Haussegen hängt weiterhin schief

Sie fühlen sich nicht ernst genommen: Die liberale achtköpfige Dialoggruppe der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen weigert sich deswegen, am heutigen Gesprächsabend mit Pfarrer Alois Jehle teilzunehmen.

Nicole D'orazio
Merken
Drucken
Teilen
Blick auf den Turm der Kirche St. Ulrich in Kreuzlingen. Nach wie vor gibt es Uneinigkeit über die Seelsorge der Pfarreileitung. (Bild: Reto Martin)

Blick auf den Turm der Kirche St. Ulrich in Kreuzlingen. Nach wie vor gibt es Uneinigkeit über die Seelsorge der Pfarreileitung. (Bild: Reto Martin)

KREUZLINGEN. Die Enttäuschung ist gross. «Wir fühlen uns von der Kirchbehörde und von Pfarradministrator Alois Jehle absolut nicht ernst genommen», sagt Xaver Dahinden stellvertretend für die sogenannte Dialoggruppe der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen. Diese hat sich letzten März nach einem pfarreiinternen Gesprächsabend gebildet. Viele sind mit der strikten, engherzigen und konservativen Seelsorge von Jehle in der Pfarrei St. Ulrich nicht zufrieden und haben dementsprechend Kritik geäussert (unsere Zeitung berichtete).

Viele schlechte Erfahrungen

«Ungewöhnlich viele haben der Pfarrei in den letzten drei Jahren den Rücken gekehrt und weichen auf andere aus», sagt Dahinden. Er wisse, dass viele traurig und wütend seien wegen der schlechten Erfahrungen mit Jehle. «Nach dem Abend hatten wir schnell eine Gruppe von gut vierzig Unzufriedenen beisammen und haben uns beraten, wie es weitergehen soll.» Acht davon haben nun die Kerngruppe gebildet und suchten das Gespräch mit der Kirchenvorsteherschaft sowie dem Pfarrer. Dies sind neben Dahinden Ruedi Anderegg, Erich Bätschmann, Urban Büchel, Pirmin Hugentobler, Monica Schär, Bruno Schlauri und Rolf Seger.

Termine haben nichts gebracht

«Wir hatten mittlerweile schon drei Termine mit verschiedenen Gremien der Pfarrei. Jehle war bei den wichtigsten dabei», sagt Dahinden. «Unsere Anliegen wurden mehrfach erfasst. Gebracht hat dies eigentlich nichts. Jehle hat alles von sich gewiesen.» Man habe auch über zwei Monate auf das erste Protokoll gewartet. Die Gruppe habe festgestellt, dass es für eine offenere Glaubenshaltung in St. Ulrich keinen Platz gebe. «Jehle übergeht Argumente und bestimmt selber, was gilt und was wahr ist.»

«Deswegen nehmen wir am heutigen Gesprächsabend mit Alois Jehle nicht teil», sagt Dahinden. Im Pfarrblatt schreibe er zwar, dass Anliegen offen und persönlich vorgebracht werden könnten. Fragen und Kritik sollten zudem möglichst objektiv geklärt werden. «Doch es geht ihm darum, die Kritiker vorzuladen und zum Schweigen zu bringen. In der Inszenierung, die heute abläuft, spielen wir in keiner Rolle mit. Wir wollen nicht, dass sie durch unsere Präsenz irgendeine Bedeutung bekommt. Diesen Rechtfertigungsabend tun wir uns nicht an.» Wahrscheinlich würden auch viele andere nicht hingehen. Viele würden es scheuen, vor Publikum Persönliches vorzutragen und vorgeführt zu werden.

Redeverbot für Mitarbeiter

Was Dahinden besonders erzürnt, ist ein Redeverbot für kritische Mitarbeiter der Pfarrei. «Sie dürfen nicht mehr mit uns sprechen. Das ist unglaublich und macht einen offenen Dialog immer unmöglicher. Die Beteuerungen seitens der Pfarreileitung sind unglaubwürdig.» Die Dialoggruppe erwartet von dieser, dass sie mit heiklen Themen sensibler umgeht und ein sorgfältiges Krisenmanagement beherrscht. «Das ist aber nicht der Fall. Wenn es um Sachlichkeit und ehrliches Interesse an Kritik ginge, müsste eine solche Aussprache anders aufgegleist sein. Bereits im Februar hat ein falsch deklarierter Gesprächsabend die Kirchbürger verärgert.»

Die aufreibende Sache geht Dahinden an die Nieren. «Es wäre einfacher, dem Ganzen einfach den Rücken zu kehren. Aber das wollen wir nicht. Dafür ist es zu wichtig.» Deswegen nehme die Gruppe die Konfrontation in Kauf und setze sich für ihre Sache ein. «Wir hoffen weiter, dass wir zu Lösungen kommen werden, aber diese Art des Dialogs bringt nichts.»