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HEFENHOFEN: Auf dem Sprung nach Tokio

Andri Oberholzer ist aktuell der beste Schweizer Zehnkämpfer. Das Fernziel des Auenhofers sind die Olympischen Sommerspiele 2020 in Japan. Dafür hütet er temporär auch das Zimmer seiner Freundin in Basel.
Manuel Nagel

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

«Du kannst einen Zehnkampf nicht planen», sagt Andri Oberholzer. Er muss es wissen. Er ist aktuell der Stärkste des Landes in seiner Sportart. Da müsse man spontan sein. «Das gibt mir auch eine gewisse Lockerheit abseits des Sportes», sagt der 21-Jährige.

Das äussert sich beispielsweise in der Schule. Oberholzer absolviert gerade die Passerelle in Basel als Ergänzung zur Berufsmatura, um so Zugang zu den Universitäten zu bekommen. «Vor Prüfungen sind meine Mitschüler total nervös. Ich hingegen bin ruhig, weil ich weiss, dass ich lange darauf gelernt habe – und dann kommt das schon gut.»

Sport war in seiner Familie immer ein wichtiges Thema. Die Eltern Monika und Samuel spielten beide Volleyball. Andri und die beiden Schwestern Rahel (23) und Annik (15) wuchsen generell in einem sportlichen Umfeld auf. Volleyball habe er zwar gerne gespielt, doch so richtig begeistern dafür konnte er sich nicht. «Als Jugendlicher probiert man alles aus. Handball machte mir viel Spass», erzählt Andri Oberholzer.

Trotz fehlendem Erfolg kein Motivationstief

Eishockey, Wasserball und Unihockey hätten ihm auch gefallen, erinnert sich Mutter Monika, doch die erste Priorität blieb für ihn immer die Leichtathletik, zu der er schon mit etwa sieben Jahren stiess. Er erinnert sich, beim «schnellsten Hefenhofer» meist zuoberst auf dem Podest gestanden zu haben. Auch national war Oberholzer bis zwölfjährig an der Spitze – bevor er drei, vier Jahre lang eine Durststrecke hatte und der Erfolg ausblieb.

Doch das tat der Motivation keinen Abbruch und Oberholzer sagte sich: «Ich bin jetzt vielleicht noch hinter dir, aber wenn ich in den nächsten zehn Jahren mehr trainiere als du, bin ich vor dir.» Er dachte schon damals langfristig und wusste, es ist nicht entscheidend, wo man als 13-Jähriger steht, sondern später. Gezweifelt an der Leichtathletik habe er jedenfalls nie, ging auch sehr gerne ins Training. Die Eltern und sein Trainer mussten ihn eher immer etwas bremsen.

Nun übt er eigentlich zehn Sportarten aus (siehe Kasten). Nebst der Schule bleibt kaum Zeit für Hobbys. Doch Kochen ist eines davon. «Als Sportler muss ich auf meine Ernährung achten», sagt Oberholzer. Es sensibilisiere ihn auch, was er alles zu sich nimmt. Nicht nur Nahrung.

Die vielen Kontrollen geben ihm auch Sicherheit

Medikamente nehme er sehr ungern, vor allem Schmerzmittel. «So nimmt man auch die Signale des Körpers nicht mehr wahr», sagt Oberholzer. Wenn er aber mal eine Salbe einstreicht, gibt ihm eine App Auskunft, ob darin verbotene Substanzen sind.

Überhaupt glaubt Oberholzer fest daran, dass viele Sportler nicht gedopt sind. Es ist auch eine Schutzhaltung, «denn wenn man denkt, alle sind gedopt, würde das extrem hemmen, überhaupt an die Spitze zu kommen und hundert Prozent zu geben.» Jederzeit könne die Anti-Doping-Agentur zur Türe hereinlaufen und ihn testen. Zudem muss er für die Dopingjäger auch stets ausserhalb des Hauses erreichbar sein – für einen spontanen Menschen wie ihn sei das sehr mühsam, gibt Oberholzer zu. Aber er hat dafür Verständnis. Und es gebe Sicherheit, dass etwas gegen Doping unternommen werde.

Häufig müssten die Kontrolleure nach Basel, um ihn zu testen, wo er zur Schule geht und trainiert – und bei seiner Freundin Salome Lang wohnt, der besten Hochspringerin der Schweiz. Doch während er am Rheinknie ihr Zimmer hütet, studiert sie in St. Gallen. Kennen gelernt haben sich die beiden an der U20-EM in Schweden. Im letzten Juli waren sie erfolgreich an der U23-EM in Polen, als beide persönliche Bestleistungen erzielten. «Das war wie im Märchen», sagt der Zehnkämpfer Oberholzer, der mit 2,08 Meter 22 Zentimeter höher als seine Freundin sprang und 7827 Punkte erzielte. Sein Ziel ist jedoch Olympia 2020 in Tokio. Dafür brauche es 8000 Punkte. «Vorher ist man kein richtiger Zehnkämpfer», sagt Oberholzer.

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