sich die Möglichkeit mit der Feuerwehr Romanshorn auftat, bin ich nochmals zurück zur Feuerwehr, für die ich schon seit rund 30 Jahren tätig bin.

Wie schwer fiel Ihnen der Entscheid, auf eine Wiederkandidatur zu verzichten?

Ich habe mir lange darüber Gedanken gemacht, weil ich sehr gerne in der Gemeinde arbeite. Ich bin hier aufgewachsen, ich bin Bürger von Hefenhofen, es ist mein Heimatort – es ist wirklich meine Gemeinde. Deshalb haben wir auch im Gemeinderat in den letzten zwei, drei Monaten eine Lösung gesucht, ob es eine Variante gäbe, dass ich mich hier auf einen Job fokussieren kann, dass man das Pensum erhöhen könnte. Aber wir fanden keine praktikable und vernünftige Lösung, die man ja auch gegenüber dem Steuerzahler rechtfertigen muss.

Wie sieht nun das weitere Vorgehen der Gemeinde aus?

Die Gemeinde wird in absehbarer Zeit ein Inserat schalten und die Stelle ausschreiben. Im Amtsblatt wie auch auf unserer Website und auf den entsprechenden Plattformen. Dann wird eine Wahlkommission einberufen, welche die entsprechenden Bewerber prüft. Zu meiner Zeit waren das nicht nur Personen aus dem Gemeinderat, sondern auch noch Leute aus der Gemeinde, sodass es breiter abgestützt ist.

Was erwartet die Bewerber?

Der Job ist breit gefächert, macht viel Spass und ist extrem spannend. Sie haben ja beim «Fall Hefenhofen» mitbekommen, was alles auf einen zukommen kann.

Hatte diese Affäre ebenfalls Einfluss auf Ihren Entscheid? Sie gerieten unter Beschuss, mussten vom «Blick» und von zahlreichen E-Mail-Schreibern aus dem ganzen Land viel Kritik einstecken.

Ich will es so formulieren: Es hat dazu beigetragen. Aber nicht, um hier zu gehen, sondern um hier zu bleiben. Der ganze «Fall Hefenhofen» bestätigte mich, hier Gemeindepräsident sein zu wollen. Da war ich gefordert, vorne hinzustehen und nicht einfach ein besser bezahlter Verwaltungsangestellter zu sein. Auch wenn es eine unerfreuliche Geschichte war, so war diese Situation herausfordernd und spannend – und dafür wurde ich auch gewählt.

Hefenhofen ist als Gemeinde nicht einfach zu handhaben, so verstreut mit elf Weilern. Braucht es für diesen Job eine einheimische Person?

Von der gewachsenen Infrastruktur ist es sicher ein Vorteil, wenn die Person ein gewisses Hintergrundwissen hätte und hier verwurzelt ist. Es ist jedoch keine Grundvoraussetzung. Die Türen stehen auch Auswärtigen offen.

Wie sehen Sie mittel- und langfristig die Zukunft Hefenhofens als eigenständige Gemeinde? Die Frage drängt sich auf, wenn Sie auch aufgrund des Pensums aufhören. In Sommeri ist die Gemeindepräsidentin zu 30 Prozent angestellt. Zusammen gäbe das eine gewisse Grösse der Gemeinde und des Pensums für ein Gemeindepräsidium.

2012 stimmten wir ja darüber ab, ob wir mit Amriswil Fusionsverhandlungen aufnehmen sollen, was im Verhältnis 70 zu 30 bei einer sehr grossen Stimmbeteiligung abgelehnt wurde. Die Bevölkerung sagte ganz klar «wir wollen selbstständig bleiben». Ich bin überzeugt, dass es mittelfristig so bleiben wird. Langfristig wird das Thema sicher wieder auf den Tisch kommen. Aber nicht nur in Hefenhofen, sondern auch in anderen Gemeinden, weil es dann um eine grössere Gemeindereorganisation gehen dürfte. Aktuell sehe ich aber keinen Handlungsbedarf. Wir funktionieren und stehen auf guten Füssen. Hefenhofen ist nicht im Zugzwang, fusionieren zu müssen.

Sehen Sie also kein Problem, einen Gemeindepräsidenten zu finden, der nur zu 60 Prozent angestellt sein kann?

Die Ausschreibung wird sich nicht auf 60 Prozent behaften. Man könnte auch aufstocken. Bauingenieurwesen, Hoch- und Tiefbau, Ortsplanung – das haben wir ausgelagert an ein Ingenieurbüro, weil ich diese beruflichen Voraussetzungen nicht mitbringe. Deswegen konnte ich auch nicht aufstocken. Aber wenn jemand diese Kenntnisse hat, wären auch mehr Prozent möglich.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt, als Sie hier anfingen?

Als ich am 1. Mai 2012 das Amt antrat, war die Gemeinde mitten im Prozess der Fusionsfrage mit Amriswil. Für mich war klar, das muss sauber und transparent ablaufen. Mit den Leuten kommunizieren und schliesslich dem Wunsch entsprechen, den Hefenhofen hat, egal welche Richtung.

Und als dann der Entscheid für die Eigenständigkeit fiel, was nahmen Sie da in Angriff?

Bei der Strasseninfrastruktur bestand ein grosser Handlungsbedarf. Wir haben dann auch sehr viel in die Strassen investiert. Und für mich war auch klar, den Charakter Hefenhofens mit seinen elf Weilern zu erhalten. Das macht unsere Gemeinde aus.

Was ist Ihnen nicht gelungen?

Ich wollte die Leute etwas näher zusammenzubringen, was aber aufgrund unserer geografischen Situation fast nicht möglich ist. Man ist halt doch in seinem Weiler zu Hause. Das musste ich irgendwann einsehen, und obwohl hier aufgewachsen, musste ich das wie neu lernen.

Bleiben Sie in Hefenhofen wohnhaft?

Ein Wegzug steht nicht zur Diskussion. Ich weiss zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht, was ich danach machen werde.

Sie haben nichts in Aussicht?

Nein. Für mich ist nur klar, dass es eine neue Aufgabe sein soll, in die ich mich voll einbringen kann. Es gibt aber keine Prioritäten- oder Wunschliste. Ob Privatwirtschaft oder allenfalls auch wieder in Richtung Metall, woher ich ursprünglich komme – ich will mich einfach neu ausrichten.

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